Sie gehört zu den kritischsten Engstellen des Öl- und Gashandels. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus hat weltweite Auswirkungen.
Nadelöhr in NahostWarum die Straße von Hormus entscheidend im Iran-Krieg ist
Rund ein Fünftel aller Öltransporte wird dort normalerweise täglich verschifft: In der Straße von Hormus geht seit dem Beginn des Iran-Kriegs fast gar nichts mehr. Das hat globale Auswirkungen – unter anderem auf die Öl- und Spritpreise.
Im Zuge der wechselseitigen Militärschläge zwischen den USA und Israel sowie dem Iran geraten Schiffe im Persischen Golf, in der Straße von Hormus und im Golf von Oman immer wieder unter Beschuss. Auch deutsche Schiffe stecken in der Region fest. Berichte über iranische Seeminen in der Meerenge verschärfen die Lage.
Wo liegt die Straße von Hormus?
Die Meerenge zwischen dem Iran und Oman ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren. An der schmalsten Stelle ist sie rund 50 Kilometer breit, die schiffbaren Passagen in beiden Richtungen messen rund drei Kilometer. Am Persischen Golf liegen bedeutende Öl- und Gasförderländer: der Iran, Saudi-Arabien, der Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Der Iran hat den mit Abstand größten Küstenanteil. Seine gesamte Südküste am Persischen Golf, an der Straße von Hormus und am Golf von Oman beträgt etwa 2440 Kilometer.
Blockiert der Iran die Straße von Hormus?
Der neue oberste Führer im Iran, Modschtaba Chamenei, sprach sich in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme nach seiner Ernennung für eine Schließung der Straße von Hormus als Druckmittel im Krieg gegen die USA und Israel aus. Faktisch ist sie längst blockiert: Die Schifffahrt durch die Meerenge ist seit Kriegsbeginn nahezu zum Erliegen gekommen. Irans Militärführung hatte bereits zuvor jedes Schiff und jede Ölladung für die USA, Israel und deren Partner als legitimes Ziel von Angriffen bezeichnet. Täglich gibt es Attacken auf Schiffe in der Region.
Auch nach Einschätzung von Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist die Passage blockiert. „Es findet praktisch kein Schiffsverkehr statt, und es sieht sich auch niemand hier in der Region in der Lage, einen entsprechenden Schutz sicherzustellen“, sagte er am Mittwoch.
Wer kontrolliert die Straße von Hormus?
Es gibt dafür keine zentrale Behörde wie etwa am Suezkanal. Tanker sowie Kreuzfahrtschiffe fahren durch Hoheitsgewässer des Iran und des Oman. Ein UN-Abkommen, das Handelsschiffen die freie Durchfahrt garantiert, hat der Iran zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert.
Die G7-Staaten kündigten am Mittwoch an, die Straße von Hormus wieder für die Handelsschifffahrt befahrbar machen zu wollen, indem sie Öltanker und Frachtschiffe von Kriegsschiffen begleiten lassen. Das dürfte aber noch dauern: Um solche Eskorten zu gewährleisten, sei die Koordination mehrerer Marinen und eine mehrwöchige Vorarbeit nötig, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Wie viele Schiffe stecken am Persischen Golf fest?
Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) vom 5. März stehen etwa 2500 Handelsschiffe in der Region still, darunter knapp 180 Rohöltanker. Rund 20.000 Seeleute sollen an Bord der Schiffe festsitzen.
Wie viele deutsche Schiffe sind betroffen?
Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) stecken rund 30 Schiffe deutscher Reedereien am Persischen Golf fest. „Handelsschiffe sind zivile Schiffe mit unbewaffneten Besatzungen und können sich gegen militärische Angriffe kaum schützen“, sagte VDR-Sprecher Carsten Duif der „Wirtschaftswoche“. Betroffen ist auch Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd. Konzernsprecher Nils Haupt sprach gegenüber der „Bild“-Zeitung von einer „nicht planbaren Krise“.
Wann und wo wurden Schiffe angegriffen?
Seit dem Beginn des Iran-Kriegs gibt es täglich Angriffe auf Schiffe rund um die Straße von Hormus. US-Präsident Donald Trump sagte gut eine Woche nach den ersten Luftschlägen, dass das US-Militär 44 iranische Schiffe versenkt habe – „ihre gesamte Marine“. Unabhängig überprüfen ließ sich diese Darstellung nicht.
Der Iran wiederum attackiert Öltanker und Frachtschiffe mit Drohnen und Raketen. Nach Angaben des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) gab es bis zum 11. März mindestens 16 Angriffe auf zivile Schiffe, also Handelsschiffe – die meisten davon nahe der oder in der Straße von Hormus.
Am Mittwoch kam bei einem Angriff auf zwei Öltanker im Persischen Golf nach Angaben der irakischen Regierung mindestens ein Mensch ums Leben. Außerdem wurde der unter thailändischer Flagge fahrende Frachter „Mayuree Naree“ nahe der Straße von Hormus von iranischen Raketen getroffen.
