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GastbeitragDer Hammer im Sattel

Thore Hammer-Hansen, in Köln geboren, ist einer der besten Jockeys weltweit, sagt sein Chef – unser Gastautor Eckhard Sauren.

01.04.2024, Koeln, Nordrhein-Westfalen, GER - Assistent mit Thore Hammer-Hansen gewinnt den Grand Prix Aufgalopp. Galopprennbahn Koeln-Weidenpesch. Pferd, Jockey, Assistent, Hammer-Hansen, Sieg, Ziel, Zielankunft 240401S991KOELN.JPG *** 01 04 2024, Cologne, North Rhine-Westphalia, GER Assistant with Thore Hammer Hansen wins the Grand Prix gallop at Cologne Weidenpesch racecourse Horse, jockey, assistant, Hammer Hansen, victory, finish, finish 240401S991KOELN JPG

Thore Hammer-Hansen auf Assistent

Im letzten Gastbeitrag habe ich über die Herkunft und Bedeutung von Pferdenamen geschrieben. Offenbar ist auch bei Jockeys ein guter Name eine Grundlage für großen Erfolg. Für einen dreimaligen Champion-Jockey gibt es kaum einen passenderen Namen als Thore („The Hammer“) Hammer-Hansen. Aber nicht nur der Name, sondern auch die Herkunft deuteten schon früh Großes an.

Der am 17. Oktober 1999 in Köln geborene Thore ist Sohn des Spitzenjockeys und späteren Trainers Lennart Hammer-Hansen. Aufgewachsen ist Thore in Baden-Baden. Durch seinen Vater kam er schon von klein auf mit Pferden und dem Galopprennsport in Berührung. Er begann seine Karriere 2016 bei Richard Hannon und schaute einige Monate beim legendären französischen Trainer André Fabre vorbei.

Seine größten Erfolge in England begannen am 16. Juni 2020 auf der legendären Rennbahn von Royal Ascot mit einem Sieg in den Ascot Stakes. Profi wurde Thore am 28. September 2021 mit seinem 95. Sieg. Ein Jahr später folgte der erste Gruppe-Sieg. 2023 fiel Thore durch einige Siege in Großbritannien und eine beachtliche Siegquote von rund 20 Prozent auf. Und das, obwohl er als dritter Mann bei Richard Hannon selten den Favoriten zu reiten bekam.

Im Juli 2023 suchte ich einen Spitzenjockey für mein erfolgreichstes Pferd Assistent, der Galopper des Jahres 2024 wurde. Da die deutschen Spitzenjockeys vergeben waren, engagierten wir den talentierten Thore Hammer-Hansen aus England, der für den Ritt einen sehr fairen Betrag verlangte. Vermutlich, weil auch Thore die Chance gesehen hat, sich über Gruppe-Rennen in Deutschland einen Namen zu machen.

Es folgte ein Glanzritt: Thore versteckte Assistent über den größten Teil des Rennens, sparte Kraft und stieß im richtigen Moment durch eine Lücke, die zum Schluss einen großartigen Gruppe-Sieg einbrachte. Da stand ich nun in Hamburg bei Regen, meinen Gruppe-Sieger in der Hand, Thore Hammer-Hansen auf seinem künftigen Lieblingspferd Assistent. Es fühlte sich gut an, aber noch nicht nach dem Anfang von etwas sehr Großem, was folgte.

Im Herbst-Meeting 2023 traf ich Thore auf einen Kaffee, da ich grundsätzlich die Idee hatte, ihn nach Deutschland zu holen. Ein so talentierter junger Mann, der in England nicht die Topritte bekam, aber sich in Deutschland sofort in der Spitzengruppe etablieren könnte, müsste eigentlich seine Karriere in Deutschland fortsetzen. Interessanterweise sah Thore das ähnlich, und wir sprachen über die bis dahin in Deutschland sehr unübliche Idee, ob Thore Privatjockey bei mir werden könnte. Da sein Vater schon mal Privatjockey in Köln war und die Gespräche begleitete, wurde relativ schnell deutlich, dass dies eine hochinteressante Konstellation für beide sein könnte. So folgte eine überraschend schnelle Einigung ab dem 1. November 2023.

Den ersten Sieg erlangte Thore im ersten Ritt für mich am 3. November 2023 beim großen Münchener Renntag, dessen Höhepunkt das Gruppe-1-Rennen, der Allianz-Preis, ist. Genau an diesem Renntag feierten wir ein Jahr später mit Assistent einen Gruppe-1-Sieg, den zwischenzeitlichen Höhepunkt unserer gemeinsamen Zusammenarbeit. Dabei schlug Assistent die internationale Klasse-Stute Tiffany, die in diesem Jahr in Berlin das Gruppe-1-Rennen gewann und letzte Woche mit einem vierten Platz im Breeders Cup eine bärenstarke Leistung zeigte. Am gleichen Tag gewann noch Next Mine ein mit 25.000 Euro Siegprämie dotiertes Auktionsrennen und wurde ein Jahr später Gruppe-2-Sieger in einem hochdotierten 1600-m-Rennen in Italien.

Am Samstag (13.50 Uhr) reitet Thore für mich Pachinko (der Vater von Pachinko ist der Deckhengst Japan, und Pachinko ist ein japanisches Glücksspiel) im gleichen Auktionsrennen. Es ist Teil des World Pools und wird in 26 Länder der Welt übertragen (u.a. Youtube). Wir haben die Hoffnung, dass Thore die Erfolgsgeschichte fortsetzt. Aber auch ohne Sieg in München dürfte Thore das dritte Jockey-Championat in Folge nicht zu nehmen sein. Er führt mit 78 Siegen und könnte einen persönlichen Rekord aufstellen. Damit liegt er 14 Siege vor Bauyrzhan Murzabayev und 30 vor der drittplatzierten Sibylle Vogt.

Aber Thore ist nicht nur national, sondern vor allem international in die Riege der Spitzenjockeys aufgestiegen. Hierfür sorgte insbesondere die inoffizielle Jockey-Weltmeisterschaft in Japan, die er im vergangenen Jahr beeindruckend gewann. Auch bei einem Gastspiel im vergangenen Winter beeindruckte Thore mit zahlreichen Siegen und zwei Gruppe-Siegen. In Japan ist Thore ein Star – in Deutschland eigentlich auch. Seine Leistung wird bisher viel zu wenig wahrgenommen. Aus einem eher unscheinbaren Nachwuchstalent, das sich in England eine beachtliche Siegquote auf Provinzbahnen erarbeitete, wurde innerhalb kürzester Zeit ein internationaler Spitzenjockey, der mit dem Derby bereits das wichtigste deutsche Rennen gewonnen hat.

Am Sonntag geht es für Thore nach Rom, wo er in einem Gruppe-Rennen, das mit 231.000 Euro dotiert ist, mein Pferd Lommi reitet. Starker Jockey mit starkem Namen – tolles Pferd mit überragendem Namen. 18 Grad Sonne in Rom werde ich nicht verpassen, und ich bin gespannt, ob es erneut einen überraschenden Erfolg für Thore gibt

Der AutorEckhard Sauren ist Präsident des Kölner Renn-Vereins. Er hat einen eigenen Pferderennstall und wurde 2024 und 2025 Besitzer-Champion in Deutschland. Beruflich ist er als Fondsmanager tätig.