Einmal im Jahr, wenn ein großes Turnier stattfindet, gerät der Handball ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit, die über Bedeutung und Rang entscheidet. Dann verlässt diese Sportart die Inseln ihrer regionalen Bedeutung, die ihr dort, wo sie gespielt wird, Wucht und Wichtigkeit verschafft.
Aber alleine an der Fernsehpräsenz des Handballs im Ligabetrieb ist abzulesen, dass der Handball das Los aller Sportarten in Deutschland teilt, die nicht der Fußball sind. Derzeit verfolgt eine verschworene Kundschaft die Spiele auf Sky, ein Dutzend Partien sind öffentlich-rechtlich frei empfangbar zu sehen. Aber das Publikum ist nur ein Bruchteil dessen, das mit der Nationalmannschaft bei der am Donnerstag beginnenden Europameisterschaft mitfiebern wird.
Der Effekt tritt nur ein, wenn "Unsere Jungs" Spiele gewinnen
Nur bei solchen Turnieren entsteht das Gefühl einer wichtigen Angelegenheit. Wie selbstverständlich sprechen die Kommentatoren von „Unseren Jungs“ oder den „Bad Boys“ und schwärmen vom Geist einer Sportgemeinschaft, die Werte aus der vordigitalen Zeit vertritt – aber nur, wenn diese Gemeinschaft Spiele gewinnt.
Im Fall des Erfolgs erreichen Einzelne eine Bekanntheit, die über die Möglichkeiten ihrer Sportart hinausgeht. Es kann ein Hype entstehen, der sich auf den Bundesliga-Alltag auswirkt. Und das Image dieses Sports, der zwar hemdsärmelig gemanagt wird, aber gut für die Seele des Zuschauers ist, festigt sich weiter. Hier liegt, wie bei jedem großen Turnier, die einzige Chance für den Handball, sich langfristig als Kraft hinter dem Fußball zu behaupten, deshalb ist er zum Erfolg verdammt.
