Bayer Leverkusen Xabi Alonsos größter Sieg wird nicht gefeiert

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Xabi Alonso (2. v.l.) traf gegen Monaco die richtigen Entscheidungen.

Xabi Alonso (2. v.l.) traf gegen Monaco die richtigen Entscheidungen.

Bayer 04 trifft im Achtelfinale der Europa League auf Ferencvaros Budapest und glaubt an den großen Coup.

Viel Schlaf hatte Xabi Alonso nicht bekommen, als er am Freitagmorgen, nur wenige Stunden nach dem Krimi mit Happy End von Monaco, wieder vor die Presse trat – digital aus seinem Hotelzimmer. „Wir hatten keine Zeit zu feiern“, sagte der spanische Trainer von Bayer 04 Leverkusen nach dem 5:3 im Elfmeterschießen über die AS Monaco und der Qualifikation für das Achtelfinale der Europa League am Donnerstagabend. Robert Andrich hatte „zwei, drei“ Kaltgetränke angekündigt – doch viel mehr war tatsächlich nicht drin.

In Budapest kann Bayer schon mal für das Finale vorfühlen

Bayer 04 verbrachte den Freitag im Fürstentum und absolvierte noch eine Trainingseinheit. Am Samstag sollte es per Flugzeug weiter nach Basel gehen und dann per Bus nach Freiburg. Beim Sportclub absolviert Bayer 04 am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) das nächste Bundesliga-Spiel. Parallel dazu wurde am Freitagmittag in Nyon der Achtelfinal-Gegner der Werkself ermittelt: Bayer 04 bekommt es mit Ferencvaros Budapest zu tun. Leverkusen startet mit einem Heimspiel gegen den 33-maligen ungarischen Meister, die Duelle sind für den 9. und 16. März angesetzt. Im Rückspiel kann Bayer 04 schon einmal vorfühlen, wie es sich im Finale am 31. Mai anfühlen könnte. Das Endspiel findet in der Budapester Puskás Aréna statt, der Heimstätte von Ungarns Nationalmannschaft.

„Ich nehme an keinem Wettbewerb teil, um zu sagen, dass ich irgendwann vorzeitig ausscheiden will“, sagte Jonathan Tah. „Wir sind bereit für alles.“ Grundlage der Europapokal-Träume war der willensstarke Auftritt vom Donnerstagabend, die Tore von Florian Wirtz (13.), Exequiel Palacios (21.) und Amine Adli (58.) sowie das herausragende Elfmeterschießen, bei dem alle fünf Leverkusener Schützen die Nerven behielten – nachdem in Pflichtspielen zuletzt sieben von acht Strafstößen verschossen wurden. „Als es losging, habe ich zu jedem der Jungs gesagt, dass er ihn reinmachen wird“, sagte Tah. „Ich hatte Vertrauen. Und ich habe den Jungs angesehen, dass auch sie Vertrauen haben.“ Xabi Alonso hatte die Schützen ausgesucht, „ich hatte eine klare Idee“, sagte der Spanier. „Und alle haben direkt gesagt: Alles klar, wir schießen.“

Für den Europameister, Weltmeister, zweifachen Champions-League-Sieger und Gewinner zahlreicher sonstiger Trophäen – allesamt als Spieler – war der Triumph im schmucklosen Stade Louis II der wichtigste Sieg in seiner noch jungen Trainer-Karriere. Ohne Europapokal würde Bayer 04 wohl nur noch ziellos in Richtung Saisonende schlittern. Der angekündigte Umbruch im Kader würde sein Übriges dazu beitragen, dass Spieler ihre persönlichen Ziele über ein gemeinsames stellen. Nun ist dieses Szenario bis mindestens Mitte März aufgeschoben.

Für Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes hatte Xabi Alonso mit seiner riskanten Rotation entscheidenden Anteil am Erfolg. „Er hat viel Kritik bekommen nach dem Wochenende, weil er so viel gewechselt hat“, sagte Rolfes mit Blick auf das 2:3 im Heimspiel gegen Mainz, als die Werkself ohne die zunächst geschonten Wirtz und Jeremie Frimpong in der Startelf über weite Strecken der Partie enttäuscht hatte. „Aber hätte er das nicht gemacht, wären wir hier nicht weitergekommen. Deswegen war es auch ein Sieg von ihm“, sagte Rolfes.

Ich habe nach jedem Sprint Krämpfe in beiden Waden und Oberschenkeln gehabt
Florian Wirtz

In jedem Fall war es erneut ein Sieg für Florian Wirtz. Der 19-Jährige hatte der Werkself in Weltklasse-Manier einmal mehr seinen Stempel aufgedrückt – mit seinem Abstauber-Tor zum 1:0 als leichtester Aufgabe. Die Flanke auf Adli vor dem 3:1 war ein Kunstwerk, wären seine Teamkollegen im Abschluss etwas effizienter gewesen, hätte Wirtz noch weitere Vorlagen verbucht. Selbst in der Verlängerung, als der Nationalspieler mit seinen Kräften sichtbar am Ende war, versuchte Wirtz mit einzelnen Antritten und Pässen für Entlastung zu sorgen. Nach 115 Minuten war sein Arbeitstag zu Ende. „Ich hab irgendwann ab Ende der regulären Spielzeit nach jedem Sprint in beiden Waden und beiden Oberschenkeln Krämpfe gehabt“, gestand Wirtz, der den Showdown Arm in Arm mit den Ersatzspielern von der Seitenlinie verfolgte. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir fünf reinmachen. Die letzten Wochen haben wir aber nach dem Training öfter mal Elfmeter geschossen. Das hat sich ausgezahlt.“

Nach dem Kraftakt an der Côte d’Azur dürfte Xabi Alonso seinem Superstar Wirtz am Sonntag in Freiburg wieder eine Verschnaufpause gönnen. Ob der Spanier erneut so massiv wie gegen Mainz rotiert, ließ er offen. „Für Freiburg brauchen wir frische Beine“, sagte er. Verzichten muss Bayer 04 auf die gesperrten Jonathan Tah, Piero Hincapie und Amine Adli. Startelf-Kandidaten gibt es in der zweiten Reihe: Odilon Kossounou, Daley Sinkgraven, Kerem Demirbay, Timothy Fosu-Mensah oder Sardar Azmoun. 

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