Klagen, Visa-Streit und die Nähe zu Trump: Die FIFA steht kurz vor dem Start der XXL-WM massiv in der Kritik.
Die große Problem-WMAnzeige, Trump-Nähe und Ticket-Wucher belasten Turnierstart

Die Nähe zu Donald Trump (l) wird FIFA-Präsident Gianni Infantino von Kritikern vorgeworfen. (Archivbild)
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Kurz vor dem Anpfiff der XXL-WM in den USA, Mexiko und Kanada häufen sich die Probleme für die FIFA: Eine Klage, Streit um Visa und Ticketpreise sowie die Nähe zu Donald Trump trüben die Vorfreude.
Unmittelbar vor Beginn der riesigen Weltmeisterschaft stattete FIFA-Präsident Gianni Infantino Donald Trump einen weiteren Besuch im Weißen Haus ab. Gemeinsam posierten sie für die Kameras, während Infantino das Turnier als die „großartigste und inklusivste Weltmeisterschaft der Geschichte“ bezeichnete.
Jedoch werden vor dem Eröffnungsspiel zwischen Co-Gastgeber Mexiko und Südafrika am Donnerstag im Aztekenstadion erhebliche Zweifel an dieser optimistischen Einschätzung laut. Einem FIFA-Unparteiischen wurde die Einreise in die Vereinigten Staaten verwehrt. Zudem gibt es Beanstandungen wegen extrem hoher Eintrittspreise, der engen Beziehung Infantinos zu Trump und der gewaltigen Ausmaße des Turniers. Überdies sorgt eine Strafanzeige eines früheren Funktionärs für Aufsehen. Dies sind die Hauptkonfliktpunkte kurz vor dem Anpfiff der WM.
Juristische Auseinandersetzung mit Platini
Während Gianni Infantino zu Beginn der Woche im Central Park in New York einige neue Kleinspielfelder eröffnete, konfrontierten ihn juristische Schwierigkeiten aus früheren Zeiten. Michel Platini, der ehemalige Präsident der UEFA, hat in Frankreich eine Strafanzeige gegen Infantino sowie andere ehemalige Funktionäre gestellt. Nach der Auffassung des 70-Jährigen soll vor mehr als einem Jahrzehnt eine Intrige seine Wahl zum FIFA-Oberhaupt vereitelt haben. Anstelle der französischen Fußballikone wurde damals Infantino zum Leiter des Weltfußballverbands befördert.
Die umstrittene Beziehung zu Trump
Die Frage steht im Raum, in welchem Maße das Turnier in Kanada, Mexiko und den USA zu einer Inszenierung für Trump werden könnte. Es ist bestätigt, dass der amerikanische Präsident die Siegertrophäe bei der Endrunde am 19. Juli in East Rutherford bei New York aushändigen wird. Seit langer Zeit unterhalten Infantino und Trump eine enge Verbindung, die von der „New York Times“ als „Bromance“ bezeichnet wurde. Ein Höhepunkt dieser Beziehung war die Vergabe eines neu ins Leben gerufenen FIFA-Friedenspreises während der Auslosung zur WM.
Im Februar wurde zudem eine Kooperation des Weltverbands mit dem kontroversen Friedensrat von Trump verkündet. Infantino nahm an der ersten Zusammenkunft teil und wurde dabei mit einer roten Kappe mit dem Schriftzug „USA“ gesehen. „Das Problem ist das Ausmaß der Bereitschaft der FIFA und von Gianni Infantino, als Steigbügelhalter, Verbündeter und de facto Propagandawerkzeug für Donald Trumps Regime zu fungieren“, schrieb der britische „Guardian“.
Herausforderungen durch US-Einreiseregeln
Die Diskussion über die Einreisebestimmungen der USA testet die Einflussmöglichkeiten der FIFA auf die amerikanische Regierung. Dem aus Somalia stammenden Schiedsrichter Omar Artan, der für das Turnier eingeplant war, wurde der Zutritt zu den Vereinigten Staaten verwehrt. Als offizielle Begründung wurden Bedenken im Rahmen der Sicherheitskontrolle genannt. Die FIFA äußerte sich dazu machtlos und erklärte, dass sie in die Einwanderungsverfahren nicht involviert sei.
Der Fall Artan ist nicht der einzige dieser Art. Aus dem Iran erhielten laut dortigen Angaben 15 Offizielle kein Visum. Die iranische Mannschaft selbst hat laut dem Botschafter des Landes in Mexiko lediglich die Erlaubnis, an Spieltagen in die USA zu fliegen, und muss im Anschluss wieder ihr Quartier in Mexiko beziehen. Dies widerspricht den Turnierstatuten, welche die Ankunft eines Teams im Gastgeberland fünf Tage vor dem ersten Gruppenspiel vorsehen.
Personen aus Haiti sowie aus dem Iran dürfen momentan nicht in die USA einreisen. Anhänger aus dem Senegal und von der Elfenbeinküste sehen sich ebenfalls mit Beschränkungen konfrontiert. Auch aus dem Irak werden Schwierigkeiten bei der Einreise gemeldet.
Darüber hinaus meldet der Internationale Sportjournalisten-Verband AIPS, dass nicht nur Journalisten aus dem Iran, sondern auch aus afrikanischen Staaten keine oder nur limitierte Visa bekommen haben. „Die Fälle sind zahllos und nicht zu akzeptieren“, adressierte AIPS-Vorsitzender Gianni Merlo in einem Schreiben an die FIFA und verlangte vom Weltverband, bei den US-Behörden einzugreifen.
Streitpunkt Ticketverkauf
Die Unzufriedenheit bezüglich der WM-Karten ist auch unmittelbar vor Turnierbeginn weiterhin groß. Das Ticketsystem ist mittlerweile sogar ein Fall für die amerikanische Justiz geworden: Zwei Generalstaatsanwältinnen haben Ermittlungen aufgrund potenziell täuschender Vergabemethoden angekündigt. Eine Klage bei der Europäischen Kommission wurde bereits im März von der Fan-Vereinigung „Football Supporters Europe“ eingereicht.

Die Weiterverkaufsbörse der FIFA für WM-Tickets sorgt für Ärger. (Archivbild)
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Die Kritikpunkte umfassen vor allem die generell hohen Kosten, eine unzureichende Menge an preiswerten Karten, die Effekte des dynamischen Preisgestaltungssystems und überhöhte Preise auf der Wiederverkaufsplattform. Die FIFA rechtfertigt die Schaffung dieses Zweitmarktes als eine in den USA und Kanada etablierte Praxis. Der Verband erzielt dabei Einnahmen aus Gebühren in Höhe von etwa 30 Prozent.
Physische Belastung der Spieler
Mit 48 Mannschaften und 104 Begegnungen wird dieses Turnier nicht nur das größte in der WM-Historie sein. Laut Forschern gab es bei einem solchen Wettbewerb noch nie „eine solche Kombination von extremen Umweltfaktoren“, wie im Fachmagazin „Sports Medicine“ zu lesen war. Zu diesen Faktoren zählen extreme Hitze, Luftverschmutzung, weite Reisestrecken und die Höhenlage der Spielorte.
Zum Schutz der Akteure ordnete die FIFA obligatorische Trinkunterbrechungen von drei Minuten pro Spielhälfte an. In einem öffentlichen Schreiben verlangten internationale Fachleute jedoch zusätzliche Vorkehrungen, beispielsweise ausgedehntere Unterbrechungen und die Option, Spiele bei Temperaturen über 28 Grad zu verschieben oder komplett abzusagen. (dpa/red)
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