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BauprojektNeue Megastadt am Rande Athens

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  1. Lange machten Investoren um Griechenland einen Bogen - Nun soll ein Milliardenprojekt auf dem alten Flughafengelände entstehen

Athen – Seit fast 17 Jahren ist hier kein Flugzeug mehr gelandet, aber die Schilder stehen immer noch: "Domestic Arrivals", "International Departures". Die Terminals verfallen. Auf der Runway sprießt Unkraut durch die Risse im Beton. Am Rand des Vorfelds vergammelt ein Jumbo-Jet der längst liquidierten Olympic Airways. Der frühere Athener Airport Ellinikon - nirgendwo zeigen sich der wirtschaftliche Niedergang und der politische Stillstand Griechenlands so krass wie an diesem Geisterflughafen.

Aber jetzt bewegt sich etwas. Ein internationales Konsortium unter Führung des griechischen Immobilienkonzerns Lamda Development will rund acht Milliarden Euro in die Entwicklung des brachliegenden Geländes stecken. So könnte aus einem Symbol der Stagnation ein Signal des Aufbruchs werden.

"Mit der Entwicklung von Ellinikon werden die Karten neu gemischt, das Projekt bedeutet einen Durchbruch für Griechenland" erklärt Odysseas Athanasiou, CEO von Lamda Development. Den Baubeginn erwartet er für die zweite Jahreshälfte. Neben dem Konsortialführer Lamda sind an der Firmengruppe der chinesische Mischkonzern Fosun International und der Immobilienentwickler Al Maabar aus Abu Dhabi beteiligt.

915 Millionen Euro lässt sich das Konsortium Global Investment Group (GIG) die auf 99 Jahre befristete Pacht des Geländes kosten. Der Bauplatz ist ein Filetstück, wie es in Europa keine andere Metropole zu bieten hat: 620 Hektar Land, eine Fläche, drei Mal so groß wie das Fürstentum Monaco, gelegen direkt an der Küste des Saronischen Golfs. Hier wollen die Investoren rund 8000 Wohnungen, mehrere Hotels, ein Einkaufs- und Kongresszentrum, Freizeit- und Sportanlagen, eine Marina und ein Spielkasino bauen - das größte urbane Entwicklungsprojekt Europas. Für den Masterplan engagierte das Konsortium renommierte Architekten wie Foster + Partners, das Londoner Ingenieurbüro Arup und den Landschaftsarchitekten Charles Anderson.

Das Ellinikon-Projekt wartet mit einer Reihe von Superlativen auf: 2,6 Millionen Quadratmeter Grün, der weltweit ausgedehnteste Park am Meer, gesäumt von einem Kilometer Sandstrand. Eines der größten Aquarien Europas. Griechenlands größte Mall. Und einer der höchsten Wohntürme am Mittelmeer, 200 Meter soll er aufragen. Punkten kann Ellinikon außerdem mit günstigen Verkehrsanbindungen: Mit der bereits fertiggestellten U-Bahn erreicht man in weniger als 20 Minuten das Stadtzentrum. Die sechsspurige Schnellstraße, die das ehemalige Flughafengelände jetzt noch vom Meer trennt, soll in einem Tunnel verschwinden. Damit können die künftigen Besucher und Bewohner durch den Park direkt zum Strand spazieren.

Lamda-Chef Athanasiou erwartet, dass mit dem Projekt 75 000 Arbeitsplätze geschaffen werden. "Unsere Studien sagen, dass Ellinikon eine Million zusätzliche Touristen pro Jahr anziehen und fast 2,5 Prozent zum griechischen Bruttoinlandsprodukt beisteuern wird", sagt der CEO.

2011 wurde die Entwicklung des Areals ausgeschrieben. 2014 erhielt das von Lamda geführte Konsortium den Zuschlag. Aber mit dem Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza im Januar 2015 verzögerte sich das Vorhaben. Schon als Oppositionsführer hatte Alexis Tsipras das Ellinikon-Projekt, wie alle Privatisierungen, erbittert bekämpft. Resigniert bezeichnete ein ranghoher EU-Beamter im vergangenen Oktober das Ellinikon-Projekt als "Symbol des Missmanagements und der Verzögerungen". Damals stand das Vorhaben auf der Kippe. Erst nachdem die internationalen Kreditgeber Druck machten, gab die Regierung nach. Ende Februar billigte der Staatsrat, Griechenlands Oberstes Verwaltungsgericht, den Masterplan. Damit ist die letzte Hürde genommen.

"Wir sind positiv überrascht", sagt Lamda-Chef Athanasiou. "Der Staat gibt Gas, das Projekt nimmt Fahrt auf", freut sich der CEO. Auch Premier Tsipras muss ein Interesse daran haben, dass es nun zügig losgeht. Mit der Übergabe des Geländes an den Investor, die bis zum Sommer stattfinden soll, wird die erste Rate des Kaufpreises fällig: 300 Millionen Euro, die der griechische Finanzminister im diesjährigen Haushalt bereits fest eingeplant hat.