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Kommentar zu Italiens WM-K.o.Große Schadenfreude ist jetzt fehl am Platz

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Ein Häuflein Elend: Italiens Marco Verratti nach dem WM-K.o.

Köln – Italien verpasst wieder einmal eine WM-Endrunde. Das letzte K.o.-Spiel, das die Squadra Azzurra bei einer Weltmeisterschaft bestritt, war das WM-Finale 2006 in Deutschland. Das sensationelle Ausscheiden, die Blamage daheim gegen Außenseiter Nordmazedonien sorgte auch hierzulande für Spott und Kritik. In einem gewissen, erträglichen Rahmen ist das bei der großen Rivalität zwischen den europäischen Fußballnationen auch in Ordnung.

Doch allzu groß sollte die Schadenfreude nicht ausfallen. Man darf gerne auch vor der eigenen Haustür kehren, schließlich hat die deutsche Nationalmannschaft seit der EM 2016 auch nicht mehr überzeugt und sich bei der letzten WM 2018 in Russland sogar mit dem Erstrunden-Aus blamiert. Zudem ist es bedauerlich, wenn der aktuelle Europameister sich bei einer Weltmeisterschaft nicht messen kann.

Italien ist ein großes, stolzes Fußballland mit einer großen Fußballkultur, ihrer Nationalmannschaft schaut man bei einer WM-Endrunde lieber zu als Teams, die kaum Emotionen wecken.

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Man könnte jetzt die italienische Blamage sezieren, auch die italienischen Vereinsmannschaften haben ja seit Jahren gewaltige Probleme. Aber es ist in der jüngeren Vergangenheit nicht das erste Mal passiert, dass eine Nationalmannschaft nach einem großen Triumph beim nächsten Turnier scheitert. Der damals amtierende Welt- und Europameister Frankreich schied bei der WM 2002 in der Vorrunde aus, Spanien nach dem WM-Triumph 2010 vier später in Brasilien ebenfalls. 2014-Weltmeister Deutschland spielte zwar noch eine ordentliche EM in Frankreich und schied erst im Halbfinale gegen den Gastgeber aus, erlebte dann aber die große Pleite in Russland.

Verpasster Umbruch, fehlender Fokus

Die Gründe für das Scheitern nach einem Coup sind häufig dieselben: Der notwendige Umbruch bleibt aus, da es Trainern, Verbänden und auch der Öffentlichkeit schwer fällt, sich von verdienten Spielern zu trennen. Veteranen wie Kapitän Giorgio Chiellini, Leonardo Bonucci (fehlte gegen Nordmazedonien verletzt), Ciro Immobile oder Jorginho wurden allerdings vor rund acht Monaten in London noch gefeiert, fast vergöttert, jetzt gelten sie als zu alt, verbraucht oder formschwach.

Und es gibt wohl nichts Schwereres im Sport, als nach einem Triumph dieselben Motivation beizubehalten, die der Flow mit sich bringt, wenn man alle K.o.-Duelle und schließlich auch das Finale gewinnt.

Bekanntlich fand auch die WM 2018 ohne Italien statt. Und was folgte danach? Die Mannschaft stellte mit 37 Spielen ohne Niederlage einen Weltrekord auf und wurde 2021 im Wembley-Stadion schließlich Europameister.