Seit dem Kriegsbeginn gibt es mindestens vier zivile Todesopfer auf Frachtschiffen sowie mehrere verletzte Besatzungsmitglieder.
Wurde auch ein Schiff einer deutschen Reederei angegriffen?
Nicht direkt. Am Donnerstag wurde aber ein Containerschiff der deutschen Reederei Hapag-Lloyd westlich der Straße von Hormus von einem Granatsplitter getroffen. Das teilte Deutschlands größte Containerreederei aus Hamburg mit. Der Treffer habe dazu geführt, dass auf der „Source Blessing“ ein Feuer ausgebrochen sei. „Die Besatzung an Bord ist wohlauf, konnte das Feuer löschen und die Situation schnell unter Kontrolle bringen“, sagte ein Unternehmenssprecher.
Hat der Iran die Straße von Hormus vermint?
Trump und das US-Militär befeuerten in den vergangenen Tagen Berichte, wonach der Iran in der Straße von Hormus angeblich Seeminen verlegt habe. „Sollten aus irgendeinem Grund Minen ausgelegt worden sein und diese nicht unverzüglich entfernt werden, wird dies für den Iran militärische Konsequenzen in einem bisher nie dagewesenen Ausmaß haben“, drohte der Präsident.
Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) teilte wenig später mit, die amerikanischen Streitkräfte hätten mehrere iranische Marineschiffe – darunter 16 Minenleger – in der Nähe der Straße von Hormus zerstört.
Nach Informationen von CNN hatte der Iran rund ein Dutzend Minen in der Meerenge platziert. Der Sender stützt sich dabei auf Aussagen anonymer Informanten. Einer davon sagte demnach, der Iran verfüge noch immer über den Großteil seiner kleinen Boote und Minenleger – und könne damit Hunderte Minen in der Wasserstraße verlegen.
Ob der Iran tatsächlich Seeminen verlegt hat, ist unklar. Außenminister Wadephul sagte am Mittwoch, dass es derzeit keine Hinweise darauf gebe, dass die Straße von Hormus vermint sei.
Wie funktionieren Seeminen?
Seeminen sind mit Sprengstoff gefüllte Körper unter Wasser, die bei Kontakt oder bei Annäherung eines Schiffs explodieren. Manche Modelle detonieren bei direkter Berührung – andere registrieren anhand von Magnetfeld, Fahrtgeräuschen oder Veränderung des Wasserdrucks, dass sich ein Schiff nähert.
Es gibt Seeminen, die am Boden verankert werden und in einer bestimmten Tiefe unter der Meeresoberfläche schweben. Manche liegen direkt auf dem Meeresboden, andere können ferngesteuert werden. Minen, die frei und unkontrolliert treiben, sind völkerrechtlich verboten. Sie werden von Flugzeugen, U-Booten oder Schiffen ins Meer gebracht.
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig für den Ölhandel?
Eine zentrale Rolle für den Transport von Rohöl in der globalen Wirtschaft spielen Öltanker. Sie transportieren den Rohstoff über Wochen zu den Zielhäfen und gewährleisten die internationalen Lieferströme. Neben dem Suezkanal ist hierfür die Straße vom Hormus besonders wichtig. Durch die Meerenge am Persischen Golf wurden 2023 nahezu 30 Prozent des weltweit verschifften Öls transportiert, rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfs.
Außerdem ist Katar einer der weltgrößten Exporteure von verflüssigtem Erdgas (LNG). Die Erbmonarchie verschifft fast sein gesamtes LNG durch die Straße von Hormus. Insgesamt geht rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels durch die Meerenge.
Die Internationale Energieagentur IEA spricht von einer beispiellosen Störung der Ölversorgung. Der Krieg schaffe die „größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“.
Welche Staaten exportieren das meiste Öl durch die Straße von Hormus?
Der größte Ölexporteur in der Region ist Saudi-Arabien. Pro Tag werden etwa 5,3 Millionen Barrel Rohöl des Landes durch die Meerenge verschifft. Danach folgt der Irak mit 3,2 Millionen Barrel. Der Iran ist mit etwa 1,5 Millionen Barrel der viertgrößte Ölexporteur durch die Straße von Hormus, knapp davor liegen noch die Vereinigten Arabischen Emirate.
Und welche Staaten importieren das meiste Öl, das durch die Straße von Hormus kam?
Öl aus dem Persischen Golf wird vor allem nach Asien verschifft. Die mit Abstand größte Menge, die die Straße von Hormus passiert, importiert China (5,4 Millionen Barrel pro Tag). Es folgen Indien (2,1 Millionen Barrel), Südkorea (1,7 Millionen Barrel) und Japan (1,6 Millionen Barrel). Europa führt nur etwa eine halbe Million Barrel Öl über die Meerenge ein.
