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Nationalmannschaft
Julian Nagelsmann sendet die falschen Signale

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Julian Nagelsmann richtet sich im Regen die Kapuze.

Bundestrainer Julian Nagelsmann

Im Umgang mit Deniz Undav beweist der Bundestrainer erneut kein gutes Gespür für den Moment.

Deniz Undav erfüllte exakt die Aufgabe, die Julian Nagelsmann ihm aufgetragen hatte. Er kam ins Spiel und traf in herausragender Mittelstürmer-Manier zum 2:1 gegen Ghana. Damit rettete der VfB- Stürmer nicht nur den Montagabend in Stuttgart – sondern auch die langsam aufkeimende WM-Stimmung in Deutschland.

Nicht nur sportlich war er der Mann des Abends. Aus Eigeninitiative ergriff Undav anschließend im ARD-Interview Partei für Leroy Sané und verteidigte ihn gegen die Pfiffe des Stuttgarter Publikums. Er übte Kritik an jenen Fans, die ihn rund eineinhalb Stunden zuvor mit Sprechchören gefeiert und gefordert hatten. Undav stand für jenen Teamkollegen ein, bei dem es oft rätselhaft wirkt, warum er offenbar fest zu Nagelsmanns WM-Fahrern gehört. Während Undav selbst, obwohl er Erling-Haaland-Statistiken aufweisen kann, beim Bundestrainer um jeden Zentimeter Anerkennung kämpfen muss.

Keine Klarheit im Umgang mit dem Leistungsprinzip

So ist es erstaunlich und gleichermaßen wenig überraschend, dass Nagelsmann nach einem in fußballerischen und nicht-sportlichen Aspekten beeindruckenden Abend keine Möglichkeit ausließ, Undav zu kritisieren. Der Chef redete vor den Augen und Ohren der Öffentlichkeit, die es im Sommer in Amerika zu begeistern gilt, den Helden des Spiels klein. Der beste, treffsicherste deutsche Angreifer habe bis zum Tor nur einmal den Ball berührt, die Leistung sei nicht gut gewesen. Er hätte das Tor wohl nicht gemacht, wenn er von Anfang an gespielt hätte. Nicht gut, nicht fit. Und dazu noch zu forsch – weil Undav es wagte, noch wichtigere Rolle als die des Jokers anzuvisieren.

Nagelsmanns Aussagen sind nicht nur faktisch fragwürdig; der Stuttgarter Stammspieler erzielte 13 seiner 18 Saisontore in Halbzeit zwei, mehrere davon in der Schlussphase. Der Bundestrainer wirkte dünnhäutig und schien nur Gründe zu suchen, warum Undav nicht in seine Startelf gehört. Sein oft willkürlich anmutender Umgang mit dem Leistungsprinzip, sein fehlendes Gespür für den Moment. Es sind die falschen Signale des Bundestrainers, um mit den zwei knappen Testsiegen die bislang eher bescheidene WM-Stimmung im Land anzufeuern.