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Viktoria Kölns VizeHolger Kirsch über die Zweite Liga und ein neues Dach für den Sportpark Höhenberg

Lesezeit 7 Minuten
Holger Kirsch, Vizepräsident des FC Viktoria Köln

Holger Kirsch, Vizepräsident des FC Viktoria Köln

Holger Kirsch ist Vizepräsident des FC Viktoria, Leiter des Kölner Rosenmontagzuges und Architekt. Der Multi-Funktionär im Interview

Herr Kirsch, Sie sind nicht nur Vizepräsident des FC Viktoria Köln, sondern auch Zugleiter des Rosenmontagszugs. Hat Ihr Trainer Olaf Janßen zuletzt auf dem Wagen des Zugleiters einen jecken Eindruck hinterlassen?

Olaf ist ja kein „Neu-Kölner“. Er wusste, was eine Mitfahrt im Rosenmontagszug bedeutet, und hat sich sehr über unsere Einladung gefreut. Er hat den Zug in vollen Zügen genossen – und das gänzlich ohne Alkohol. Das habe ich kontrolliert (lacht)! Olaf ist eben in allen Belangen ein Vorbild.

Wie gelingt es Ihnen, die beiden Ehrenämter mit Ihrem Beruf als Architekt unter einen Hut zu bekommen?

Alles zum Thema Olaf Janßen

Ich habe tolle Mitarbeiter, die meine Leidenschaft mittragen und meine temporäre Abwesenheit auffangen. Dennoch muss mein Beruf an erster Stelle stehen. Wichtige Termine nehme ich immer wahr. Oftmals sind meine Auftraggeber in der Karnevalszeit positiv überrascht und sagen: „Also, mit Ihnen haben wir in der jetzigen Zeit gar nicht gerechnet!“

Und eine Familie haben Sie ja auch noch. Was sagen Ihre drei Töchter und Ihre Frau zu Ihrem Engagement im Karneval und bei der Viktoria?

„Die schönste Freude ist es, anderen eine Freude zu machen!“ Das versuche ich zuhause zu transportieren. Darüber hinaus sind alle Frauen im Hause Kirsch jeck und fußballverrückt. Gemeinsame Besuche der Spiele unserer Viktoria sind für uns wie ein Familienausflug.

Holger Kirsch spielte in der Jugend selbst für Viktoria Köln

Was ist anstrengender? Vizepräsident von Viktoria Köln zu sein oder Zugleiter des Rosenmontagszuges?

Ich glaube, ich trete niemandem zu nahe, wenn ich behaupte, dass es wenige Ehrenämter in unserer Stadt gibt, die arbeits- und zeitintensiver sind als Zugleiter des Kölner Rosenmontagszuges zu sein. Das Amt des Festkomitee-Präsidenten ist noch verrückter. Da musst du kerngesund sein.

Seit 2014 sind Sie im Präsidium der Viktoria vertreten. Wie kam es damals zu dem Engagement in Höhenberg?

Ich habe selbst in der Jugend der Viktoria gespielt, und mein Opa hatte einen Schrebergarten in der Merheimer Heide. Wenn Viktoria ein Heimspiel hatte, bin ich schnell mit dem Fahrrad zum Sportpark und habe mich unterm Zaun hindurch ins Stadion geschummelt. Ich bin also Viktorianer von klein auf – letztendlich waren es meine langjährigen Mitstreiter Willy Scheer (Präsidiumsmitglied, die Red.) und Günter Pütz (ehemaliger Viktoria-Präsident, die Red.), die mich, oh Wunder, auf einer Karnevalssitzung angesprochen haben. Von Herrn Wernze (ehemaliger Viktoria-Mäzen, die Red.) bekam ich dann anschließend den Segen (lacht).

Sie haben seitdem eine Menge Höhen und Tiefen erlebt: Verpasste Aufstiege, den Drittliga-Aufstieg 2019 und zahlreiche Partien im DFB-Pokal. Was waren Ihre sportlichen Highlights in den vergangenen Jahren?

Besonders schmerzhaft war sicherlich die verpasste Drittliga-Relegation gegen Carl-Zeiss Jena 2017. Die im Anschluss gehaltene Rede von Herrn Wernze vergesse ich nie. „Wir stehen immer einmal mehr auf als wir hinfallen.“ Von daher war dann der Aufstieg 2019 mit nichts zu vergleichen. Wenn ich mich an die Gesichtsausdrücke von Mike und Franz Wunderlich im Anschluss an den verwandelten Elfmeter gegen Borussia Mönchengladbach II erinnere, bekomme ich noch heute Gänsehaut. Was haben diese beiden Männer für diesen Moment gearbeitet!

Und Ihre persönlichen?

Das nicht gegebene Tor von Simon Handle gegen den FC Bayern zum vermeintlichen 1:0 im DFB-Pokal letztes Jahr. Ich hatte die Abseitsstellung lange nicht registriert und derart ausgiebig gejubelt, dass ich zwei Schalensitze unter den Armen und einen im Mund hatte. Emotionen im Fußball sind mit nichts zu vergleichen.

Sie waren damals maßgeblich beteiligt, dass die Viktoria auch in der Dritten Liga im Sportpark Höhenberg ihre Heimspiele austragen kann, haben mit Ihrem Architekturbüro das Stadion ausgebaut und eine neue Stehplatz-Tribüne geplant. Was bedeutet der Sportpark Höhenberg für Sie?

