Obwohl die 23-Jährige die Bundesliga-Torjägerliste anführt, verzichtet Bundestrainer Christian Wück auf eine Nominierung.
Bayer 04 LeverkusenDeshalb spielt Top-Torjägerin Vanessa Fudalla im Nationalteam keine Rolle

Vanessa Fudalla hat in der Bundesliga zwölf Treffer für Bayer 04 Leverkusen erzielt.
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Als am Dienstag die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft in Dresden auf Slowenien traf (5:0), blieb den beiden besten Bundesliga-Torjägerinnen nur die Zuschauerrolle. Selina Cerci von der TSG Hoffenheim musste verletzt passen. Leverkusens Vanessa Fudalla – ebenfalls bislang zwölfmal erfolgreich – wäre gerne dabei gewesen. Sie wurde aber nicht berufen. Daran änderte auch die kurzfristige Absage Cercis nichts. Bundestrainer Christian Wück nominierte stattdessen Larissa Mühlhaus nach. Die 23-Jährige vom SV Werder Bremen gehörte damit ebenso zum DFB-Kader wie im nächsten WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen am Samstag (7. März, 18 Uhr).
Ich sehe andere Spielerinnen vor Vanessa. Und diese Einschätzung, die ich getroffen habe, hat sich nach den letzten Bundesliga-Spielen nicht verändert
Die bloßen Zahlen rechtfertigen diese Entscheidung nicht. Fudalla hat ein Dutzend Treffer seit Saisonstart erzielt, Mühlhaus zehn. Auch stimmt Fudallas Form. Sechs Scorerpunkte in vier Partien seit Jahresbeginn sprechen für sich. Wück beeindruckt das wenig. Das machte er jüngst deutlich. „Ich sehe andere Spielerinnen vor Vanessa. Und diese Einschätzung, die ich getroffen habe, hat sich nach den letzten Bundesliga-Spielen nicht verändert“, sagte er.
Offenbar zweifelt der Bundestrainer an der internationalen Klasse der Leverkusenerin. „Ich sehe eine Diskrepanz zwischen der nationalen und der internationalen Liga“, erklärte er. „Ich muss einschätzen, welche Spielerin es schafft, international so zu bestehen, dass wir als Nationalmannschaft profitieren.“
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Die Argumentation, ihr würde internationale Klasse abgehen, liefert Angriffspotenzial. Vanessa setzt sich auch regelmäßig in der Liga gegen Gegner durch, die international spielen
In Leverkusen erzeugt die Entscheidung gegen Fudalla Unverständnis. Bayer-Coach Roberto Pätzold erklärte: „Die Argumentation, ihr würde internationale Klasse abgehen, liefert Angriffspotenzial. Vanessa setzt sich auch regelmäßig in der Liga gegen Gegner durch, die international spielen. Ich kann dieser Argumentation nicht folgen.“ Fudalla tue weiterhin gut daran, bei sich zu bleiben und Taten sprechen zu lassen. „Das hat sie zuletzt wieder eindrucksvoll getan und wir hoffen sehr, dass sie daran anknüpfen kann“, so Pätzold.
Letztlich bleibe der 24-Jährigen ohnehin „nichts anderes übrig als durch Konstanz und Qualität immer wieder aufzuzeigen, dass die Einschätzung der Verantwortlichen beim DFB nicht zutrifft“.
Im Verein sieht man die Stärken der quirligen Stürmerin. Zwar gibt es zweifellos robustere und kopfballstärkere Spielerinnen als die 1,55 Meter kleine gebürtige Nürnbergerin. Doch Fudalla hat ein gutes Gespür für den Raum, sie versteht es, geschickt zwischen den Linien zu agieren und sie fackelt nicht lange, wenn sich eine Abschlusschance auftut.
Die Qualitäten offenbarte sie bereits vor ihrem Wechsel im Sommer vergangenen Jahres ins Rheinland. Bei RB Leipzig erzielte sie in 107 Pflichtspielen 69 Treffer. 2023 trug sich als Torschützenkönigin der 2. Bundesliga (20 Tore) zum Aufstieg der Sächsinnen bei. Zur jüngsten Nicht-Nominierung äußerte sich Fudalla übrigens nicht. Gegenüber dem Magazin „Kicker“ erklärte sie aber im Januar, dass es einen Austausch mit Wück gegeben habe. Ihr Schluss damals lautete, mit guten Auftritten dafür sorgen zu wollen, dass er irgendwann nicht mehr an ihr vorbeikomme.
Immerhin ließ Wück die Tür zuletzt einen Spalt weit offen. „Vielleicht ändert sich meine Meinung noch mal“, erklärte der Bundestrainer, in die Zukunft könne er ja nicht schauen.

