Mit der „Source Blessing“ wurde erstmals ein deutsches Schiff im Persischen Golf getroffen. Ein Sprecher von Hapag-Lloyd erklärt Details.
„Ein Schrecken“Brennende Schiffe im Persischen Golf – Deutscher Frachter getroffen
Die deutsche Wirtschaft wird nicht nur indirekt durch den Iran-Krieg in Mitleidenschaft gezogen, deutsche Reedereien werden inzwischen mit ihren Schiffen teilweise auch direkt in den Konflikt hineingezogen. Die Situation ist angespannt.
Im Persischen Golf ist der Frachtverkehr durch die militärischen Operationen nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Besonders die Straße von Hormus, eine 55 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman, können Öltanker und andere Frachtschiffe nicht passieren.
Iran attackierte mehrere Öltanker im Persischen Golf, dabei kam zuletzt mindestens ein Mensch ums Leben. Nach Angaben des Irak fand ein Angriff auf zwei Tanker in irakischen Hoheitsgewässern statt. Videos von lichterloh in Flammen stehenden Schiffen verbreiteten sich in den sozialen Medien. Ein Clip soll Aufnahmen des iranischen Staatsfernsehens zeigen. Der Tanker, der zu den USA gehören soll, sei demnach von einem mit Sprengstoff beladenen Boot gerammt worden.
Am Donnerstagmorgen traf es auch ein Schiff der deutschen Reederei Hapag-Lloyd. Es wurde nicht direkt attackiert, sondern von Bombensplittern in Brand gesetzt. „Das Schiff ist in Brand geraten und der Brand wurde gelöscht“, die Crew sei unversehrt, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Unklar ist noch, ob die Splitter von einer Rakete, Drohne oder einem anderen Geschoss stammen.
Hapag-Lloyd: „Die Crew ist safe“
In der „Bild“-Zeitung äußerte sich Konzernsprecher Nils Haupt zum Zwischenfall und zur allgemeinen Situation an Bord der „Source Blessing“. Durch den Treffer um 3 Uhr nachts deutscher Zeit habe es „erhebliche Schäden“ gegeben, die Situation habe sich verschärft. „Das Wichtige ist: Die Crew ist safe, aber natürlich ist das ein Schrecken“, erklärt Haupt.
Die Anspannung sei nicht nur auf den Schiffen von Hapag-Lloyd groß, sondern dies gelte für die rund 20.000 Seeleute, die derzeit in der Region festsitzen. Man habe gute Verbindungen zu den Crews, und diese könnten auch permanenten Kontakt zu ihren Familien halten. Trinkwasser und Essen an Bord reiche noch für drei bis vier Wochen, so Haupt weiter. Es fehle aber eine Perspektive für die Besatzungen, das Unternehmen Hapag-Lloyd und seine Kunden, die auf die Fracht warteten.
Insgesamt bildet sich ein Warenstau in der Region. Auch Häfen wie beispielsweise im Oman, wo Container zwischengelagert werden können, liefen allmählich voll oder hätten wegen Angriffen geschlossen werden müssen.
Iran will Straße von Hormus verminen
Zum Problem könnte es werden, wenn der Iran die Straße von Hormus tatsächlich vermint habe. „Wir würden die Straße von Hormus nur durchqueren, wenn wirklich absolut sichergestellt ist, dass den Crews kein Schaden zugefügt werden kann“, erklärt der Sprecher.
Das Containerschiff „Source Blessing“ fuhr unter liberischer Flagge und war an die dänische Reederei Maersk untervermietet. Maersk bestätigte, dass die „‚Source Blessing‘ am frühen Donnerstagmorgen Ortszeit in einen Vorfall im Persischen Golf verwickelt“ war. Laut der Website „Vesselfinder“ ist das Schiff 244 Meter lang und 32 Meter breit. Der letzte Hafen war Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Gestartet war das Schiff am 1. März in Hamad in Katar.
G7 wollen Straße von Hormus sichern
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, de facto gesperrt. Die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran wird vom iranischen Militär kontrolliert. Der oberste Führer Modschtaba Chamenei verkündete zuletzt, die Blockierung der Meerenge auch weiterhin als „Hebel“ nutzen zu wollen, wie es in staatlichen Medien heißt.
Hapag-Lloyd hatte nach Beginn des Konflikts angekündigt, ihren Schiffsverkehr in der Straße von Hormus vorerst einzustellen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte unterdessen am Donnerstag nach Beratungen der G7-Staaten an, Öltanker und Frachtschiffe von Kriegsschiffen begleiten zu lassen. Die Straße von Hormus sei ein „Kriegsschauplatz“, sagte Macron nach den Zwischenfällen vom Mittwoch und Donnerstag. Um solche Eskorten zu gewährleisten, sei aber die Koordination mehrerer Marinen und eine mehrwöchige Vorarbeit nötig. (mit afp/dpa)


