Köln – Philipp Hein, der Geschäftsführer des Kölner Rennvereins, hat in diesen Tagen einige Male Kontakt zum Gesundheitsamt der Stadt gesucht. Mit dem Ziel, die Erlaubnis einzuholen, am Montag, beim fünften Weidenpescher Renntag während der Coronavirus-Krise, eine größere Gruppe von Zuschauern auf die Bahn lassen zu dürfen als die 100 geladenen Gäste, die zuletzt auf dem 56 Hektar großen Gelände erlaubt waren. Hein hatte jedoch keinen Erfolg. „Wir haben keine Rückmeldung bekommen“, sagt er, „deshalb kann ich leider zu dem Zuschauerthema nichts Neues verkünden“.
Vielleicht hat es auch ein Gutes. Denn so kann es den Kölner Galoppfreunden wenigstens nicht wie den Kollegen in Leipzig ergehen. Dort sollte es am Samstag eigentlich einen Renntag mit 700 Besuchern geben. Gesundheits- und Ordnungsamt zogen die Genehmigung jedoch zurück, so dass der Rennverein den Ticketverkauf kurzfristig rückabwickeln musste.
Kostenloser Livestream
Das anstehende Kölner After-Work-Event mit neun Rennen, das um 16.30 Uhr beginnt, wird wie üblich auf der Homepage des Kölner Rennvereins in einem kostenlosen Livestream zu sehen sein. Es ist ein kleinerer Renntag ohne Listen- oder Gruppen-Rennen, aber mit einem emotionalen Mehrwert. Im ersten Wettbewerb (Start 17 Uhr) treten nur drei Pferde an: Die beiden Wallache Degas (7) und Julio (5), die Rennvereins-Präsident Eckhard Sauren gehören und von Henk Grewe in Köln trainiert werden – und der vierjährige Hengst Ramazotti, der 20 Monate lang pausiert hat.
Das Rennen über 1600 Meter wurde möglich gemacht, damit Ramazotti auf die Rennbahn zurückkehren kann. 2018 war der Hengst, von Simon Stokes im niedersächsischen Sottrum betreut, als Zweijähriger ein Newcomer, der seine Besitzer glücklich machte. Er war bei zwei Starts ungeschlagen und gewann unter anderem das mit 100000 Euro dotierte Ferdinand-Leisten-Memorial in Iffezheim bei Baden-Baden. Im Januar wurde das junge Pferd jedoch schwer krank, ein lebensgefährliches Nierenversagen wurde diagnostiziert, Ramazotti musste wochenlang in einer Tierklinik in Hannover behandelt werden. Doch er sprang dem Tod von der Schippe.
Die Besitzer hatten Geduld mit ihm. Nach einer aufwendigen Reha und einem halben Jahr Training ist das Pferd, das sich im Besitz des Gestüts Fährhoff befindet, nun wieder so fit, dass es in ein Rennen geschickt werden kann. „Wir freuen uns, dass es solche Geschichten im Rennsport gibt, dass ein Pferd nach so schwerer Krankheit und langer Pause zurückkommt“, sagt Hein.
Zum ersten Mal werden in dieser Saison am Montag zudem die Amateur-Rennreiter in Köln unterwegs sein, im Lauf zum Vero-Amateur-Pokal (achtes Rennen, Start: 20.30 Uhr).
Das nächste große Ereignis im deutschen Galoppsport wird das Derby der Dreijährigen sein, das am 12. Juli in Hamburg-Horn stattfindet – wegen der Krise ohne Zuschauer und ebenfalls live im Internet übertragen.
Preis von Europa verschoben
Eine große Zahl von Pferden aus Köln wird diesmal dabei sein. Henk Grewe schickt den Favoriten Wonderful Moon an den Start sowie die Hengste Dicaprio, Adrian und Only The Brave. Und eventuell auch Oriental Dream, der am Sonntag noch in Hannover startet. Grocer Jack von Trainer Waldemar Hickst, im Union-Rennen Zweiter hinter Wonderful Moon, soll genauso um das blaue Band des Derbysiegers kämpfen wie der Stallkollege Near Poet und Peter Schiergens’ Notre Ruler. Hinzu kommen Kaspar und Dartan von Markus Klug.
Verschoben worden ist das wichtigste Kölner Rennen, der Preis von Europa über 2400 Meter. Der Gruppe-eins-Wettbewerb findet bereits am 15. August statt – und nicht wie ursprünglich geplant am 27. September. Die Dreijährigen, die auf der Derby-Distanz unterwegs waren, werden in dieser Konkurrenz erstmals gegen ältere Pferde antreten. Dann vielleicht vor einem erweiterten Publikum.
