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Ex-KEC-Profi
Andreas Renz: „Für die Kölner Haie kann es in den Playoffs weit gehen“

Andreas Renz am Magenta-Mikro mit Sascha Bandermann

Andreas Renz am Magenta-Mikro mit Sascha Bandermann

Ex-KEC-Profi Andreas Renz über Kölns Endrunden-Aussichten und das lange Warten auf einen Titel

Herr Renz, Sie haben sich die Kölner Haie bei deren 4:2-Sieg beim Tabellenführer Red Bull München am Sonntag als TV-Experte ganz genau angesehen. Ihr Eindruck? Andreas Renz: Das Spiel der Haie war bärenstark. Dass es eine Mannschaft geschafft hat, den Münchnern das Leben so schwer zu machen, bei der totalen Offensive, die sie haben, das war beeindruckend. Taktisch waren die Haie perfekt eingestellt, in allen Bereichen besser als München. Wenn sie diese Form in Richtung Playoffs mitbringen, dann kann es weit gehen.

Für den KEC geht es am Dienstag beim Tabellendritten Ingolstadt weiter. Nach starken Spielen hat es in dieser Saison oft Einbrüche gegeben. Es hat nichts mit Können oder Taktik zu tun. Das Leistungsniveau ist da, es bei jedem Spiel über 60 Minuten abzurufen, ist eine mentale Sache. Das ist meine einzige Erklärung. In München hat man gesehen, wie wichtig das Spiel für die Haie war, sie sind es angegangen wie ein K.o.-Spiel, als ob es um alles oder nichts ging. Diese Einstellung brauchst du, wenn du unter die Top sechs kommen willst. Was die Haie in München so stark gemacht hat war, dass jeder Spieler über 60 Minuten geackert und alles für den Sieg getan hat, 100-prozentig diszipliniert, keine dummen Strafen oder Alleingänge. Die Haie wissen, worum es in dieser Phase der Saison geht. Ich habe auch Uwe Krupp an der Bande beobachtet, er war schon im Playoff-Modus.

Sie gehörten 2002 zum Haie-Team, das die letzte von den acht Meisterschaften gewann. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die Haie schon mehr als 20 Jahre auf den nächsten Titel warten? Nein. Ich kann nur sagen: Das ist eine viel zu lange Zeit für einen Eishockey-Standort wie Köln, mit so einer Halle und so einer großartigen Fanbase. Seit 2002 gab es vier verlorene Finals, bei zwei davon, 2003 und 2008, war ich selbst noch auf dem Eis dabei. Die letzten Jahre der Haie waren finanziell sicher schwer, aber sportlich auch nicht so gut geführt. Man sieht jetzt am Kader, dass sie wieder investiert haben. Vom Etat her sehe ich die Haie unter den Top sechs in der DEL. Zu München oder Mannheim gibt es schon noch einen Abstand, mit Willen und Leidenschaft können die Haie das aber ausgleichen – wie man am Sonntag gesehen hat. Mir gefällt auch, dass sie sich für den jungen Torhüter Mirko Pantkowski entschieden haben. Dazu gehört Mut. Ähnlich hat es Berlin gemacht: Sie haben junge Spieler über Jahre aufgebaut, und dann davon profitiert.

Ihre Kollegen bei MagentaSport sprachen am Sonntag davon, dass der 22-jährige Stürmer Justin Schütz zur nächsten Saison aus München nach Köln wechseln könnte. Das Gerücht gibt es schon länger. Justin ist ein Riesentalent und hat in seinem Alter schon sehr viel Erfahrung, er will den nächsten Schritt machen. Warum nicht in Köln?

Wie schätzen Sie das Kräfteverhältnis in der Liga kurz vor den Playoffs ein? München hat für mich den besten Kader und einen guten Coach, an denen kommt man nicht vorbei. Es wird in den Playoffs wieder „Best of 7“ gespielt, nicht mehr „Best of 5“ wie letztes Jahr. Da wird es noch einmal schwieriger, ein Team mit so einem tiefen Kader zu schlagen. Bei „Best of 7“ setzt sich meistens schon die bessere Mannschaft durch. Nach München kommen gleich Mannheim und Ingolstadt. Aber auch Teams wie den Haien oder Wolfsburg traue ich etwas zu. Alles in allem gibt es für mich zwei Mannschaften, die den Titel einmal verdient hätten: Die Wolfsburger, weil sie so oft kurz davor waren. Und natürlich die Haie, denn keine anderen Fans haben in den letzten Jahren so gelitten.

Das Gespräch führte Christiane Mitatselis

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