Dass die deutsche Nationalmannschaft ein Spiel, in dem sie zur Pause zurücklag, unverzagt von allen negativen Entwicklungen auf dem Spielfeld doch noch gewann, hat auch mit der Gunst des Augenblicks zu tun.
Die Eindrücke des Neuen und die Impulse, die Bundestrainer Hansi Flick seinem Team vermitteln kann, haben die Qualität, die bleiernen Mehltau-Augenblicke der Schlussphase seines Vorgängers Joachim Löw zu verdrängen. Es ist nicht zu verwegen, die Behauptung aufzustellen, dass dieselbe Elf es unter Löws Anleitung nicht mehr gelungen wäre, eine Partie wie die gegen Rumänien am Freitag doch noch zu gewinnen. Als Beweis dafür gilt die Grenzerfahrung der 1:2-Pleite der von Löw angeleiteten DFB-Auswahl gegen Nordmazedonien, als ab einem gewissen Punkt gar nichts mehr zusammenlaufen wollte.
Rennen, spielen, siegen
Diesen Punkt erreichte die deutsche Mannschaft gegen Rumänien nicht. Sie ließ sich von einer Vielzahl misslungener Aktionen nicht aufhalten, sondern rannte, spielte und agierte einfach weiter, dem Sieg entgegen. Das ist ein großer Entwicklungsschritt für dieses Team, das aus einem Füllhorn an Gründen genau das unter Löw nicht mehr hinbekam: eine Entwicklung.
Allerdings sollte der mühsame Erfolg nicht verschleiern, dass noch eine Menge nicht richtig funktioniert im Gefüge des von Flick zusammengestellten Teams. Die beiden Außenverteidiger Thilo Kehrer und Jonas Hofmann sind Aushilfen, aber keine Spezialisten. Kehrer fällt als offensiver Flankengeber gänzlich aus, Hofmann hielt sich zwar viel auf den Außenpositionen in der gegnerischen Hälfte auf, seine Hereingaben jedoch waren eine Enttäuschung.
Das könnte Sie auch interessieren:
Zudem herrscht im einstigen Mittelstürmerland Deutschland im Sturmzentrum große Not. Timo Werner ist derzeit eine große Enttäuschung, eine fast schon sichtbare Kopf-Blockade verhindert Top-Leistungen, die er in einer für ihn glücklicheren Phase längst gezeigt hat. Flick hält an ihm fest, auf den Durchbruch des Spielers hoffend. Der Trainer weiß, dass ihm derzeit kein adäquater Ersatz zur Verfügung steht – außer der Variante, es mit Kai Havertz und Thomas Müller zu versuchen. Das aber sind Positionen, bei denen diese hochveranlagten Spieler nicht ihre allerbeste Leistung zeigen können. Flick bleibt somit einstweilen kaum etwas anderes übrig, als Timo Werner stark zu reden.

