Abo

Hockey-WeltmeisterTriumphale Rückkehr nach Köln

4 min
RW-Präsident Stefan Seitz ehrt die Kölner Hockey-Weltmeister im Klubhaus.

RW-Präsident Stefan Seitz ehrt die Kölner Hockey-Weltmeister im Klubhaus. 

WM-Helden präsentieren den Pokal im Klubhaus von Rot-Weiss

Das nennt man wohl eine triumphale Rückkehr. Hunderte Fans versammelten sich am Montagnachmittag auf der Anlage des KTHC Rot-Weiss, um ihre Kölner Feldhockey-Weltmeister zu empfangen. Nicht nur acht Spieler hatten zur Titelverteidigung beigetragen, sondern auch Trainer Pasha Gademan und Teamarzt Philip Ibe. „Die deutsche Mannschaft hat Geschichte geschrieben“, ließ Oberbürgermeister Torsten Burmester angesichts des vierten WM-Triumphs ausrichten. „Dass so viele RW-Aktive ihren Anteil daran hatten, macht uns als Sportstadt stolz.“ Wir blicken auf sechs Kölner WM-Helden.

Der goldene Torschütze

Nach dem Finale im belgischen Wavre wartete ein letzter Kraftakt auf Michel Struthoff (23): das Hochrecken des WM-Pokals. Die Trophäe bezeichnete der goldene Torschütze als „viel zu schwer für meine dünnen Ärmchen“. Der eigentliche Grund für das mühevolle Emporstemmen war aber wohl „zwei sau anstrengende Wochen. Jeder Spieler hat alles aus seinem Körper rausgeholt.“ Den Coup bejubelte Struthoff mit den Worten, die auch Fußball-Ikone Thomas Müller nach dem WM-Titel 2014 verwendet hatte: „Weltmeister samma, den Pott hamma.“

Michel Struthoff, Torschütze im WM-Finale, gibt Autogramme.

Michel Struthoff, Torschütze im WM-Finale, gibt Autogramme.

Der Kölner Stürmer hatte im Endspiel gegen Spanien maßgeblich dazu beigetragen: Nach Zuspiel von Paul-Philipp Kaufmann zog er von der Grundlinie aus ins Zentrum, umkurvte den Keeper und vollstreckte nervenstark. „Meine Hand hat beim Torschuss unglaublich gezittert“, kommentierte er die Szene in der 44. Minute. „Umso erleichterter war ich, als der Ball drin war. Das Tor geschossen zu haben, ist geil. Noch geiler ist aber das Gefühl, dass wir es als Mannschaft gewuppt haben.“

Der Anführer

Die Fußstapfen waren groß, aber keineswegs zu groß. Nachdem Kapitän Mats Grambusch seine DHB-Karriere im Sommer 2025 beendet hatte, ernannte das Team dessen Bruder Tom (31) zum Nachfolger. Offenbar die richtige Wahl. „Er hat das Turnier seines Lebens gespielt“, sagte Bundestrainer André Henning über seinen Abwehrchef. Dabei lobte er vor allem die Leadership-Qualitäten: „Tom hat die Jungs mitgerissen, gelobt und zum richtigen Zeitpunkt Klartext geredet. Besser kann man ein Team nicht anführen.“ Der Lohn war ein wahrhaft royaler Moment, als der RW-Kapitän den WM-Pokal vom belgischen König Philippe überreicht bekam.

Thies Ole Prinz präsentiert den WM-Pokal.

Thies Ole Prinz präsentiert den WM-Pokal.

Der beste Youngster: Der einzige Einzel-Award für Deutschland ging an Justus Warweg (19). Der RW-Stürmer wurde zum besten jungen Spieler des Turniers gekürt. Für Henning war es eine „Auszeichnung mit Ansage. Jussi hat vom ersten Tag an im Kreise der A-Nationalmannschaft überzeugt. Mit seinem Spielwitz (und zwei WM-Toren, Anm. d. Red.) hat er für viel Furore gesorgt.“ Doch auch der WM-Debütant stellte am Ende das Team in den Vordergrund: „Wir sind wie eine große Familie. Wenn man das Nationaltrikot anzieht, hat man automatisch das Gefühl: Heute funktioniert alles.“

Die Nummer eins

Auf die Nummer eins war einmal mehr Verlass. Jean Danneberg leistete sich im ersten Zwischenrundenspiel gegen Spanien zwar einen Patzer vor dem Gegentreffer zum 1:2-Endstand, doch er antwortete im Stile eines Welttorhüters: Sowohl beim zwingend benötigten 4:2-Erfolg über Australien als auch in den K.o.-Spielen gegen Argentinien (2:1) und Spanien erwies sich der 23-Jährige als sicherer Rückhalt. „Ich wusste, dass er maßgeblich zur Revanche gegen Spanien beitragen würde“, so Henning. „In einem WM-Finale die Null zu halten, spricht für sich.“

Der Teamarzt

Nicht nur RWK vertraut auf die magischen Hände von Philip Ibe, sondern auch der Deutsche Hockey-Bund. Dem Mannschaftsarzt attestierte Henning „weltmeisterliche Arbeit. Es gab zwei Akteure, die unter normalen Umständen – also ohne Philip und den medizinischen Staff – weder das Halbfinale noch das Finale gespielt hätten. Wer weiß: Vielleicht hätten wir den Titel dann nicht geholt.“

Konfettiparade im Klubhaus am  Olympiaweg für die Kölner Weltmeister

Konfettiparade im Klubhaus am  Olympiaweg für die Kölner Weltmeister

Der Co-Trainer

Der Kölner Chefcoach Pasha Gademan fungierte bei der WM als Co-Trainer. Allerdings nur auf dem Papier, wie Henning betonte: „Pasha hat einen Riesenanteil am Titel. Nicht nur in fachlicher Hinsicht: Der große Zusammenhalt ist vor allem sein Verdienst – er war der Regisseur dieser Love-Story.“ Vom Niederländer stammte unter anderem die Idee, dass sich die Nationalspieler untereinander „Heiratsanträge“ machen. Die Botschaft: Wir stehen füreinander ein, im Erfolg und auch in der Niederlage. Das WM-Finale stand dabei sinnbildlich für den Hochzeitstag, dem man gemeinsam entgegenfiebert. Der dortige Auftritt sollte das nächste Versprechen für die Zukunft sein.

Die weiteren Kölner Weltmeister: Christopher Rühr, Hugo von Montgelas, Jakob Brilla, Antheus Barry.