Nach 61 Jahren auf dem Platz ist Schluss: Mit 90 Jahren beendet Deutschlands wohl ältester Schiedsrichter seine Karriere.
Abschied mit 90 JahrenSüdbadens ältester Schiedsrichter beendet seine Karriere

Im Alter von 90 Jahren ist Schluss als Schiedsrichter: Werner Ziebold.
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Werner Ziebold beendet seine Laufbahn als Fußball-Unparteiischer im Alter von 90 Jahren nach über 60 Jahren Tätigkeit. Laut Verbandsinformationen gilt er damit als der dienstälteste Schiedsrichter in der Region Südbaden. Der Mann aus Müllheim in Baden, zugehörig zum SV Weilertal, äußert, dass ihm das Laufen fehlen wird.
Sein letztes Spiel pfiff er am Sonntag in der Kreisliga, eine Begegnung zwischen der zweiten Mannschaft des SV Weilertal und dem SV Hartheim-Bremgarten II. Er war jedoch nur für die erste Spielhälfte sowie wenige Minuten darüber hinaus im Einsatz, ehe ein Ersatzmann übernahm. Dies markierte einen bewegenden Abschied von einer Aufgabe, der er sich 61 Jahre gewidmet hatte.
Anerkennung vom DFB für „unglaubliche Leistung“
Eine offizielle Würdigung kam ebenfalls. Knut Kircher, der als Geschäftsführer für die DFB Schiri GmbH tätig ist, zollte Respekt: „Selbst mit 90 Jahren noch auf dem Platz gestanden zu haben, ist eine schier unglaubliche Leistung“. Es sei eine Erfahrung, die man „nur ganz, ganz selten“ mache, dass eine Person sich über eine derart lange Zeitspanne engagiert. Nach Auskunft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zählt Ziebold definitiv zu den betagtesten Schiedsrichtern des Landes.
Der betagte Mann berichtet, dass ihm seine Tätigkeit bis zum Ende Freude bereitete, obwohl sein Knie Probleme machte. „Man kommt unter die Leute. Man ist immer mit jungen Leuten zusammen auf dem Platz.“ Er habe es lediglich nicht sehr geschätzt, wenn das Spiel rau wurde und er Verwarnungen aussprechen musste. An ein Ende seiner Tätigkeit habe er lange Zeit keinen Gedanken verschwendet.
Medizinische Ursachen für den Rücktritt
Ziebold erläutert: „Körperlich konnte ich das immer noch durchhalten. Ich habe gesagt, solange die Beine mitmachen“. Seine Erfahrung und Verlässlichkeit wurden hoch bewertet. „Der Verband ist froh, wenn sie genügend Schiedsrichter haben. Und die konnten mich immer mal anrufen, wenn es irgendwo gebrannt hat, auch mal unter der Woche.“
In der letzten Zeit traten jedoch vermehrt gesundheitliche Beschwerden auf. Zu einem alten Meniskusschaden, welcher sein Knie beeinträchtigt, gesellte sich ein neues Leiden. „Seit Dezember habe ich leider Wasser auf der Lunge“, teilt Ziebold mit. Die Pensionierung als Unparteiischer sei auch auf ärztlichen Rat hin erfolgt, wenngleich eine Besserung durch Arzneien eintrete.
Wie sich die „Legende“ den Respekt der Jugend erwarb
Für die Angehörigen seines Clubs geht eine „Legende“. Der junge Louis Lambracht, 13 Jahre alt und Spieler beim SV Weilertal, merkt an, dass Ziebolds Urteile unangefochten blieben. Der jugendliche Kicker schildert den letzten Auftritt gefühlsbetont: „Auf jeden Fall habe ich auch Freudentränen bei ihm gesehen, glaube ich. Was ich sehr schön fand. Ich fand es halt schon traurig, dass er jetzt aufgehört hat.“
Ziebold wurde auch von den älteren Heranwachsenden geachtet, wie die Jugendleiterin des Vereins, Sabine Leisinger, berichtet. „Die jungen Spieler, die ganz Kleinen, sagen, da kommt ein ganz alter Mann, der ist ja wie mein Opa“, gibt Leisinger wieder. „Die merken ganz schnell, dass er keine Faxen erlaubt.“ Mit seinem Weggang verliere der Club eine zuverlässige Stütze, da Ziebold niemals eine Bitte abgeschlagen habe. Der Entschluss, mit 90 Jahren in den Ruhestand zu treten, sei jedoch nachvollziehbar. „Er hat es sich verdient“, meint Leisinger.
Ziebolds Pfiff wird nach dem 1:1-Unentschieden der zweiten Mannschaft des SV Weilertal gegen den SC Hartheim-Bremgarten II auf dem Spielfeld verstummen. Er berichtet, sein finaler Auftritt sei aufgrund der hohen Temperaturen ermüdend gewesen. Gemäß seiner Gewohnheit konsumierte er in der Woche vor der Partie keinen Alkohol. Das anschließende Bier war somit redlich verdient. Sein Resümee lautet: „Da ich weiß, dass die Kraft nachlässt, jetzt mit 90, bin ich ganz zufrieden.“ (dpa/red)
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