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DiscounterAldi Süd streicht Sortiment und Stellen

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Ein Firmenschild steht an der Einfahrt zur Deutschlandzentrale von Aldi Süd in Mülheim an der Ruhr.

Ein Firmenschild steht an der Einfahrt zur Deutschlandzentrale von Aldi Süd in Mülheim an der Ruhr. +++

Aldi will Jobs abbauen und das Sortiment eindampfen. Bei der Konkurrenz wie Edeka und Rewe laufen die Geschäfte gut. Die Bedeutung von Markenartikeln sinkt.

Die Discount-Kette Aldi Süd will laut einem Medienbericht mehr als 1200 Stellen abbauen. Außerdem soll das Sortiment wieder verkleinert werden. Edeka konnte seinen Umsatz steigern. Ein Blick auf den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland.

Wo werden Stellen abgebaut?

Der Discounter Aldi Süd streicht demnach 1250 Stellen in Mülheim an der Ruhr. Der größte Teil davon entfällt auf die internationale IT- und Digitalsparte Aldi DX, heißt es.

„Ziel ist es, perspektivisch rund 1.250 Stellen bis Ende 2027 abzubauen“, teilte der Discounter der „Lebensmittel Zeitung“ mit. „Aldi Süd optimiert seit jeher Prozesse und Strukturen.“ In diesem Zusammenhang habe das Unternehmen nun angekündigt, im Bereich Aldi International Services erstmals ein Freiwilligenprogramm umzusetzen. Auch im internationalen Einkauf fallen Stellen weg.

Was sagt Aldi zu den Stellenstreichungen?

Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte die Aldi-Süd-Holding in Salzburg lediglich mit: „Zu internen Angelegenheiten sowie zu Spekulationen äußern wir uns nicht.“ Aldi International Services ist der internationale Service- und Verwaltungsbereich von Aldi Süd, in dem zentrale Funktionen wie IT und Einkauf gebündelt sind. Bei Aldi DX sind laut Internetauftritt des Unternehmens rund 3900 Menschen beschäftigt.

Was ist bisher geschehen?

Bereits im Januar war bekannt geworden, dass Aldi Süd Hunderte Stellen in seiner Deutschlandzentrale streicht. Betroffen waren Arbeitsplätze in den Bereichen Buchhaltung, Personal und Einkauf. Zu den Gründen äußerte sich der Konzern damals nicht konkret.

Was ist beim Sortiment geplant?

Für Discounter typisch ist ein im Vergleich zu größeren Supermärkten überschaubares Sortiment an Waren und Gebinden. Aldi Süd will nun wohl sein Sortiment aufräumen. Je nach Region soll der Discounter etwa 50 Artikel allein aus den Bereichen Molkereiprodukte, Wurst und Käse aus dem Programm nehmen, berichtet das Branchenmagazin. Neben regionalen Produkten stehen demnach auch prominente Markenartikel auf dem Prüfstand.

Was wurde bereits aus dem Sortiment gestrichen?

Schon in den zurückliegenden Monaten hatte Aldi Süd Marken wie Ehrmann Grand Dessert, Zott Sahne Joghurt und Rana Convenience-Produkte aus dem Sortiment genommen. Auch einige regionale Produkte sind laut Informationen der Lebensmittel Zeitung aus den Regalen verschwunden. