Lionel Messi schreibt WM-Geschichte und schafft zudem im Spiel gegen Algerien etwas ganz Besonderes. Argentiniens Superstar lässt die Zeit stillstehen.
Klose-Rekord eingestelltLionel Messi lässt die Zeit stillstehen

Lionel Messi ist auch bei seiner sechsten WM-Teilnahme nicht zu stoppen.
Copyright: IMAGO/Sports Press Photo
Lionel Messi (38) ist der beste Fußballer der Geschichte. Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, und doch hat der argentinische Superstar bei der WM in Kanada, Mexiko und den USA wieder einmal neue Maßstäbe gesetzt und beim 3:0-Sieg über Algerien seine Ausnahmestellung im Weltfußball eindrucksvoll untermauert.
Messi, der seine WM-Teilnahme lange offenließ, ist der erste Fußballer weltweit, der bei sechs Weltmeisterschaften auf dem Platz stand. Portugals Cristiano Ronaldo, Messis ewiger Rivale, und Mexikos Ersatztorwart Guillermo Ochoa können noch beim Turnier in dieser Kategorie nachziehen.
Lionel Messi mit WM-Rekord im 200. Länderspiel
Beim Auftaktmatch des Titelverteidigers Argentinien in Kansas City gegen Algerien gehörte der Ausnahmekönner natürlich zur Startformation – und absolvierte zudem nebenbei sein 200. Länderspiel. Und dieses Jubiläum wollte er gebührend feiern.
Messi stand nämlich nicht nur in der Startelf, er war selbstverständlich auch der überragende Spieler auf dem Platz. Nicht nur offensiv, sondern auch defensiv – Messi ackerte von Beginn an und war überall auf dem Platz. Das erste Highlight setzte Messi bereits in der 5. Minute: Die Nummer 10 der Gauchos tauchte halbrechts völlig frei vor dem Tor auf und überlupfte Keeper Luca Zidane elegant in für ihn typischer Manier. Doch die Fahne ging hoch, Messi stand beim Zuspiel hauchzart im Abseits.
Doch in der 17. Minute war es soweit: Rodrigo Paul, Messis Teamkollege bei Inter Miami, bediente den Superstar mit einem Zuckerpass und Messi traf mit links aus der Distanz. Torwart Zidane, Sohn des legendären französischen Weltmeister Zinedine Zidane, kam nicht mehr an den Ball. Die Bewertungen schwankten zwischen Traumtor und Torwartfehler, die Wahrheit liegt wohl in der Mitte.
Einziger Wermutstropfen der Gala-Vorstellung: Messi leistete sich in der 31. Minute ein hartes Foul gegen Algeriens Kapitän Aissa Mandi und hatte Glück, dass der Schiedsrichter Szymon Marciniak aus Polen wohl auch ein heimlicher Messi-Fan ist. Der Argentinier sah für sein Einsteigen von hinten noch nicht einmal Gelb.
Für ARD-Kommentator Philipp Sohmer nicht nachvollziehbar: „Das ist aber richtig heftig! Offene Sohle oberhalb des Knöchels. Wenn er nicht Messi heißt, kann man da auch mal über was nachdenken. Aber er hat nicht mal Gelb gekriegt, oder?“ ARD-Experte Hitzlsperger pflichtete ihm bei: „Da können wir ihn jetzt loben, wie wir wollen. Das ist mindestens eine Gelbe Karte. Da hat er deutlich überzogen, das war ein Tritt in die Wade, da hätte er schon Gelb verdient gehabt.“
In der 60. Minute folgte Messis zweiter Streich. Dieses Mal war Zidane auf jeden Fall maßgeblich am Treffer beteiligt, doch das dürfte Messi und Argentinien wohl ziemlich egal sein. Alexis Mac Allisters Schuss ließ der Keeper genau vor die Füße Messis abprallen – und der Superstar ließ sich nicht zweimal bitten, staubte eiskalt ab. Messis 15. WM-Tor, nur noch ein Törchen fehlte ihm nun, um den 16-Tore-Rekord von Miroslav Klose einzustellen.
WM-Debüt in Gelsenkirchen vor genau 20 Jahren
16 Minuten später hatte er dies auch geschafft. Aus 16 Metern schlenzte er den Ball zum 3:0 genial unten links ins Eck – ARD-Experte Thomas Hitzlsperger geriet verständlicherweise ins Schwärmen: „Aus dieser Distanz ist es für ihn wie ein Elfmeter.“ Kaum vorstellbar, dass Messi im Laufe des Turniers den deutschen Salto-Torjäger nicht überholen wird. In der Gruppe J trifft Argentinien noch auf die starken Österreicher und auf Außenseiter Jordanien ...
Der Messi-Wahnsinn kennt keine Grenzen: Der „Man of the Match“ feierte exakt auf den Tag genau vor 20 Jahren bei der WM in Deutschland sein WM-Debüt. Am 17. Juni 2006 betrat er beim 6:0-Erfolg in Gelsenkirchen über Serbien-Montenegro erstmals die große Fußball-Weltbühne. Messi, damals gerade 18 Jahre alt, wurde in der 75. Minute auf Schalke eingewechselt und benötigte gerade einmal 13 Minuten für seinen ersten WM-Treffer.
Bei der WM 2010 ging er leer aus, 2014 kam er auf vier Tore, 2018 gelang ihm ein Treffer, beim WM-Triumph 2022 legte er sieben Mal nach – nun der Dreierpack im ersten Spiel. Am 24. Juni wird Messi 39 Jahre alt, ein nahezu biblisches Alter für einen Profi-Fußballer. Nicht für Messi. Messi lässt stattdessen die Zeit stillstehen.
