Oakland/Köln – Kevin Durant spielt Basketball wie kaum ein anderer. Und Montagnacht krönte der 28-jährige Amerikaner seine ohnehin schon beachtliche Karriere mit dem ultimativen Titel seines Sports, dem Sieg in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA. Beim Feiern jedoch machte der Star der Golden State Warriors einen etwas unbeholfenen Eindruck. Es gibt Videos, die Durant nach dem Sieg beim unumgänglichen Alkoholverspritzen in der Kabine zeigen. Ausgestattet mit einer Skibrille zum Schutz der Augen versucht er sich am so genannten „Steve Austin Beer Smash“.
Überfordert mit dem Biertrinken
Dem Basketballer, der in der Finalserie gegen die Cleveland Cavaliers in den fünf Spielen im Durchschnitt 35,2 Punkte erzielt hatte und zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt worden war, war allerdings entgangen, dass der Wrestler, nach dem diese Kleckerei benannt ist, die Bierdosen immer erst öffnet, bevor er sie zusammendonnert, dass es schäumt und spritzt, und sich das Bier im großen Bogen in den Rachen schüttet.
Aber Durant war ohnehin schon beim normalen Biertrinken überfordert, ein anderes Video zeigt, wie er einen gerade genommenen Schluck mit viel Schwung auf den Boden spuckt. Später sagte Durant sichtlich mitgenommen: „Ich rede zu viel. Ich hatte in paar Bier zu viel. Seit Februar habe ich keines mehr getrunken.“
Durant ist ein All-Star
Der 2,06 Meter lange Hüne, zweimaliger Olympiasieger, Weltmeister, achtmaliger NBA-Allstar, war voll und ganz absorbiert von dem Vorhaben, endlich auch NBA-Meister zu werden. Vor dem letztlich entscheidenden fünften Spiel am Montag in eigener Halle habe er zwei Tage nicht schlafen können, sagte Durant. „Ich war ängstlich, ich war nervös.“
Doch auf dem Feld war er voll da: Mit 39 Punkten avancierte er einmal mehr zum besten Werfer seines Teams, Durant und die Warriors besiegten die Cavaliers um deren Superstar LeBron James mit 129:120 und in der Best-of-seven-Finalserie mit 4:1. Als erste Gratulantin zupfte Durants Mutter Wanda ihn am Ziegenbärtchen und sagte: „Du hast es geschafft, schau mich an, du hast es geschafft.“ Sie weiß wohl am besten, wie hart ihr Sohn gearbeitet hat, um sich diesen Traum zu erfüllen, den er verfolgt, seit er acht Jahre alt ist.
Werbeverträge, Siege und Niederlagen
Einer der hoch dotiertesten Spieler der NBA ist Durant schon seit Jahren, zudem bereits zum zweiten Mal ausgestattet mit einem Werbevertrag mit Nike in Zig-Millionen-Dollar-Höhe. Doch die begehrte Larry O’Brien Trophy blieb immer außer Reichweite. Besonders bitter für Durant war die Finalniederlage 2012. Damals spielte er noch bei Oklahoma City Thunder, und sein Team verlor mit 1:4 gegen Miami Heat – das von LeBron James angeführt wurde. Diesmal standen sich Durant und James also mit Golden State und Cleveland gegenüber, den aktuell unangefochtenen Top-Mannschaften der NBA, die beide ohne Probleme und Spannungsbogen ins Finale gelangt waren. Und Durant befand nach dem Triumph: „Jetzt sind wir quitt.“
Er war erst vor dieser Saison zu den Warriors gewechselt, 52 Millionen Dollar bekommt er für zwei Jahre. Richtig nötig hatte Golden State das nicht, denn man hatte rund um Stephen Curry bereits eine Supertruppe zusammen, die 2015 gegen Cleveland Meister geworden und in der Finalserie 2016 mit 3:4 nur knapp gescheitert war – an Cleveland. Nun gab es mit Durant als zusätzlichem Erfolgsgaranten für de Warriors den zweiten Titel in drei Jahren, und für die Zuschauer die bittere Gewissheit: Eine Wachablösung der beiden Übermannschaften und ein wenig mehr Aufregung in der NBA sind nicht in Sicht. Kevin Durant dürfte das egal sein. Er wollte die Trophy. Jetzt hat er die Trophy. (mit sid)
