Wann hat Julian Nagelsmann von seiner Entlassung beim FC Bayern München erfahren? Über die zeitliche Abfolge gibt es erbitterten Streit.
Zoff um Personalie NagelsmannKahn legt gegen Matthäus nach: „Halt- und stillos“

Oliver Kahn
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Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat schwere Vorwürfe gegen Vorstandschef Oliver Kahn vom deutschen Serienmeister Bayern München erhoben. „Ich weiß, dass Oliver Kahn lügt“, sagte Matthäus in der Halbzeitpause des Topspiels zwischen dem Rekordmeister und Borussia Dortmund (4:2) gegenüber t-online.
Der Streit zwischen Matthäus und Kahn hatte schon vor dem Spiel bei Sky begonnen. Hintergrund sind die Umstände der Entlassung von Trainer Julian Nagelsmann. „Oliver Kahn will nur von seinen Problemen ablenken, und dann greift er mich an. Aber darauf war ich vorbereitet“, sagte Matthäus. „Ich sage nur das, was ich höre, sehe und fühle. Die zeitliche Abfolge, so wie sie Kahn schildert, passt nicht zusammen.“
„Da wäre ich mal ganz, ganz vorsichtig“: Oliver Kahn geht Lothar Matthäus an
Die Trennung von Nagelsmann war am 24. März offiziell verkündet worden. Er soll aber dem Vernehmen nach bereits tags zuvor über die Medien davon erfahren haben. Matthäus hatte die Bayern-Bosse dafür kritisiert. „Immer diese Unterstellung, wir würden den Stil des FC Bayern nicht wahren, also da wäre ich mal ganz, ganz vorsichtig“, konterte Kahn während eines giftigen Schlagabtausches.
Der ehemalige Weltklasse-Torhüter bezeichnete bei Sky die Umstände der Trennung von Nagelsmann allerdings als „Katastrophe“. Das sei „nicht gut“, die Situation „verfahren und sehr schwierig für die Führung des FC Bayern“ gewesen.
Julian Nagelsmanns Agentur: „Kein Kontaktversuch der Bayern“
Besondere Brisanz bekommt der Schlagabtausch durch die Meldung, Nagelsmann habe tatsächlich keinen Anruf der Bayern-Führungsebene bekommen. Der Pay-TV-Sender Sky zitierte am Samstagabend das Management des 35-Jährigen, das mitteilte, es habe vor den Medienberichten „keinen Kontakt und keinen Kontaktversuch der Bayern“ gegeben. „Das Management von Julian Nagelsmann hat selbst nach diversen Gerüchten in den Medien bei Hasan Salihamidzic angerufen“, schrieb die Agentur Sports 360 laut Sky.
Sportvorstand Salihamidzic hatte dagegen am Sonntag im Sport1-„Doppelpass“ gesagt: „Der Erste, den wir angerufen haben, war Julian Nagelsmann.“ Salihamidzic sagte auch am Samstag bei Sport1, dass er direkt nach Tuchels Zusage mehrfach versucht habe, „Julian zu erreichen“. Irgendwann habe er dessen „Management angerufen und dann habe ich nochmal Julian angerufen“. Nagelsmanns Agentur reagierte zunächst nicht auf eine dpa-Anfrage zu der Stellungnahme.
Oliver Kahn: „Jederzeit die Wahrheit gesagt“
Oliver Kahn legte im Streit mit Matthäus inzwischen nach. „Lothar hat sich nach seiner Karriere ja zum Chefkritiker des deutschen Fußballs aufgeschwungen“, pöbelte der Vorstandschef von Rekordmeister Bayern München am Sonntag bei Bild TV: „Wenn man ihn dann aber mal selbst kritisiert, kann er damit nicht umgehen und lässt sich zu halt- und stillosen Aussagen hinreißen. So ist Lothar, das wird sich auch nicht ändern.“
Kahn wollte die schweren Vorwürfe am Sonntag nicht auf sich sitzen lassen. Sportvorstand Hasan Salihamidzic und er hätten „jederzeit die Wahrheit gesagt“, betonte Kahn und giftete weiter in Richtung Matthäus. Zwar sei es auch dessen Job als Experte, „dass es mal deftiger zugeht, Grenzen sollte man aber nicht überschreiten. Ich weiß nicht, was er da sagt, hört und fühlt“.
Kahn bezeichnete allerdings die Umstände der Trennung von Nagelsmann, der dem Vernehmen nach über die Medien von seiner Freistellung erfahren hatte, wie schon am Vortag als „Katastrophe“: „Das haben wir bedauert, aber wir wollten Julian das nicht per Telefon mitteilen. Das wäre stillos“, sagte der ehemalige Weltklasse-Torhüter und schob nach: „Wenn Lothar das so gemacht hätte, dann ist das seine Sache.“ (sid, dpa)



