Marian Wilhelm verschwendete auch am späten Samstagnachmittag keinen Gedanken daran, die Tabelle der Dritten Liga auszuschneiden. Dabei ist ihr Anblick für alle, die es mit dem FC Viktoria Köln halten, noch einmal schöner geworden. Mit dem hart erarbeiteten 3:1 (0:1)-Heimsieg gegen den SC Verl festigte das Überraschungsteam aus Höhenberg nicht nur den zweiten Tabellenplatz, sondern rückte obendrein bis auf zwei Punkte an Spitzenreiter MSV Duisburg heran. Für Wilhelm und die Seinen war das aber nicht mehr als eine Randnotiz. „Die Tabelle interessiert uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht großartig“, beteuerte Viktorias Erfolgstrainer zum Abschluss des elften Spieltags.
Viel wichtiger ist ihm eine andere Sache: „23 Punkte bedeuten mir unglaublich viel, weil es einfach zeigt, wie viel wir in den letzten Wochen richtig gemacht haben“, sagte der 38-Jährige. Eine Gefahr, dass seine Spieler die Bodenhaftung verlieren könnten, sieht er nicht: „Es ist wichtig, dass wir uns durch nichts von unserem Fokus ablenken lassen. Die Jungs haben auch heute wieder unter Beweis gestellt, wie klar sie in diesem Gedanken sind“, erklärte Wilhelm, ehe er den Blick bereits auf das Verfolgerduell bei der TSG Hoffenheim II am kommenden Samstag richtete: „Die nächsten Punkte müssen wir uns ab jetzt erarbeiten.“
Wir sind nach dem Rückstand nicht hektisch geworden. Es spricht für die Truppe, dass sie dieses Selbstvertrauen hat.
Wie schon beim Gipfeltreffen in Duisburg (1:1) ließ sich die Viktoria auch gegen Verl von einem Pausenrückstand nicht aus der Bahn werfen. Trotz der „kalten Dusche“ (Wilhelm) durch Fabian Wessig (45.+3) blieben die Kölner ihrem Ballbesitzfußball treu und warteten geduldig auf ihre Chancen. Sportvorstand Franz Wunderlich sprach einmal mehr von einer „reifen Leistung“ und lobte: „Wir sind nach dem Rückstand nicht hektisch geworden. Es spricht für die Truppe, dass sie dieses Selbstvertrauen hat.“ In „keiner Phase“ sei die Viktoria von ihrer Linie abgerückt. „Das ist ein Riesenplus“, meinte Wunderlich.
Wilhelm sah das genauso. „Wir haben weiter unseren Fußball gespielt. Es freut mich, dass wir in unserer Entwicklung an diesem Punkt angelangt sind“, erklärte der Coach. Der Glaube ans System und an die eigene Stärke ist offenbar fest in den Köpfen der Spieler verankert. „Wir hatten die Überzeugung, das Spiel auch in den letzten zehn Minuten noch zu drehen. Das macht mich stolz“, sagte Wilhelm.
Zwar brannte seine Elf auch im zweiten Durchgang kein Chancenfeuerwerk ab. Dennoch war der Ausgleich durch David Otto hochverdient (71.). Der Torjäger verwertete eine Hereingabe von Meiko Sponsel mit dem Kopf. Spätestens jetzt hatte Verl kaum noch etwas entgegenzusetzen; die Ostwestfalen zollten ihrer kräfteraubenden Mann-gegen-Mann-Verteidigung aus der ersten Halbzeit Tribut. Das Tor zum 2:1 fiel nahezu identisch: Diesmal flankte Pascal Fallmann unbedrängt ins Zentrum, wo Taylan Duman seine starke Vorstellung mit einem weiteren Kopfballtor krönte (86.). Für die Entscheidung zeichnete sich Kilian Jakob per Schlenzer verantwortlich (89.).
Kadertiefe macht sich bezahlt
Der spät errungene Sieg machte einmal mehr deutlich, über welch hohe Kadertiefe die Viktoria in dieser Saison verfügt. Nach den frühzeitigen verletzungsbedingten Auswechslungen von Yannick Tonye und Lucas Wolf – bei beiden Akteuren besteht der Verdacht auf eine Muskelblessur – sorgten Torschütze Jakob sowie Niklas Jahn dafür, dass die Kölner ohne nennenswerten Qualitätsverlust weiterspielen konnten. „Wir haben nahtlos gewechselt“, stellte Wilhelm zufrieden fest und verteilte ein Sonderlob an die Einwechselspieler: „Man hat auch heute wieder gesehen, wie extrem wichtig es ist, dass wir nicht nur die elf Mann sind, die auf dem Platz stehen.“
Ins Bild ebenjener mannschaftlichen Geschlossenheit passt, mit welcher Demut Viktorias Spieler dem Höhenflug begegnen. „Die Saison ist noch so lang“, sagte Sieggarant Taylan Duman. „Deshalb möchte ich eigentlich gar nichts zur Tabelle sagen.“ Sein Chef wagte sich da schon etwas mehr aus der Deckung. „Wir wollen sehen, dass wir bis zur Winterpause in dieser Position bleiben können“, frohlockte Sportvorstand Franz Wunderlich. „Ein Märchen ist es fast nicht mehr.“
Viktoria: Schulz – Sponsel, Eisenhuth, Kloss – Fallmann (90.+4 Boboy), Duman (90.+4 Amann), Swider, Tonye (22. Jakob) – Wolf (46. Jahn), Castelle – Otto (83. Sachse); Tore: 0:1 Wessig (45.+3), 1:1 Otto (71.), 2:1 Duman (86.), 3:1 Jakob (89.); Zuschauer: 5463.