Daran erinnere ich mich gerne zurück. Es galt lange als ausgeschlossen, dass in Höhenberg jemals Profifußball gespielt werden darf. Ich hatte früh ein Gespräch mit Lutz Wingerath, dem Chef der Kölner Sportstätten. Auf meine Frage, wie wahrscheinlich ein Spielbetrieb in Höhenberg sei, antwortete er: „Unter 10 Prozent!“ Das war ein Anfang… Was dann aber folgte, war ein perfektes Zusammenarbeiten aller Behörden, unserer Geschäftsstelle und meinem Büro. In sechs Wochen haben wir dieses Stadion einschließlich aller notwendigen Gutachten, Genehmigungen und Umbaumaßnahmen drittligareif gemacht. Das erfüllt mich mit Stolz. Herr Wernze bestand anschließend darauf, mir einen Wunsch zu erfüllen. So verrückt es klingt: Ich wollte immer einen Trabi haben! Herr Wernze hatte einen himmelblauen Trabant in seiner Garage. Wenige Tage später stand er in meiner Einfahrt, ist seitdem fester Bestandteil unserer Familie und heißt „Wölkchen“.

Bekommt die Stehplatz-Kurve im Sportpark Höhenberg ein Dach?

Reicht das Stadion auf Dauer für einen ambitionierten Drittligisten von seiner Infrastruktur aus? Oder anders gefragt: Gibt es weitere Ausbaupläne? Aus der Fanszene hört man immer wieder die Forderung nach einer Überdachung der Stehplatz-Kurve.

Nein, natürlich kann dieses Stadion auf lange Sicht nicht reichen. Die dringend notwendigen Vermarktungsmöglichkeiten sind schlichtweg nicht gegeben. Irgendwann muss etwas passieren. Den Wunsch unserer Fans kann ich absolut nachvollziehen und sie wissen auch, dass wir uns weiter mit diesem Anliegen beschäftigen. Die Genehmigungslage ist aber leider etwas komplizierter. Andererseits ist mir aber auch klar, dass die aktuellen Krisenzeiten unsere Stadt vor größere Herausforderungen stellen als uns ein neues Fußballstadion zu bauen. Von daher sind wir erstmal glücklich, dass es so ist, wie es ist.

Im November ist Günter Pütz als Präsident des FC Viktoria zurückgetreten. Stehen Sie bei den nächsten Präsidentschaftswahlen als sein Nachfolger zur Verfügung?

Zunächst wissen nur wenige, was Günter Pütz für unseren Verein wirklich geleistet hat. Wenn Günter von einem vermeintlichen Gönner mit leeren Händen wiederkam, dann konnten wir uns sicher sein, dass dort wirklich nichts zu holen war. Ich persönlich möchte mich gerne weiter im Vorstand engagieren. Am liebsten mit den bisher handelnden Personen um Willy Scheer, Franz Wunderlich und Norbert Bruhn in seiner Funktion als Geschäftsführer. Wir sind Freunde, und das macht es für mich besonders. Durch meine persönliche Konstellation als Zugleiter des Rosenmontagszuges und Vize-Präsident bin ich aber ausgelastet.

Welche Eigenschaften muss ein Präsident von Viktoria Köln mit sich bringen?

Gute Kontakte in die Verwaltung, die Politik und die Wirtschaft schaden nie. Aber viel wichtiger erscheint mir ein Typ „Menschenfänger“ mit der notwendigen Empathie und den Emotionen für diesen ganz besonderen Verein auf der Schäl Sick.

Viktoria Kölns Traum von der 2. Bundesliga

Glauben Sie, dass die Viktoria das Zeug für die 2. Bundesliga hat? Vielleicht schon in der kommenden Saison?

Dieser Traum lebt weiter. Für dieses Jahr hatten wir uns zum Ziel gesetzt, den Klassenerhalt frühzeitig zu sichern. Dann hätten wir frühzeitig Planungssicherheit, und vielleicht fällt es uns so auch leichter, den ein oder anderen ambitionierten Spieler von unseren Zielen zu überzeugen. Wirtschaftlich kann ein Aufstieg nur Vorteile mit sich bringen.

Hat der familiär geführte Verein das Zeug dazu, sich dauerhaft im Profifußball zu etablieren? In Köln hat man häufig das Gefühl, alle rennen nur zum FC.

Jeder Kölner ist FC-Fan und das ist gut so. In unserer Stadt gibt es in meinen Augen nicht die Tradition zweier oder mehrerer rivalisierender Vereine um den Nummer Eins-Status, wie es sie lange Zeit in München, Hamburg oder Berlin gab. Der FC ist die unangefochtene Nummer Eins und das wird er auf ewig bleiben. In einer Millionenstadt wie Köln muss aber Platz für eine gute Nummer Zwei wie unsere Viktoria sein. Warum kann ich als Kölner nicht gleichzeitig dem FC, der Viktoria und auch der Fortuna die Daumen drücken? Ich kann das! Mein Wochenende ist großartig, wenn meine Viktoria gewonnen hat. Es ist aber besser, wenn der FC auch gewonnen hat und noch besser, wenn die Fortuna und vielleicht auch noch die Kölner Haie erfolgreich waren. Dann kann ich montags mit einem Sektfrühstück in die Woche starten.

Zur Person

Holger Kirsch (48) geboren in Porz, ist seit Juli 2014 Vizepräsident des FC Viktoria Köln und Inhaber eines Architekturbüros im Rechtsrheinischen. 2015 war Kirsch Prinz Karneval in Köln, seit 2020 ist der Familienvater Leiter des Kölner Rosenmontagszuges. Seit dem Rücktritt von Präsident Günter Pütz im November 2022 bildet Kirsch gemeinsam mit Franz Wunderlich und Willy Scheer das Präsidium des FC Viktoria. Holger Kirsch ist verheiratet und Vater von drei Töchtern.

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