Gibt es Alternativen zur Straße von Hormus?
Es gibt Pipelines, etwa durch Saudi-Arabien zum Roten Meer und von den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Golf von Oman. Sie könnten laut der Internationalen Energieagentur IEA allerdings nur gut ein Viertel der durchschnittlichen Ölmenge aufnehmen, die sonst in Tankern den Golf verlassen würde. Anders als andere Förderländer hat der Iran laut IEA keine solche Alternative zur Straße von Hormus.
Die Pipeline von Abqaiq nach Yanbu in Saudi-Arabien – vom Persischen Golf zum Roten Meer – schafft pro Tag um die 300.000 Barrel.
Viele Schifffahrtsunternehmen stellten ihre Fahrten bereits ein und änderten die Routen. Die nach Transportmenge weltgrößte Containerreederei Mediterranean Shipping Company (MSC) informierte Kunden darüber, dass sie Buchungen in der Region aussetzt. Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd und der dänische Konkurrent Maersk teilten mit, die Straße von Hormus nicht länger zu durchfahren. Maersk schickt seine Schiffe wie die französische Reederei CMA CGM stattdessen um die Südspitze Afrikas – was einen großen Umweg bedeutet.
Woher bekommt Deutschland sein Rohöl geliefert?
Die Bundesrepublik erhält ihr Rohöl überwiegend nicht aus dem Nahen Osten, im Jahr 2025 kamen von dort nach Angaben des Statistischen Bundesamts nur rund 6,1 Prozent der Gesamtmenge. Das betrifft unter anderem den Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Das Liefervolumen entsprach 4,6 Millionen Tonnen von 75,7 Millionen Tonnen Rohöl, die insgesamt nach Deutschland importiert wurden.
Andere Staaten des Nahen Ostens wie Oman, Katar, Kuwait oder der Iran lieferten 2025 kein Rohöl. Der wichtigste Lieferant für Deutschland ist Norwegen. Von dort kamen 16,6 Prozent, knapp danach folgten die USA mit 16,4 Prozent. Das drittwichtigste Land war Libyen mit 13,8 Prozent. Weitere wichtige Lieferanten waren Kasachstan und Großbritannien.
Worauf kommt es bei der Entwicklung der Ölpreise besonders an?
Entscheidend ist vor allem, wie lange der Transport von Rohöl aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die Straße von Hormus blockiert sein wird. „Je länger die Straße geschlossen bleibt, desto mehr Produktion dürfte in der Region heruntergefahren werden müssen“, hieß es in einer Einschätzung des Bankhauses Metzler. „Solange kein Öl durch die Straße von Hormus transportiert wird, werden die Ölpreise weiter steigen“, sagte Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Bank ING.
Derzeit gibt es keine Anzeichen für ein schnelles Ende des Kriegs im Nahen Osten und der damit verbundenen Beeinträchtigungen der Lieferung von Energierohstoffen. Mit den Äußerungen Trumps, der vom Iran eine bedingungslose Kapitulation gefordert hatte, und der Ernennung des Hardliners Modschtaba Chamenei zum neuen iranischen Führer „nehmen die Risiken für ein längeres Andauern weiter zu“, hieß es in einer Analyse der Dekabank.
Gibt es auf dem Weltmarkt genug Rohöl?
In den vergangenen Monaten hatte die erweiterte Gruppe der Ölförderländer (Opec+) mehrfach die Produktionsmengen angehoben und damit die Sorge vor einem zu hohen Angebot geschürt. Dies ist auch einer der wesentlichen Gründe, warum die Ölpreise in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres tendenziell gefallen waren. Im Dezember wurde Öl der Nordseesorte Brent noch bei etwa 60 Dollar je Barrel gehandelt.
Mit dem starken Preissprung seit dem Beginn des Iran-Kriegs könnte aber auch das hohe Angebot nicht ausreichen, um die Ölpreise wieder auf das Niveau aus 2025 zu drücken – zumal dann, wenn große Teile dieses Angebots durch die Blockade der Straße von Hormus nicht auf den Weltmarkt gelangen.
Was bringt die Freigabe der Ölreserven der IEA-Mitglieder?
Die Internationale Energieagentur gab am Mittwoch bekannt, eine Rekordmenge strategischer Ölreserven aufzulösen. Insgesamt werden die 32 Mitgliedsländer 400 Millionen Barrel Rohöl an den Markt geben. Ihr Ziel: die durch den Krieg angespannten Märkte zu stabilisieren. Die Wirkung ist allerdings begrenzt. Die angekündigte Zusatzmenge würde genügen, um einen Ausfall für 20 Tage auszugleichen. Zudem dürfte es Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Öl ankommt. In der kommenden Woche soll es losgehen – die komplette Auslieferung dürfte rund 120 Tage in Anspruch nehmen.
Mit Agenturmaterial

