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GastbeitragDer deutsche Basketball ist in der Weltspitze angekommen

3 min

Szene vom Highlightspiel zwischen den Bayern und Bonn in der Kölner Lanxess-Arena Ende 2025

So spannend war deutscher Basketball lange nicht, sagt unser Gastautor Stephan Baeck - und wirft vor dem Start der neuen BBL-Saison einen Blick auf die Favoriten und den Weg der Telekom Baskets Bonn.

Wenn man sich anschaut, wo der deutsche Basketball heute steht, muss man kurz innehalten. Deutschland ist Welt- und Europameister. Die Damen-Nationalmannschaft hat bei der Heim-WM in Berlin mit Platz vier für Furore gesorgt. Deutsche Spielerinnen und Spieler gehören mittlerweile zum festen Bestandteil der besten Ligen der Welt – in der NBA, WNBA und Euro League. Und das Entscheidende: Das alles ist kein Zufall.

Der deutsche Basketball hat sich in den vergangenen Jahren strukturell enorm entwickelt. Die Jugendarbeit ist professioneller geworden, die Ausbildung konsequenter und die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Verband enger. Viele der Spielerinnen und Spieler, die heute international für Aufsehen sorgen, haben ihre ersten basketballerischen Schritte in Deutschland gemacht. Sie wurden hier ausgebildet, hier gefördert und hier an den Leistungssport herangeführt. Wir haben lange davon gesprochen, dass Deutschland im internationalen Basketball eine größere Rolle spielen kann. Inzwischen müssen wir nicht mehr darüber reden. Wir sind dort angekommen. Und genau deshalb freue ich mich auf diese BBL-Saison ganz besonders.

Alba Berlin geht als Deutscher Meister in die neue Saison und möchte den Titel verteidigen. Das allein ist schon eine Ansage. Noch interessanter ist aber, dass die Berliner ihren Erfolg nicht mit einem komplett neuen Konzept verteidigen wollen, sondern auf Kontinuität und ihre bewährte Nachwuchsphilosophie setzen. Die Liga selbst sieht Berlin und Bayern erneut als die beiden großen Titelanwärter. Berlin hat dabei etwas, das man nicht kaufen kann: eine über Jahre gewachsene Basketballkultur und eine Nachwuchsarbeit, die weit über Deutschland hinaus Anerkennung genießt.

Der Autor: Stephan Baeck (61), geboren in Köln, ist Geschäftsführer der RheinStars Köln. Der frühere Shooting Guard gehörte zur deutschen Europameistermannschaft von 1993 und gewann während seiner Spielerlaufbahn sechs Deutsche Meisterschaften sowie je einmal den deutschen Pokalwettbewerb und den Korać-Cup.

Und dann ist da Bayern München. Die Bayern haben nach der titellosen vergangenen Saison reagiert und ein neues Kapitel aufgeschlagen. Mit Anton Gavel steht ein Trainer an der Seitenlinie, der den deutschen Basketball bestens kennt und selbst bereits Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert hat. Dazu kommt ein Kader mit enormer individueller Qualität und internationaler Erfahrung. Die Rollen sind damit klar verteilt: Bayern will zurück auf den Thron, Berlin dort bleiben.

Aber ich glaube nicht, dass die Saison auf diesen Zweikampf reduziert werden kann. Drei Teams habe ich dabei besonders im Blick. Bamberg hat in der vergangenen Saison mit dem Pokalsieg gezeigt, dass auch außerhalb von Berlin und München Titel möglich sind. „Freak City“ bleibt für mich ohnehin einer der besonderen Basketballstandorte in Deutschland. Wenn die Halle voll ist, spürt man sofort, was Basketball in dieser Stadt bedeutet. Allerdings beginnt für Bamberg nach dem Weggang von Anton Gavel ein neues Kapitel. Jesus Ramirez übernimmt das Team. Damit wird interessant zu beobachten sein, wie schnell sich die neue Mannschaft findet.

Die Telekom Baskets Bonn sind auf einem guten Weg

Die Telekom Baskets Bonn haben einen Weg eingeschlagen, der mir gut gefällt: Sie setzen auf Kontinuität. Große Teile der Mannschaft sind zusammengeblieben, und Marko Stankovic konnte damit auf einer Basis aufbauen, die bereits in der vergangenen Saison funktioniert hat. Bonn steht für aggressiven Basketball, Druck in der Verteidigung und schnelles Umschalten. Wenn die Mannschaft offensiv noch konstanter wird, kann sie für einige Überraschungen sorgen. Und genau das macht die BBL aus: Du musst nicht den größten Etat haben, um unangenehm zu werden.

Ratiopharm Ulm ist für mich ebenfalls ein ganz wichtiger Bestandteil der deutschen Basketballentwicklung. Ulm hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass man junge Spieler entwickeln und gleichzeitig erfolgreichen Basketball spielen kann. Der Verein ist zu einer echten Talentschmiede geworden. Allerdings hat sich im Sommer einiges verändert. Thorsten Leibenath ist nach 15 Jahren zum FC Bayern gewechselt, und auch Kapitän Tommy Klepeisz ist nicht mehr dabei. Gleichzeitig setzt Ulm weiterhin konsequent auf junge Spieler und hat den Kader noch stärker international – insbesondere französisch – ausgerichtet.

Ich verspreche allen: Langweilig wird die neue Saison nicht.