Die Hürdensprinterinnen des TSV Bayer 04 Leverkusen sprechen im Interview über ihre Ziele bei den Deutschen Meisterschaften und das gemeinsame Training.
Franziska Schuster und Marlene Meier„Wir gehen von einem Leverkusener Doppelsieg aus“

Marlene Meier (l.) und Franziska Schuster vom TSV Bayer Leverkusen.
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Frau Meier, Frau Schuster, zuletzt haben Sie beide Ihre Saisonbestzeiten über 60 Meter Hürden verbessert. Die Form stimmt also offenbar rechtzeitig vor den Deutschen Hallenmeisterschaften.
Marlene Meier: Die Form ist da. Ich bin super durchs Wintertraining gekommen und konnte tolle Fortschritte beim Umfang und der Intensität des Trainings machen. Ich fühle mich sehr gut auf die DM vorbereitet. Das habe ich vor allem zuletzt beim Wettkampf in Erfurt gemerkt, als ich in 7,97 Sekunden gewonnen habe und damit nur fünf Hundertstel über meiner persönlichen Bestzeit geblieben bin.
Franziska Schuster: Das geht mir ähnlich. Ich bin zuletzt meiner persönlichen Bestzeit von 8,04 Sekunden sehr nah gekommen. In Erfurt waren es 8,06 Sekunden.
Ist bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund also ein Leverkusener Doppelsieg möglich?
Schuster: Klar gehen wir von einem Leverkusener Doppelsieg aus. Das wäre optimal. Am Ende wollen wir beide Gold holen, auch weil die Gewinnerin sicher bei der Hallen-WM dabei ist – jedenfalls sofern die Norm erfüllt ist.
Zu den Personen
Marlene Meier (23) und Franziska Schuster (23) starten im Hürdensprint für den TSV Bayer 04 Leverkusen. Meier, Tochter von Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel, hatte ihre Leichtathletikkarriere einst beim TSV Glessen begonnen. Schuster trat für den TuS Xanten an, ehe sie ins Rheinland wechselte. Schusters größter Erfolg bislang war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft über 100 Meter Hürden im Jahr 2023, in der Halle sicherte sich die Studentin 2024 über 60 Meter Hürden Silber bei den nationalen Titelkämpfen. Über diese Distanz siegte Meier, die ebenfalls studiert, 2025 bei der Hallen-DM, drei Jahre zuvor holte sie den Freiluft-Titel über 100 Meter Hürden. (wok)
Wer könnte Ihnen einen Strich durch die Rechnung machen?
Meier: Es gibt seit vergangenem Jahr viele schnelle Läuferinnen in der deutschen Spitze, viele haben sich toll entwickelt. Ich glaube, da gilt es einfach, sein eigenes Rennen zu laufen, fit und schnell zu sein, wenn es darauf ankommt. Letztlich kann ich mir nur selbst einen Strich durch die Rechnung machen.
Ist es gut, eine Teamkollegin an der Seite zu wissen oder sind Sie einfach nur Konkurrentinnen, wenn es auf die Bahn geht?
Schuster: Ich finde es auf jeden Fall wichtig, eine Teamkameradin dabei zu haben. Gerade bei Wettkämpfen, die mit einer Übernachtung verbunden sind. Marlene und ich gehen immer zusammen auf ein Zimmer. Das verschafft mir die nötige Ruhe, weil wir das schon unzählige Male zusammen erlebt haben. In dem Moment, wenn wir die Wettkampfhalle betreten, sind wir dann selbstverständlich Konkurrentinnen. Selbst da gibt es aber verbindende Momente. Ich erinnere mich an das vergangene Jahr in Dortmund, als wir uns für das Finale aufgestellt haben, stand ich vor Marlene. Ich habe mich zu ihr umgedreht und wir haben uns Mut zugesprochen und uns gesagt, dass wir jetzt unser Ding machen und Medaillen gewinnen werden.
