Das Team von Trainer Michael Koch erleidet während der Zweitligapartien zu häufig einen Leistungseinbruch.
BasketballBayer Giants Leverkusen kommen von ihrem Weg ab

Leverkusens Abteilungsleiter Frank Rothweiler
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Nach der ernüchternden Niederlage der Bayer Giants in der zweiten Basketball-Bundesliga (Pro A) gegen die Paderborn Baskets am vergangenen Sonntag hatte sich die zuvor mit etwas mehr als 1800 Zuschauern gut besetzte Ostermann-Arena in Rekordzeit geleert. Tummeln sich sonst nach der Schlusssirene entlang des Parketts immer viele Anhänger der Giants, um die Spieler abzuklatschen, so gab es nach der Paderborn-Pleite große Lücken entlang der Spielfeldseiten.
Das hat auch Frank Rothweiler, Abteilungsleiter Basketball beim TSV Bayer 04, beobachtet. Er sieht diese Entwicklung mit Sorge: „Wir müssen aufpassen, dass wir uns den hart erarbeiteten Kredit nicht verspielen. Da sind jetzt alle gefragt: Spieler und Trainer.“
Wir müssen aufpassen, dass wir uns den hart erarbeiteten Kredit nicht verspielen. Da sind jetzt alle gefragt: Spieler und Trainer
Rothweiler, der früher als Spieler selbst in der Zweiten Bundesliga unterwegs war, betreibt auch Ursachenforschung, was die negative Entwicklung nach dem gelungenen Saisonstart angeht. „Diese Serie von jetzt zehn Niederlagen in Folge hat uns doch alle überrascht. Wir sind ja gut gestartet und haben auch gegen höher eingeschätzte Gegner gewonnen. Dann kamen die zu erwartenden Pleiten gegen Gießen, Göttingen und Hagen. Danach konnten wir aber weiter nicht gewinnen. Und das gegen Teams, die schlagbar waren. Dabei haben wir immer mehr den Weg verlassen, der uns am Anfang erfolgreich gemacht hat.“
Der 65-Jährige spielt auf das nachlassende Teamplay an. Zu oft werden Solo- oder zu frühe oder schlechte Abschlüsse gewählt, anstatt mit Geduld und Übersicht eine sehr gute Wurfmöglichkeit herbeizuführen. Auch in der Defense stimmen immer wieder mal Abläufe nicht. Dies führt auch innerhalb des Teams zu Missmut und Diskussionen, wie nicht nur in der Partie gegen Paderborn auf dem Parkett oder auf der Bank zu beobachten war. Kein gutes Signal.
Dabei kann es das Team auch ganz anders und zeigt es auch. Im Training. Rothweiler ist immer wieder mal anwesend bei den Einheiten. „Wenn man das Training verfolgt, dann läuft da alles gut. Es herrscht ein positiver Teamspirit, eine positive Kommunikation. Der Ball wird gut laufen gelassen, auch die Defense arbeitet vorbildlich. Dann starten wir in ein Meisterschaftsspiel und bringen zu oft im dritten und vierten Viertel diese Tugenden nicht mehr aufs Parkett. Unser Offensivspiel zerfällt; wir machen überflüssige Fouls, die Defensivstruktur wird anfälliger. Das hat uns nur noch Niederlagen eingebracht“, fasst der Abteilungsleiter zusammen.
Vor zwei Wochen war Frank Rothweiler nach einem Training in der Kabine, hat mit den Spielern gesprochen, sie in die Verantwortung genommen und nach ihrem Zutun befragt. Die Signale aus dem Team waren positiv, sagt Rothweiler. Umso ärgerlicher dann das Spiel gegen Paderborn, in dem Fehler jeglicher Art geballt auftraten.
Bayer Giants ziehen personelle Nachbesserungen in Betracht
Der erfahrene Ex-Spieler weiß, dass eine Wende kommen muss. Möglichst bald. Damit die Last für Spieler und Coaches nicht von Spieltag zu Spieltag noch größer wird. Ein möglicher Wendepunkt: Die Giants denken konkret über personelle Nachbesserungen nach. „Wenn wir etwas machen, dann wird das wohl in den nächsten zwei Wochen passieren“, so Rothweiler. Deutsche Spieler werden es wohl nicht, denn die sind in der benötigten Qualität nicht auf dem Markt.
Bis dahin muss jeder einzelne Spieler seinen Anteil bringen und sich auf das konzentrieren, was er kann und was er machen soll: Aufmerksamere Defense, besseres Auge für die Teamkollegen, mehr Geduld, bessere Wurfauswahl, clevereres Foulverhalten. Die Giants haben schon am Sonntag (16 Uhr) gegen den Tabellendritten Hakro Merlins Crailsheim die Chance, den zuletzt enttäuschten Fans zu zeigen, dass sie es besser machen können und wollen. „Vielleicht macht es die Jungs lockerer, wenn sie wissen, dass ein Sieg nicht erwartet werden kann. Aber durchaus machbar ist“, glaubt Frank Rothweiler an eine Außenseiterchance.
In Gabriel de Oliveira kommt ein ehemaliger Giant im Trikot Crailsheims zurück in die Ostermann-Arena. Besonders gespannt ist man zu 100 Prozent in der Familie Langley: Das Zwillingsbruderduell Kobe gegen Keyshaun Darrius steht an.

