Nach zwei Niederlagen zum Auftakt des Jahres 2026 geht es für das Team von Trainer Kasper Hjulmand im europäischen Wettbewerb um die Playoff-Teinahme.
Champions LeagueBayer 04 kämpft bei Olympiakos Piräus in hitziger Atmosphäre um die Wende

Robert Andrich (links) will sich mit Bayer 04 Leverkusen nach zuletzt zwei schwachen Leistungen steigern.
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Ein knappes Vierteljahrhundert ist es her, als Olympiakos Piräus einen der größten Europapokal-Abende seiner bewegten Klubhistorie feiern konnte. Einen 6:2-Heimsieg in der Champions-League-Gruppenphase gegen ein Team, das nur 132 Tage zuvor noch im Finale der Königsklasse gestanden hatte: Bayer 04 Leverkusen.
Doch die Werkself um Abwehrchef Lucio und Mittelfeldgenie Bernd Schneider war zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Schatten jener Mannschaft, die in der vorherigen Saison europaweit für Furore gesorgt hatte und erst im Endspiel von Real Madrid und Zinedine Zidane gestoppt wurde. Zahlreiche Abgänge und Verletzungen hatten das Team von Trainer Klaus Toppmöller seinerzeit ausgezehrt, hinzu kam eine tiefe Formkrise. Letztlich ergab sich Bayer 04 „O Thrylos“ („dem Mythos“) an jenem 18. September 2002 fast ohne Gegenwehr.
Bayer 04 Leverkusen reist personell geschwächt nach Griechenland
Rund 24 Jahre später tritt Leverkusen zum zweiten Mal bei Olympiakos an. Am Dienstagabend (21 Uhr), dem siebten Hauptrunden-Spieltag der Königsklasse, geht es zu den heißblütigen Griechen. Die eine oder andere Parallele gibt es zwischen damals und heute. Wieder ist Bayer 04 personell geschwächt, zuletzt erwischte es Mark Flekken (Knie), Nathan Tella (Fuß) und Eliesse Ben Seghir beim Afrika-Cup (Sprunggelenk).
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Und wieder zeigt die Formkurve der Werkself steil nach unten. Die Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand hatte den Jahresstart mit den Pleiten gegen die Champions-League-Aspiranten VfB Stuttgart (1:4) und TSG Hoffenheim (0:1) in den Sand gesetzt und auf ganzer Linie enttäuscht. Doch anders als 2002, als Hans-Jörg Butts Vertreter Frank Juric gleich sechsmal hinter sich greifen musste und Bayer 04 blamiert die Heimreise antrat, will der Werksklub diesmal in Griechenland die Wende einleiten. „Wir müssen eine Schippe drauflegen“, forderte Sportgeschäftsführer Simon Rolfes am Montagvormittag vor dem Abflug der Leverkusener Reisegruppe von Köln nach Athen.
Es wird eine irre Stimmung sein. Es wird ein heißer Kampf. Es wird viel um Zweikämpfe und Duelle gehen und da müssen wir vorbereitet sein
Mit einem Sieg bei Olympiakos könnte Bayer 04 den vorzeitigen Einzug in die Champions-League-Playoffs perfekt machen. Die Klubs auf den Plätzen eins bis acht ziehen direkt ins Achtelfinale ein, die Ränge neun bis 24 berechtigen zur Playoff-Teilnahme. Bei einer weiteren Niederlage könnte Leverkusen am abschließenden Spieltag (28. Januar gegen den bereits ausgeschiedenen FC Villarreal) allerdings noch aus den Top 24 der Gruppenphase herausrutschen. Vieles ist rechnerisch möglich, entsprechend wegweisend ist die Partie. „Wir spielen auf Sieg, um die Playoffs klarzumachen“, kündigte Rolfes an.
Hierfür bedarf es einer Steigerung in fast jedem Bereich. „Wir müssen eine stärke Präsenz und eine größere Zielstrebigkeit zeigen. Wir müssen wieder eine größere Aggressivität, Feuer, Galligkeit haben und dann werden wir es auch wieder in unsere richtige Richtung drehen“, so Rolfes. Im Karaiskakis-Stadion, der Festung von Olympiakos, dürfte eine laute und hitzige Atmosphäre auf Bayer 04 warten, die schon manchen europäischen Klub ins Wanken gebracht hat. „Es wird eine irre Stimmung sein. Es wird ein heißer Kampf. Es wird viel um Zweikämpfe und Duelle gehen und da müssen wir vorbereitet sein“, sagte der 43-Jährige. „Wenn du in Griechenland spielst, ist es immer eine heiße Atmosphäre.“
Janis Blaswich rückt für den verletzten Mark Flekken ins Tor
Umso wichtiger ist es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Weder gegen Stuttgart noch in Sinsheim schien die Werkself allerdings über einen klaren Plan zu verfügen, wie ein jeweils laufstarker und spielintelligenter Gegner zu knacken sein könnte. Zu den defensiven Aussetzern, die es in der laufenden Saison immer mal wieder gegeben hatte, gesellte sich eine teils erschreckende offensive Harmlosigkeit. Eine toxische Mischung.
„Natürlich gibt es Situationen, da müssen wir uns in der Mannschaft klar werden: Was wollen wir spielen – und wie wollen wir die Spiele angehen? Da bringt es nichts, wenn vier Leute das eine spielen und drei Leute das andere. Dann kannst du nichts gewinnen“, klagte Kapitän Robert Andrich. Rolfes schöpfte aus den vergangenen Champions-League-Spielen Mut, die nach schwierigen Phasen in der Bundesliga als Kur auf europäischer Ebene dienten. „Im September und Oktober hatten wir auch eine Drucksituation in der Saison und haben eine super Reaktion in der Champions League gezeigt“, so Rolfes.
Damals gewann Bayer 04 zunächst bei Benfica Lissabon und drei Wochen überraschend später auch gegen Manchester City. Gegen Olympiakos wird Janis Blaswich als Flekken-Vertreter ins Leverkusener Tor rücken. Der frühere RB-Profi sammelte mit Leipzig und Salzburg Champions-League-Erfahrung (16 Einsätze). „Wir haben volles Vertrauen in Janis, wir sind von seiner Qualität überzeugt. Darum haben wir ihn auch im Sommer geholt“, meinte Rolfes, der nicht ausschloss, aufgrund des mindestens wochenlangen Ausfalls von Flekken noch einmal auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Damit es nicht wieder zu Ausfallerscheinungen wie vor einem knappen Vierteljahrhundert kommt.
Piräus: Tzolakis - Rodinei, Biancone, Pirola, Ortega - Hezze, Mouzakitis - Gelson Martins, Chiquinho, Daniel Podence – Taremi. – Leverkusen: Blaswich - Andrich, Badé, Quansah - Maza, Aleix Garcia - Arthur, M. Tillman, Grimaldo, Poku – Kofane.

