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Bergisches WünschemobilEin Caddy für Herzensangelegenheiten

4 min

Berti ist immer mit an Bord, wenn das „Bergische Wünschemobil“ schwerkranke Menschen – vielleicht zum letzten Mal – zu einem Lieblingsort fährt.

Overath – Jeder Tag, an dem Tivon keine Schmerzen hat, ist ein guter. Und der Tag, an dem das „Bergische Wünschemobil“ bei ihm vorbei kommt, ist so einer. Tivon packt mit an und schiebt seinen Rollstuhl die Rampe des VW Caddy hoch. Das würde der 15-Jährige nicht jeden Tag schaffen. Er hat das Downsyndrom und zusätzlich eine schwere Darmerkrankung, die ihm sein Leben im Alltag sehr erschwert.

Tivon verträgt nur etwa zehn Lebensmittel, alle anderen kann sein Körper nicht verarbeiten. Laufen kann er nur kurzzeitig, jede körperliche Aktion strengt ihn sehr an. Seine Eltern wissen, dass ihr Sohn jederzeit den Sekundentod sterben kann. Mit dieser fürchterlichen Gewissheit lebt Familie Winter schon seit 15 Jahren, Tivon hat noch drei Geschwister.

Auf dem Siegburger Mittelalter-Weihnachtsmarkt.

Lebensbedrohlich erkrankt

Eine Tour über den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg sollte Tivon und seiner Mutter im Dezember eine kleine, wohlverdiente Auszeit bescheren. Ein Ausflug, den das „Bergische Wünschemobil“ möglich gemacht hat.

So können Sie helfen

Mit „wir helfen: weil alle Kinder eine Chance brauchen“ bitten wir um Spenden für Projekte, die benachteiligten Kindern und Jugendlichen aus unserer Region eine lebenswerte Zukunft ermöglichen. Bislang sind 882 984,41 Euro eingagngen.

Die Spendenkonten:

Kreissparkasse Köln, IBAN:

DE0337050299 0000162155

Sparkasse Köln-Bonn, IBAN:

DE2137050198 0022252225

Wenn Sie nicht in der Spenderliste erwähnt werden wollen, schreiben Sie bitte am Anfang des Verwendungszwecks +A+, wünschen Sie eine Spendenbescheinigung, vermerken Sie bitte +S+ und Ihre Adresse, legen Sie auf beides Wert, vermerken Sie +AS+. Vielen Dank!

Kontakt: „wir helfen e.V.“, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln, wirhelfen@dumont.de

Seit Oktober hat die bundesweit tätige Initiative „Hits fürs Hospiz“ mit Sitz in Overath den Caddy im Programm. Erwachsene und Kinder wie Tivon, die an einer lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Krankheit leiden, haben dank des neuen großen Autos die Chance auf einen ganz besonderen Tag – einen Ausflug ins Fußballstadion, eine Fahrt ans Meer oder wie heute, einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Tagesfahrten von bis zu 350 Kilometer Entfernung sind möglich. Die Bedingungen: Ein formloser Antrag beim Verein und ein Wohnort maximal 25 Kilometer entfernt von Overath.

Tivon Winter mit Maskottchen Berti.

Tivon liebt Gaukler

Tivon mag Gaukler und Ritter, deswegen musste es für ihn der Mittelalter-Markt sein. „Das, was für gesunde und vitale Menschen ganz alltäglich ist, stellt für Menschen mit einer lebensverkürzenden Erkrankung oft schon ein Transportproblem dar“, sagt Gabi Schillinger, Leiterin des Projektes „Herzenswünsche erfüllen“ im Verein „Hits fürs Hospiz“.

Tivon Winter in der Eisdiele mit „Herzenswünsche“-Projektleiterin Gaby Schillinger.

Pflegenden Angehörigen und Betreuungseinrichtungen mangelt es häufig an Zeit und finanziellen Mitteln. Meist fehlen auch geeignete Fahrzeuge und Fahrer.

Liebevoll verabschiedet Tivon seinen Therapiehund Sima und dann geht es los. Der 15-Jährige ist ein fröhlicher, lustiger und aufgeweckter Junge. Besonders begeistert ist er von Berti, dem riesigen Stoffbären und Maskottchen des Wünschemobils. Berti muss in Tivons Rolli Platz nehmen und darf dann im VW-Caddy neben ihm auf der Rückbank sitzen.

40 Operationen in 15 Jahren

Tivon strahlt. Dass er in seinem jungen Leben insgesamt schon 40 Operationen hinter sich gebracht hat, sieht man ihm heute nicht an. Tivon ist tapfer. Genau wie seine Mutter Claudia Winter, die in den vergangenen Jahren für ihren Sohn viele Kämpfe ausgefochten hat.

Mal ging es um die Finanzierung eines Rollstuhles durch die Krankenkasse, mal um weitere Pflegeleistungen für ihren Sohn. Eine Erkrankung wie Tivons, bedeutet für betroffene Familien nicht nur finanzielle, existenzielle und zeitliche Herausforderungen. Dazu kommt die nie endende Sorge um das Kind.

„Herzenswünsche“-Projektleiterin Gaby Schillinger und Koordinatorin Gabi Orth helfen Tivon aus dem Wünschemobil.

Schon im vergangenen Jahr hat „Hits für Hospiz“ Familie Winter helfen können. Nachdem die Krankenkasse sich geweigert hat, die Finanzierung eines Basketball-Rollstuhls für Tivon zu übernehmen, ist der Verein in die Bresche gesprungen. Jetzt kann Tivon an einem Behindertensportprogramm in Bonn teilnehmen.

Die Initiative und das Wünschemobil finanzieren sich durch Spenden. Davon werden die Ausflüge, die Fahrt- und Verpflegungskosten und Eintrittsgelder für die Betroffenen und für eine Begleitperson bezahlt.

Shake statt Schmerzen

Bei dem Bummel über den Weihnachtsmarkt darf Tivon in eine Ritterrüstung schlüpfen. Überall locken Gerüche und Leckereien, doch der 15-Jährige steuert nach einiger Zeit schnurstracks auf eine Eisdiele zu. Eis essen, das geht für Tivon immer. Auch bei drei Grad Celsius Außentemperatur. Im Café bestellt er sein Lieblingsgetränk: einen riesigen Becher Erdbeer-Shake.

Tivon wäre gerne ein Ritter.

Tivon ist glücklich. Heute ist ein guter Tag. Die Schmerzen, die er so oft spürt, scheinen in diesem Moment vergessen. „Tivon hat sich rundum wohlgefühlt. Der Ausflug war für uns sehr schön. Diese Aktion ist eine ganz tolle Sache“, schwärmt Mutter Claudia Winter. Und trotzdem: Das Schlendern durch die Gassen und der Besuch im Eiscafé haben den Jungen angestrengt. Es wird Zeit, dass ihn das Bergische Wünschemobil wieder nach Hause bringt.

Erfüllter Tag

Dort angekommen, überreichen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Vereins Tivon zur Erinnerung an diesen ganz besonderen Tag einen Stoffbären und einen Umschlag. Darin steckt ein Gutschein. Für Tivons Lieblings-Eisdiele. Damit er auch im neuen Jahr noch viele Erdbeer-Shakes genießen kann.

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