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Profit statt ArbeitsplätzeIG BCE wirft Biontech vor, Standorte nicht retten zu wollen

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Biontech

Biontech konzentriert sich wieder auf die Onkologie. (Archivbild)

Die IG BCE wirft Biontech vor, sich nicht ernsthaft um den Verkauf bedrohter Standorte zu bemühen. Fast 1900 Jobs sind in Gefahr.

Die Arbeitnehmervertretung IG BCE kritisiert die Unternehmensführung des Vakzin-Produzenten Biontech. Es fehle an seriösen Bemühungen, die von Schließung bedrohten Fertigungsstätten zu veräußern. „Es gibt keine Transparenz und keinerlei Informationen des Unternehmens“, äußerte Gewerkschaftssekretär Christian Trapp gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Deshalb herrscht eine große Verunsicherung unter den Beschäftigten.“

Der Konzernbetriebsrat sei in die Abläufe ebenfalls nicht involviert. Laut dem Gewerkschafter komme hinzu, dass die Geschäftsleitung von Biontech einen möglichen Verkauf der Fabriken in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie der Betriebsstätten des übernommenen Wettbewerbers Curevac bis Oktober anstrebe. Diese knappe Frist kompliziere die Lage zusätzlich erheblich.

Beinahe 1900 Stellen bedroht

Die Firma hatte vor kurzem mitgeteilt, mehrere Fertigungsstätten aufgrund unzureichender Auslastung, bestehender Überkapazitäten und notwendiger Einsparungen aufzugeben. Von diesen Plänen betroffen sind die Fabriken in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie die Betriebsstätten des akquirierten Wettbewerbers Curevac. In der Summe sind bis zu 1860 Arbeitsplätze gefährdet. Informationen zufolge sind allein bei Curevac etwa 820 Stellen bedroht, überwiegend am Unternehmenssitz in Tübingen.

Gewerkschaft IG BCE

Die Gewerkschaft IG BCE kämpft um den Erhalt der Arbeitsplätze bei Biontech. (Symbolbild)

Es gebe zwar Indizien, dass Verhandlungen mit potenziellen Käufern stattfinden. Trapp äußerte jedoch, dass er wegen der mangelnden Offenheit bezweifle, dass die Firma wirklich ernsthaft daran arbeite, die von der Aufgabe betroffenen Betriebsstätten zu veräußern und somit die gefährdeten Arbeitsplätze zu sichern.

IG BCE: Fokus liegt nur noch auf dem Gewinn

Die Führung von Biontech wird von der IG BCE kritisiert, weil eine Zukunftsstrategie für die Ära nach dem Weggang der Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci fehle. „Biontech hat einen Spirit eines Start-up-Unternehmens, das die Welt verbessern möchte.“ Trapp führte aus, dass dies der Hauptgrund für viele Angestellte gewesen sei, sich dem Unternehmen anzuschließen. „In der Betriebsversammlung in Mainz ist diese Maske gefallen. Es geht nicht mehr darum, die Welt zu verbessern, sondern um knallhart Profit zu machen.“

Sahin und Türeci haben Biontech im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Das Ehepaar plant nun die Gründung eines neuen Unternehmens, um sich dort der Entwicklung der nächsten Medikamentengeneration auf mRNA-Grundlage zu widmen. Ihre Anteile an Biontech beabsichtigen sie jedoch zu behalten. Nach der Ankündigung ihres Rückzugs läuft eine weltweite Suche nach einer neuen Firmenspitze, wobei der Schwerpunkt auf den Vereinigten Staaten liegt.

Biontech

Biontech-Mitbegründer Gründer Ugur Sahin verlässt das Unternehmen. (Archivbild)

Krebsforschung wieder im Mittelpunkt

Nach eigenen Auskünften hat Biontech weltweit etwa 7200 Mitarbeiter, davon sind rund 4000 in Mainz beschäftigt. Während seines letzten Auftritts als Firmenchef bei der digitalen Hauptversammlung versprach Sahin allen von Arbeitsplatzverlusten betroffenen Personen sozial annehmbare Regelungen. Er begründete die vorgesehenen Werksschließungen mit der neuen strategischen Orientierung des Biopharma-Konzerns, die eine konsequente Konzentration auf die Forschung und Entwicklung im Bereich der Onkologie vorsieht.

Weltweite Bekanntheit erlangte Biontech während der Corona-Pandemie, als das Unternehmen in Kooperation mit seinem US-Partner Pfizer die erste Zulassung für ein Vakzin gegen Covid-19 erhielt. Zukünftig soll die Produktion des Covid-19-Impfstoffs vollständig von den Pfizer-Produktionsstätten in Europa und Amerika übernommen werden. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.