Gruppengegner Kolumbien sorgt im WM-Camp der DFB-Frauen für Irritationen. Gute Nachrichten gibt es von Sorgenkind Lena Oberdorf.
„Angst“ um körperliche UnversehrtheitIrland bricht Spiel gegen Deutschlands WM-Gegner Kolumbien ab

„Die sind doch alle kleine Mädchen“, setzte Innenverteidigerin Daniela Caracas im Anschluss des abgebrochenen Testspiels nach. (Archivbild)
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Rauchschwaden waberten über den Rasen, Didgeridoo-Klänge schallten aus den Lautsprechern, als Willkommensgeschenk gab es einen Bumerang: Nach der traditionellen Zeremonie vor ihrem öffentlichen WM-Training sind die deutschen Fußballerinnen endgültig in Australien angekommen. Nun wollen Alexandra Popp und Kolleginnen den Geist von Wyong beschwören – und sich auf ihrer Titelmission auch vom Kolumbien-Eklat nicht verunsichern lassen.
„Wir sind auf einem guten Stand, aber in den nächsten Tagen und Wochen muss es sich noch stärker binden“, sagte Lina Magull nach einem spaßigen Teambuilding am Strand. Marina Hegering mit Känguru-Mütze, Popp mit Australien-Flagge auf dem Kopf: Der Samstagsausflug nach Shelly Beach inklusive Song-Quiz und Weitwurf-Challenge sorgte für Abwechslung und soll einen starken Teamgeist wie bei der EM im Vorjahr schüren.
Irland bricht Testspiel gegen Kolumbien nach 23 Minuten ab
Auf dem Weg zum dritten Stern könnte es jedoch deutlich ruppiger zugehen. Nach dem WM-Auftakt gegen Marokko (24. Juli/10.30 Uhr/ZDF) warten in der Gruppe H die Kolumbianerinnen – also genau jenes Team, dessen Skandal-Testspiel gegen Irland am Freitag nach 23 Minuten wegen übermäßiger Härte abgebrochen worden war.
Die Meldung aus Brisbane sorgte im deutschen Lager für Irritationen, wenngleich Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg oft vor der Physis des Gegners am 30. Juli gewarnt hatte. Irlands Trainerin Vera Pauw sagte laut Medienberichten, ihre Spielerinnen hätten gar „Angst“ um ihre körperliche Unversehrtheit gehabt.
Deutsches WM-Team von Testspiel-Abbruch unbeeindruckt
„Das klingt erstmal ein bisschen brutal“, meinte Magull. Sie habe es noch nie erlebt, „dass ein Frauenspiel wegen zu groben Spiels abgebrochen wurde“. Dennoch: „Wir machen uns nicht groß Sorgen“, versicherte die 28-Jährige: „Da werden jetzt alle aufmerksam schauen – vor allem die Schiedsrichterinnen.“
Svenja Huth meinte, es gebe ja auch gegen solch eine Spielweise Mittel. „Da geht es darum, dagegenzuhalten, aber auch, den Ball nicht lange zu halten, sondern schnell mit wenigen Kontakten laufen zu lassen“, sagte sie dem kicker.
Auf Einsicht bei ihren Kontrahentinnen sollten die DFB-Frauen jedenfalls nicht hoffen. „Die sind doch alle kleine Mädchen“, setzte Innenverteidigerin Daniela Caracas im Anschluss noch nach: „Ein kleines Foul und sie fangen schon an, sich zu beschweren.“ Dank eines solchen „kleinen“ Fouls verpasst die am Schienbein verletzte Irin Denise O'Sullivan womöglich den WM-Auftakt gegen Gastgeber Australien am Donnerstag.
Lena Oberdorf trainiert erstmals am Ball
Beim deutschen Team wächst dagegen die Hoffnung auf eine rechtzeitige Genesung von Lena Oberdorf. Die unverzichtbare Mittelfeld-Abräumerin trainierte am Sonntag nach Oberschenkelproblemen erstmals seit der Generalprobe gegen Sambia (2:3) wieder auf dem Platz und am Ball, anders als Abwehrchefin Hegering (Fersenprellung) auf dem Fahrrad-Ergometer.
In der Einheit vor rund 200 Fans ließ Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihre Schützlinge 100 Minuten lang schwitzen. Für eine perfekte Initialzündung gegen Marokko seien aber eben auch lockere Teambuilding-Aktionen „wichtig für die Stimmung“, sagte Laura Freigang dem SID.
Die Stürmerin betonte zugleich: „Wenn man versucht, sowas zu erzwingen, wird es nicht echt.“ Und damit im abgelegenen Teamhotel Mercure Kooindah Waters bloß kein Lagerkoller aufkommt, geht es am freien Montag zum Sightseeing oder Whale-Watching nach Sydney. (SID)

