Die deutsche Mannschaft hat sich und dem EM-Gastgeberland einen traumhaften Turnierstart beschert.
Kommentar zum deutschen AuftaktsiegWeder Mannschaft noch Fans müssen ihre Euphorie bremsen


Der deutsche Bundestrainer Julian Nagelsmann jubelt nach dem Sieg.
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Um die EM-Stimmung im Land muss sich seit dem Rausch von München ohnehin niemand mehr sorgen. Doch Julian Nagelsmann wird mit Freude bemerkt haben, dass seiner Mannschaft rund um das 5:1 über Schottland viel Gutes widerfahren ist.
Beim Frühstück am Samstag im Teamquartier in Herzogenaurach dürfte der Bundestrainer in viele zufriedene Gesichter geblickt haben, und das nicht nur wegen des bemerkenswerten Resultats.
Fünf Torschützen treffen für Deutschland im ersten Spiel
16 Spieler seines Kaders haben bereits Minuten sammeln können, fünf Torschützen verzeichnet der DFB-Kader nach dem ersten Spiel; beziehungsweise sechs, aber lassen wir das. Zwei Einwechselspieler trafen sogar noch, Niclas Füllkrug dürfte nach seinem Donnerschlag in den Winkel vorerst gut damit leben können, sollte gegen Ungarn wieder Kai Havertz starten.
Sogar Emre Can erzielte ein Tor, zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel hatte der BVB-Profi noch im Urlaub geweilt. Auch er ist nun gut angekommen im deutschen EM-Kader.
Julian Nagelsmann hatte bereits in der finalen Phase der Vorbereitung gezeigt, dass er Wert darauf legt, eine eingespielte Mannschaft zu haben. Gegen die Schotten war das deutsche Team dann aus dem Stand auf Temperatur. Nach zwei Minuten wusste der Gegner bereits, dass dies ein langer Abend werden würde.
Offensiv-Ideen sorgen schon nach 20 Minuten für Tore
Die Spielidee funktionierte überragend. Kroos ließ sich immer wieder in den Raum fallen, in dem üblicherweise der Linksverteidiger agiert. Dadurch hatte die deutsche Mannschaft tief in der eigenen Hälfte eine ständige Überzahl, sodass die Schotten nicht wussten, wen sie nun anlaufen sollten. Immer war einer frei. Mit seinen Verlagerungen, die wie Golfschläge aussehen, riss Kroos die Räume auf, in die Musiala und Wirtz dann stießen. Scheinbar aus dem Nichts entstanden so gefährliche Aktionen in Serie.
Die andere Hälfte des deutschen Offensivspiels verantwortete İlkay Gündoğan, der Musiala und Wirtz im Zentrum Orientierung gab und auch selbst gefährlich wurde. Es war ein richtiger Gedanke, nach Wegen zu suchen, Wirtz und Musiala in gefährlichen Räumen an den Ball zu bekommen und gleichzeitig Gündoğans auf so vielen Bühnen nachgewiesene Qualität auch für die Nationalmannschaft verfügbar zu machen. Nach 20 Minuten hatten diese beiden Offensiv-Ideen schon zu zwei Treffern geführt, hatte Schottland alle Hoffnung verloren.
Schottland bot nichts, das den kommenden deutschen Gegnern helfen könnte
Ebenfalls dürfte Julian Nagelsmann gefreut haben, dass die Schotten nicht einmal im Ansatz Wege aufzeigten, wie diese deutsche Mannschaft zu stoppen sein könnte. Die nächsten Gegner werden wenig aus der Analyse dieses Auftakts ziehen.
Dennoch werden sowohl die Schweizer als auch die Ungarn allein individuell erheblich stärker sein als die hilflosen Schotten. Den DFB-Spielern ist das bewusst, zumindest zögerten sie am Freitagabend nicht, ihren Triumph auch am Auftreten des Gegners zu messen und darüber zumindest ein wenig zu relativieren. Wenngleich festzuhalten war, dass die deutsche Klasse nicht allein mit der Schwäche der Schotten zu erklären war, ganz und gar nicht.
Überhaupt gibt es nach diesem Start keinen Anlass, die Euphorie zu bremsen. Weder in der Mannschaft. Noch im Land des Gastgebers.


