Köln – Wie lange dauert es von Vingst nach Chorweiler mit der Bahn? Und was kostet ein Fahrschein? Für die Kinder der KGS und GGS Heßhofstraße sowie der GGS Lustheider Straße beginnt der Abenteuerausflug schon lange bevor sie in der Kletterhalle Canyon Chorweiler angekommen sind. Denn sie planen ihre Ausflüge selbst.
Doch selbst anspruchsvolle Recherchen stellen für zwölf Kölner Grundschüler aus dem Rechtsrheinischen überhaupt kein Problem dar, denn sie gehören ja zur Fuchsgruppe. „Weil wir so schlau wie Füchse sind“, erläutert der zehnjährige Berkay, ohne lange zu überlegen. Kinder wie er, die sich in der Schule besonders anstrengen, werden mit der Aufnahme in den tierischen Zirkel belohnt und genießen besondere Privilegien. Mit den zwei Schulsozialarbeiterinnen ihrer Schulen – Nadine Henke vom Verein Katholische Jugendwerke e.V. und Ann-Christine Heitkamp von In Via e.V. – lernen sie zehn Monate lang Köln besser kennen.
Sie organisieren alle zwei Wochen einen Ausflug („Das stärkt ihre Eigenverantwortung.“) und bewerten ihn hinterher nach Kriterien wie Zeit-, Spaß- und Kostenfaktor sowie Familientauglichkeit. Schließlich sind sie nicht nur Abenteurer, sondern auch Text-, Foto-, Weg- und Kunst-Reporter und Kritiker. Denn sie gestalten den „Kleinen Reiseführer“, der schließlich kostenlos im Stadtbezirk verteilt wird und andere Familien anregen soll, auch einmal andere Teile der Stadt kennenzulernen. „Es ist total wichtig für die Kinder, mal aus ihrem Viertel herauszukommen“, so Nadine Henke, Schulsozialarbeiterin in der Heßhofstraße. „Wir kriegen oft Fragen zu hören wie »Ist der Dom in Köln?« oder »Gehört Nippes auch noch zu Köln?«“ Das erschrecke sie dann jedes Mal sehr.
„Die Kinder hier kennen fast gar nichts von der anderen Rheinseite.“ Umso wichtiger sei für sie, auch mal über ihre Grenzen hinauszugehen. Und zwar im doppelten Wortsinn. Das alles kostet ihre Eltern – dank öffentlicher Gelder und Spendern – nur fünf Euro einmalig. Und schon die Anreise mit der Bahn ist ein Abenteuer. Fast eine Stunde dauert die Fahrt mit KVB und S-Bahn. Beim Klettern selbst hängen sie dankbar an den Lippen von Trainer Christian Brodesser. Obwohl sich Carolina schon vorher über die Halle informiert hat, ist es „noch viel toller, als ich mir vorgestellt habe“. Benni und Emir (beide zehn Jahre alt) haben keine Zeit für Interviews. Sie sind die ersten, die es in den Gurten und unten von den Erwachsenen gesichert wagen. Und Rümeysa traut sich sogar bis nach ganz oben in zwölf Meter Höhe.
Schließlich hat es auch Carolina geschafft, obwohl „ich schon ein bisschen Nervenflattern hatte“, wie sie einräumt. Wenn alle wieder festen Boden unter den Füßen haben, stehen noch Kino, Kinderoper und ein Museum auf ihrem Recherche-Plan. Denn diese Füchse wollen noch einmal ganz hoch hinaus – auch wenn ihr Reiseführer gedruckt ist. Berkay erzählt stolz, dass er nach den Ferien auf das Gymnasium kommt, und will Erfinder werden. Oder Paläontologe. Paläonto . . . was? „Das ist einer, der Dinosaurierknochen untersucht“, erklärt er geduldig. Wieder was gelernt.