Marian Wilhelm kam am Freitagnachmittag nicht umhin, einen letzten Blick zurückzuwerfen. Eine gewisse Verärgerung war dem Trainer des Drittligisten FC Viktoria Köln auch mit zwei Nächten Abstand noch anzumerken, als er über den hergeschenkten 2:0-Vorsprung gegen die SG Sonnenhof Großaspach (2:2) sprach. Nach einer Stunde habe seine Mannschaft „die Kontrolle aufgegeben und dem Gegner das Feld überlassen“, monierte Wilhelm. „Das war vollkommen unnötig, das müssen wir uns ankreiden.“ Entsprechend unverblümt fiel die Mannschaftsbesprechung aus. „In der Analyse haben wir das sehr deutlich angesprochen.“
Allzu lange aufhalten wollte sich Wilhelm mit den Geschehnissen des Mittwochabends aber nicht mehr. Zumal in einer Englischen Woche, in der ein eng getakteter Terminkalender kaum Zeit zum Luftholen bietet. Schon am Sonntag (16.30 Uhr, Magenta Sport) steht die nächste Aufgabe auf dem Programm, und sie ist von nicht alltäglicher Natur für den kleinen Klub aus Höhenberg. Mit dem Gipfeltreffen beim Spitzenreiter MSV Duisburg hält die Drittliga-Saison ihren vorläufigen Höhepunkt für den Überraschungszweiten bereit. „Wir schauen voller Vorfreude auf das Wochenende“, frohlockte Wilhelm.
Wir schauen voller Vorfreude auf das Wochenende.
Mehr als 20.000 Zuschauer werden an der Wedau erwartet. Für die Viktoria bedeutet die Teilnahme am Topspiel eine Art Belohnung für ihre bislang so herausragende Saison. „Das wird eine schöne Herausforderung in einem Hexenkessel“, findet Sportvorstand Franz Wunderlich, der seine Mannschaft in der Rolle des Herausforderers sieht: „Duisburg ist Tabellenerster und damit der Favorit. Sie gehören zu den absoluten Topteams der Liga.“
Doch nicht wenige Experten sehen in der Kölner Viktoria mittlerweile mehr als nur einen Geheimfavoriten. Entsprechend groß ist auch der Respekt aufseiten des MSV. „Die Viktoria ist sehr spielstark. Wir müssen eng an den Leuten sein, um uns nicht rundspielen zu lassen“, warnte Duisburgs Coach Dietmar Hirsch, dessen Team acht der neun Spiele gewann und die Tabelle mit fünf Punkten Vorsprung anführt. Dass der MSV derart fulminant aus den Startlöchern gekommen ist, verlangt Marian Wilhelm „höchsten Respekt“ ab. „Das ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie die letzte Saison für Duisburg zu Ende gegangen ist“, sagt Viktorias Trainer anerkennend.
Viktoria Köln: Einsatz von Yannick Tonye ist fraglich
Der Aufstiegstraum des MSV hatte am letzten Spieltag der Saison 2025/26 ein tränenreiches Ende gefunden. Maßgeblichen Anteil daran hatte pikanterweise die Viktoria, die mit dem 1:1 in Duisburg die Meidericher Party zerstörte. „Das wird der MSV nicht vergessen haben“, ist sich Franz Wunderlich sicher. „Ich glaube schon, dass das am Sonntag noch eine Rolle spielen wird.“
So oder so steht die junge Viktoria-Elf vor der bislang härtesten Prüfung ihres Entwicklungsprozesses. „Da kommt einiges auf uns zu“, weiß Wilhelm und listet auf: „Sie sind extrem gut bei Standards, haben eine extreme Umschaltqualität und eine klare Idee, hinter der jeder steht. Dazu können sie in der Breite mit sehr viel Qualität nachlegen. Aktuell bringen sie all das mit einer sehr hohen Konstanz auf den Platz. Daher stehen sie mit absoluter Berechtigung ganz oben.“
Dennoch rechnen sich die Kölner, die von 300 Anhängern begleitet werden, etwas aus. „Wir haben es letzte Saison geschafft, viel von der Wucht des Stadions wegzunehmen, und wollen auch diesmal unsere Rolle spielen“, gibt Wilhelm vor. Mittelfeldmann Taylan Duman formuliert es ähnlich: „Wir sind gewappnet und fahren mit breiter Brust dahin. Wir wollen bestehen und sie wieder ärgern.“ Ein Fragezeichen steht hinter Yannick Tonye, der gegen Großaspach wegen muskulärer Beschwerden fehlte.