Meier: Ich finde es überhaupt toll, mit der Trainingsgruppe bei Meisterschaften anzutreten. Dieses Jahr dürfen bei den Hürdenläufen fünf TSV-Athletinnen an den Start gehen, die alle aus einer Gruppe kommen. Das ist etwas Besonderes. Auf der Bahn sind wir natürlich letztlich alle Konkurrentinnen. Da wird jeder ganz sein Ding machen.
Man profitiert immer von starken Trainingspartnerinnen, vor allem weil jeder seine eigenen Stärken hat. Das spornt den anderen an, noch intensiver an seinen Schwachstellen zu arbeiten
Pushen Sie sich im Training gegenseitig?
Meier: Absolut, wir pushen uns in fast allen Trainingsbereichen. Egal ob wir uns bei Tempoläufen ziehen, uns gegenseitig hochraffen, noch einen Lauf zu packen, im Krafttraining neue Bestleistungen in Angriff nehmen oder uns bei Sprints gegenseitig anspornen. Man profitiert immer von starken Trainingspartnerinnen, vor allem weil jeder seine eigenen Stärken hat. Das spornt den anderen an, noch intensiver an seinen Schwachstellen zu arbeiten.
Schuster: Wir trainieren nicht so häufig zusammen. Aber wenn doch, ist es extrem motivierend, dass wir uns in vielen Bereichen auf gleichem Niveau befinden, aber doch total unterschiedlich sind. Wenn die eine schnell läuft, ist es klar, dass die andere das auch schaffen muss.
Frau Meier, Sie haben die Norm für die Hallen-WM von 8,02 Sekunden zuletzt abgehakt. Sind die Titelkämpfe Ende März im polnischen Toruń Ihr großes Ziel?
Meier: Die Hallen-WM wird in diesem Winter das Highlight. Wenn ich mich qualifiziere, will ich die Zeit dort nutzen, um noch mehr Erfahrung bei großen internationalen Meisterschaften zu sammeln. Im vergangenen Jahr bei der Hallen-EM habe ich gemerkt, dass es für mich noch ganz viel zu lernen gibt, etwa wie anders ein großes Finale sein kann, wie es sich anfühlt, mit den ganz Schnellen im Callroom zu sitzen, neue Formen von Aufregung zu spüren. Es gehört einiges dazu, rechtzeitig zu einem Highlight Bestleistungen zu bringen. Daher möchte ich noch lernen, besonders mit Blick auf die Europameisterschaften in Birmingham im Sommer.
Frau Schuster, Ihnen fehlen vier Hundertstelsekunden zur Norm. Ist die WM ein realistisches Ziel?
Schuster: Das glaube ich schon. Es fehlt tatsächlich nicht mehr viel zur Norm. Das erste Ziel ist es deshalb für mich, jetzt Deutsche Meisterin mit Hallen-WM-Norm zu werden. Danach steht das Istaf in Berlin an, da wird die endgültige Entscheidung fallen, wer zur Weltmeisterschaft fährt. Das heißt, es kommen jetzt vielleicht drei Highlights in Serie: die DM, das Istaf und eventuell die WM.
Auf der Homepage Ihres Vereins nennen Sie beide das Zeichnen als Ihr Hobby. Wenn Sie Ihr größtes Ziel als Sportlerin in einer Zeichnung festhalten müssten, was wäre auf dem Bild zu sehen?
Meier: Ich würde alle meine liebsten Freunde, Trainingspartnerinnen, Familie und natürlich meinen Freund und Hund bei uns um den Fernseher herum malen. Alle gucken gespannt, wie ich bei meinen ersten Olympischen Spielen an den Start gehe und in die Kamera winke.
Schuster: Mein Bild würde auf jeden Fall einen Strand in Los Angeles zeigen. Es wären olympische Ringe zu sehen und eine blonde Sportlerin, die sich sehr freut. Meine Freunde haben schon gesagt, wenn es 2028 zu den Olympischen Spielen nach L.A. geht, wären sie mit dabei. Das wäre cool. Denn für mich sind es immer die spaßigsten Wettkämpfe, wenn Freunde und Familie dabei sind. Sie müssten also auch noch auf das Bild. Und im Hintergrund würde die Sonne untergehen, weil ich Sonnenuntergänge einfach mag.

