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Kölner Amateurfußball-PossePesch II feiert Kreisliga-Klassenerhalt mit Landesliga-Mannschaft

5 min
FC Pesch

Souverän setzte sich der FC Pesch II in Bocklemünd gegen den ESV Olympia Köln durch.

Während Pesch seine zweite Chance dank Verstärkung nutzt, Olympia besiegt und in der Kreisliga A bleiben darf, steht der unbeteiligte SC West vor dem Abstieg.

Im Vergleich zu den hitzigen Debatten und Schuldzuweisungen im Vorfeld, verlief der vorläufige Showdown der größten Kölner Amateurfußball-Posse der letzten Jahre erstaunlich emotionslos. Mit 4:2 setzte sich der FC Pesch II am Sonntag im neu angesetzten Kreisliga-A-Duell gegen den ESV Olympia Köln durch und sicherte damit fast drei Wochen nach dem offiziellen Beginn der Saison 2026/27 den Klassenerhalt der Spielzeit 2025/26.

Die fehlenden Emotionen sind vor allem damit zu erklären, dass keine der beiden Mannschaften die Konsequenzen des Ausgangs der Partie zu spüren bekommen wird – im Gegensatz zum SC West Köln, der, nach dem aktuellen Stand der Rechtsprechung, zur neuen Saison nach den drei nachträglichen Punkten für Pesch einen kampflosen Abstieg hinnehmen und künftig in der Kreisliga B antreten muss. Vor Ort mitverfolgen durften die Ehrenfelder das Spiel um ihre sportliche Zukunft nicht. Auf Antrag des FC Pesch wurde das Spiel aufgrund von Sicherheitsbedenken nach Online-Hasskommentaren unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen. Die Polizei sorgte dafür, dass ungebetene Zuschauer von den Zäunen vertrieben wurden.

FC Pesch tritt mit seiner Landesliga-Mannschaft an

Für Olympia ging es am Sonntag nur um die Ehre und einen guten Start in die Vorbereitung, die Niederlage änderte nichts am Klassenerhalt. Und auf Pescher Seite war kein größerer Jubel zu vernehmen, weil kaum einer der Fußballer in der kommenden Saison in der Kreisliga auflaufen wird – der Klub war, mit Erlaubnis des Verbands, mit seiner für die Landesliga vorgesehenen Mannschaft angetreten – samt Trainer Ali Meybodi. Keiner der Pescher Spieler, die den Klassenerhalt des Teams sicherten, war Teil der ursprünglich abgestiegenen Mannschaft.

„Letztlich ging es um das Ergebnis, darum bin ich zufrieden. Wir sind es als Testspiel mit Fokus auf das Ergebnis angegangen. Ich selbst habe es als Trainer auch noch nie erlebt, dass das erste Spiel der Vorbereitung so eine Bedeutung hat“, sagte Peschs Coach Meybodi. Er könne nachvollziehen, wenn man die Geschehnisse mit Bauschmerzen verfolgt. „Aber ich glaube, dass jeder andere Verein es genauso gemacht hätte. Wir hatten die Chance und wollten sie nutzen. Mir ist bewusst, dass es ein schmaler Grat ist. Aber die Jungs, die heute auf dem Platz standen, haben nichts verkehrt gemacht.“

„Das Spiel hätte nicht stattfinden dürfen“

Olympia hielt anfangs gut dagegen, musste aber gegen fußballerisch überlegene Pescher nach einer halben Stunde zwei Gegentore hinnehmen. Kurz vor der Pause wurde es noch einmal spannend, als Olympia auf 1:2 verkürzte. Doch nach dem Seitenwechsel drehte der Favorit auf und erhöhte auf 4:1. Das 2:4 kam zu spät. „Ich bin emotional geladen, ich muss aufpassen“, sagte Olympia-Trainer Victor Eboa. „Pesch kann man keinen großen Vorwurf machen. Ihnen wurde diese Gelegenheit gegeben und sie haben sie genutzt. Aber wir sind uns alle einig, dass das Spiel nicht hätte stattfinden dürfen.“

