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Schwimm-EMEuroparekordhalter Johannes Liebmann im Interview - „Ich bin in einer Gruppe mit Idolen“

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Neue Bestmarke: Bei den Stockholm Open schwimmt Johannes Liebmann die 800 Meter in 7:37,94 Minuten – Europarekord. . /Christine Olsson/

Neue Bestmarke: Bei den Stockholm Open schwimmt Johannes Liebmann die 800 Meter in 7:37,94 Minuten – Europarekord. . /Christine Olsson/

Das 19 Jahre alte Schwimmtalent Johannes Liebmann brach über 800 Meter Freistil den Europarekord. Bei der Europameisterschaft will er sich mit den Besten messen. Im RND-Interview erzählt er von Abistress und seinen größten Vorbildern.

Vor den Stockholm Open im April 2026 war der Name Johannes Liebmann nur Schwimmexperten ein Begriff. Doch mit einem Europarekord über 800 Meter Freistil (7:37,94 Minuten) katapultierte sich der 19-Jährige auf die deutsche Startliste für die Europameisterschaft in Paris. Liebmann spricht mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) über seine Ziele dort, weitere mögliche Rekorde und die Magdeburger Star-Truppe um Florian Wellbrock.

Am Dienstag (ab 9.20 Uhr, ZDF-Livestream) stehen die Vorläufe in seiner Paradedisziplin über 800 Meter Freistil an.

Johannes Liebmann, ein Blick zurück auf die Stockholm Open. Neben dem Europarekord über 800 Meter haben Sie auch den Jahrgangsrekord über die 400 Meter aufgestellt. Wie schätzen Sie Ihre Bestmarken ein?

Meine Zeiten waren Sprünge, die auf dem Niveau nicht so häufig passieren (in einem Jahr verbesserte Liebmann seine Zeit über 800 Meter um knapp 13 Sekunden, Anm. d. Red.). Die 800 Meter fielen mir sonst immer am schwersten. Über 1500 Meter und 400 Meter habe ich sonst immer meine besten Zeiten geschwommen. Da war ich natürlich überrascht und habe mich sehr gefreut. Gleichzeitig war es eine schöne Bestätigung dafür, dass sich die Arbeit der vergangenen Monate ausgezahlt hat.

Sie sind selbst Ihrem Kollegen Oliver Klemet davongeschwommen. Wie fühlten sich die letzten 100 Meter an? Kriegt man im Tunnel überhaupt noch was mit von Kulisse und Vorsprung?

Ja, sogar am meisten. Vorher war ich auf mich fokussiert und habe einfach losgedrückt. Erst auf den letzten 100 Metern habe ich gehört, wie viele mich angefeuert haben. Den Rausch habe ich dann für den Schlusssprint mitgenommen.

Viele sehen in Ihnen einen Kandidaten, der in Zukunft die Bestzeit von 7:32,12 Minuten über 800 Meter Freistil von Zhang Lin aus dem Jahr 2009 anvisieren könnte. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht?

Den Rekord habe ich natürlich im Kopf, aber ich mache mir nicht unnötig Druck. Die Marke ist so unglaublich schnell, dass sie für viele als unmöglich zu erreichen gilt. Sollte der Rekord wirklich mal gebrochen werden, wäre es allein für den Schwimmsport krass.

Als 18-Jähriger kamen Sie in die Startruppe unter Bernd Berkhahn in Magdeburg. Dort trainiert der deutsche Olympiakader mit Stars wie Lukas Märtens, Florian Wellbrock und Oliver Klemet. War es ein Sprung ins Haifischbecken?

Es war auf jeden Fall aufregend. Ich bin in eine Gruppe mit Idolen wie Florian Wellbrock gekommen. Ich habe mir schon früher Videos von ihm angeschaut, um meine Technik zu verbessern. Zu ihm habe ich aufgesehen. Deshalb war ich am Anfang auch sehr nervös. Mittlerweile sind wir alle im Team auf einer Wellenlänge und befreundet.

Was wollen Sie an sich noch verbessern?

Meine Grundschnelligkeit. Wenn es darum geht, den Sprint anzuziehen, habe ich im Moment noch viel Potenzial.

Erst dieses Jahr haben Sie Ihr Abitur geschrieben. Wie abrupt war die Umstellung vom Rekordbrechen in Stockholm zum Lernen in Mathe, Biologie und Englisch?

Das war schon schwierig und eine sehr intensive Zeit. Im Trainingslager musste ich viel lernen. Dann kam der Europarekord. Und nach Stockholm musste ich mich wieder auf die Schule fokussieren. Am Ende hatte ich zwar keinen Überflieger-Durchschnitt, aber ich bin sehr zufrieden.

Denken Sie als Nachwuchsschwimmer eigentlich auch an ein Studium – für die Zeit nach der Karriere?

Ich will studieren, aber ich weiß noch nicht, in welche Richtung es gehen soll. Ich lasse das erst einmal auf mich zukommen. Im Moment liegt mein voller Fokus auf dem Sport. Studieren möchte ich später auf jeden Fall, aber für die Entscheidung ist noch Zeit.

Als Jugendlicher sind Sie aus Elmshorn auf das Sportinternat in Magdeburg gezogen. Wie schwer fiel Ihnen der Umzug, weg von Familie und Freunden?

Auf dem Internat wurde ich gut aufgenommen und habe schnell Freunde gefunden. Das größere Problem war, dass ich mich von meiner Familie verabschieden musste. Einfach war es nicht, aber ich habe mich trotzdem auf meinen nächsten großen Schritt gefreut.

Wie sind Sie überhaupt zum Schwimmen gekommen? War es schon immer Ihr Traum?

Als kleines Kind sollte ich schwimmen lernen, damit meine Eltern im Urlaub nicht ständig auf mich aufpassen müssen. Nach dem Seepferdchen bin ich in den Verein, dann kamen die ersten Wettkämpfe. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass die Sache ihren Lauf genommen hat. Ansonsten war ich immer sehr musikalisch, habe Geige gespielt und mir selbst das Klavierspielen beigebracht. Doch weil das Trainingspensum irgendwann so hoch wurde, musste ich beides aufgeben.

Und Ihre Träume heute – welche Ziele setzen Sie sich für die EM?

Ich möchte meine Leistungen bestätigen und das Beste aus den Rennen herausholen. Natürlich ist mein Ziel, möglichst weit vorn mitzuschwimmen und um Medaillen zu kämpfen.