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Wirbel bei AbstimmungWarum die Regionalliga-Reform vorerst gescheitert ist – und was jetzt kommt

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Eigentlich sollte die Regionalliga-Reform eine Lösung präsentieren. Doch bei den Abstimmungen kam es anders als gedacht.

Eigentlich sollte die Regionalliga-Reform für eine Lösung sorgen. Doch bei den Abstimmungen kam es anders als gedacht. 

Obwohl bundesweit eine Mehrheit für das Kompass-Modell stimmte, reichte Bayerns Veto. Was das für die Zukunft bedeutet. 

Seit Jahren ist das Aufstiegssystem der Regionalligen strukturell ungerecht. Fünf Regionalligen existieren in Deutschland, aber es gibt nur vier direkte Aufstiegsplätze in die Dritte Liga. Zwei davon sind gesetzt: Die Meister der Regionalliga West und Südwest steigen jedes Jahr direkt auf. Von den drei verbleibenden Staffeln – Nord, Nordost und Bayern – erhält eine nach einem rotierenden Prinzip den dritten direkten Platz. Die beiden anderen Meister müssen gegeneinander in Hin- und Rückspiel-Playoffs antreten. Nur einer kommt durch – der andere bleibt in der Viertklassigkeit, obwohl er seine Liga gewonnen hat.

Reform ist vorerst gescheitert

Eine DFB-Gruppe hatte daher ein Jahr lang an Lösungen gearbeitet und zwei Modelle präsentiert. Das Kompass-Modell sah vor, die fünf bestehenden Ligen auf vier neu zugeschnittene Staffeln zu reduzieren und  geografisch auszurichten: Nord, Süd, West, Ost –, sodass künftig alle vier Meister direkt aufsteigen. Das Regionen-Modell war die schonendere Variante: Die Zahl der Staffeln sollte auf vier reduziert werden, indem zwei der drei kleineren Ligen – Nord, Nordost und Bayern – zu zwei neuen zusammengelegt werden.

Am 29. Juni sollten Vereine aus allen fünf Regionalliga-Gebieten abstimmen. Das Ziel: ein reformiertes System ab 2028/29, in dem künftig jeder Meister direkt aufsteigen kann. Doch wenige Tage vor der Abstimmung erhielten die Vereine ihre Unterlagen – und stellten fest, dass die Staffelgröße im Kompass-Modell ohne Ankündigung von den Verbänden von 20 auf 18 Teams verringert worden war.

Dresden und Rostock boykottierten und kritisierten anschließend die Abstimmung. In Duisburg, wo die westdeutschen Vereinsvertreter beim Westdeutschen Fußballverband zusammenkamen, stellte Marcus Uhlig, Vorstandsvorsitzender von Rot-Weiß Oberhausen und einer der beharrlichsten Fürsprecher der Aufstiegsreform, einen entsprechenden Antrag: Beide 20er-Modelle – Kompass und Regionen – sollten wieder auf den Abstimmungszettel. Sollte der Antrag abgelehnt werden, werde er alle Vereine zum Boykott aufrufen. Der Antrag wurde zugelassen. Der Westen votierte mit knapp 61 Prozent für das Kompass-Modell. Der Norden mit 61,5, der Nordosten mit 76,3 Prozent.

Währenddessen stimmten die bayerischen Vereine im Max-Morlock-Stadion in Nürnberg ab – und das Kompass-Modell fand dort keine Mehrheit. 45,2 Prozent. Zu wenig. Die Mehrheit votierte dafür, zunächst neue Modelle zu erarbeiten. Da das Abstimmungsverfahren verlangte, dass alle fünf Regionen für dasselbe Modell stimmen mussten, reichte das Ergebnis aus Bayern, um die gesamte Reform zu stoppen. Jede Region besaß faktisch ein Vetorecht – obwohl bundesweit 50,6 Prozent aller abstimmenden Vereine für das Kompass-Modell mit 18 Teams gestimmt hatten.

Marcus Uhlig bleibt gelassen

Uhlig ordnet das Ergebnis gelassen ein: „Wir müssen in diesem komplexen Prozess weniger konfrontativ und mehr kooperativ agieren. Wir kommen nicht weiter, wenn mit verhärteten Fronten und konfrontativen öffentlichen Statements gekämpft wird.“

Rund zwei Wochen, nachdem die DFB-Arbeitsgruppe ihre Arbeit abgeschlossen hatte, brachte BFV-Präsident Christoph Kern ein eigenes Modell ins Gespräch. Die Grundidee: Die Vereine spielen wie bisher eine Hinrunde in den bestehenden fünf Ligen. Die besten acht qualifizieren sich für eine Meisterrunde, die dann im Kompass-System, also in vier Staffeln, ausgetragen wird. Dasselbe Prinzip soll für die Abstiegsrunde gelten. Die Verbandsträgerschaften blieben unangetastet, der politisch heikle Übergang von fünf auf vier Ligen entfiele.

 Was 100 Prozent aller Vereine gesagt haben, ist, dass es so, wie es jetzt ist, nicht mehr bleiben kann. Eine Reform wird kommen.
Marcus Uhlig, Vorsitzender von Rot-Weiß Oberhausen und Fürsprecher der Aufstiegsreform

Es folgte viel öffentliche Kritik. Jedoch nicht am Bayern-Vorschlag, sondern am Zeitpunkt. Warum kam dieser Vorschlag erst nach dem Ende der Arbeitsgruppe – und dann nicht als formaler Antrag, sondern halb durch die Medien lanciert? Das Scheitern der Abstimmung erzeugte vergangene Woche ein mediales Echo, als gäbe es keine Reform mehr. Uhlig widerspricht der Erzählung vom kompletten Scheitern vehement: „Was 100 Prozent aller Vereine gesagt haben, ist, dass es so, wie es jetzt ist, nicht mehr bleiben kann. Eine Reform wird kommen.“

Doch die Zeit, in der man diese Frage noch einmal aufschieben kann, wird knapper. Soll die Saison 2027/28 als Qualifikationsjahr für ein reformiertes System gelten, brauchen Vereine spätestens zu Jahresbeginn 2027 Klarheit über die Rahmenbedingungen – dann beginnt das Lizenzierungsverfahren (1.1.2027), dann plant man Kader, Stadien, Budgets. „Wenn du Achter, Neunter, Zehnter werden musst, um dich für eine Meisterrunde zu qualifizieren, dann planst du die Saison anders, als wenn der Klassenerhalt reicht“, erklärt Uhlig.

Auch der DFB hat sich in einem öffentlichen Statement zu Wort gemeldet. Präsident Bernd Neuendorf erklärte: „Das Ziel, ein Aufstiegsrecht für die Meister zu realisieren, bleibt unabhängig vom Votum allerdings richtig. Vor diesem Hintergrund wird sich der DFB nunmehr aktiv in diesen Prozess einbringen und mit allen Beteiligten das Gespräch suchen. Der DFB-Bundestag hat bereits vor acht Jahren beschlossen, dass eine Regelung gefunden werden muss, die es allen Meistern der Regionalligen ermöglicht aufzusteigen. Dieses Ziel bleibt auch nach dem jetzt vorliegenden Votum der Klubs auf der Tagesordnung, denn nahezu alle haben hinterlegt, dass eine Beibehaltung des Status Quo keine Option ist.“

Nahezu alle sind sich einig, dass es so nicht bleiben kann. Dass eine Reform kommt, daran zweifelt kaum jemand. Wann sie kommt – das ist die eigentliche Frage.