Gesprächsthema Nummer eins auf der TPSK-Sportanlage, dem neutralen Austragungsort in Bocklemünd, war dementsprechend nicht das aktuelle Spiel. Sondern vor allem sein Zustandekommen. Am 30. Spieltag der letzten Saison hatte Schiedsrichter Marc Martinet die ursprüngliche Partie beim Stand von 4:3 für Olympia kurz vor dem Ende der Nachspielzeit abgebrochen – er hatte sich durch einen des Feldes verwiesenen Pescher Spieler bedroht gefühlt. In seinem Sonderbericht über das Match am 7. Juni berichtet der 19-Jährige von Beleidigungen und Spuckattacken nach dem Abbruch.

Ali Meybodi, Trainer von Peschs Landesliga-Mannschaft, betreute sein Team im neuangesetzten Spiel der Reserve in der Kreisliga A.

Ali Meybodi, Trainer von Peschs Landesliga-Mannschaft, betreute sein Team im neuangesetzten Spiel der Reserve in der Kreisliga A.

Auf Kreisebene wurde zunächst der Argumentation des Schiedsrichters gefolgt und die Partie 2:0 für Olympia gewertet – Pesch II wäre abgestiegen gewesen. Doch ging der Fall an die nächsthöhere Instanz, das Bezirkssportgericht. Und dort hieß es: Referee Martinet habe nicht alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel genutzt, um das Spiel zu Ende zu bringen. Anderswo in Europa hätte ein solches Urteil dazu geführt, dass die verbleibenden Minuten der Nachspielzeit noch einmal ausgetragen werden. Doch das Bezirkssportgericht entschied, die komplette Partie neu anzusetzen – nach dem Ende der Saison und mit neuem Personal.

Pesch sieht sich durch Gerichtsurteil bestätigt

Die Pescher Verantwortlichen um den Vereinsvorsitzenden Pascal Ervens betonten wiederholt, dass die von Schiedsrichter Martinet empfundene Bedrohungslage nicht vorgelegen habe – durch die Entscheidung des Bezirkssportgerichts fühlt sich der Klub bestätigt. Pesch beklagt eine Kampagne gegen den Verein, unter anderem losgetreten vom SC West, Olympia und den Medien. Doch gibt es ebenfalls Aussagen, die Martinets Schilderungen stützen. Der 19 Jahre alte Referee hatte nach dem Urteil seine ehrenamtliche Tätigkeit im Kreisjugendsportgericht niedergelegt und angekündigt, nicht mehr im FVM zu pfeifen. „Ein Schiedsrichter sollte selbst entscheiden dürfen, wann er sich bedroht fühlt“, sagte Martinet.

Kabil Azizi, Vorsitzender des Kölner Kreisschiedsrichter-Ausschusses, kann den Frust seines ehemals Untergebenen nachvollziehen. „Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Schiedsrichter. Ich möchte nicht die Integrität des Bezirkssportgerichts angreifen. Aber das Urteil hat eine verheerende Signalwirkung“, sagte Azizi im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wir bekommen bereits Anfragen von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, die berechtigterweise fragen, ob ich künftig kein Spiel mehr abbrechen darf, wenn ich mich bedroht fühle. Das ist eine traurige Entwicklung.

SC West kündigt rechtliche Schritte an

Das letzte Wort ist im Abstiegskrimi um Pesch II und den SC West ist derweil noch nicht gesprochen. Dem Fußballkreis Köln liegt ein weiterer Antrag vor, die Kreisliga A von 16 auf 17 Mannschaften aufzustocken, laut Initiator SC West garniert mit einem entsprechenden Präzedenzfall. Der Ausschuss, der einen ersten Antrag einstimmig abgelehnt hatte, wird in der kommenden Woche über den zweiten Antrag entscheiden. Dazu hat der SC West angekündigt, die Wertung des neu angesetzten Spiels vom Sonntag anzufechten. Es solle jede Spielberechtigung und jeder Transfer unter die Lupe genommen werden.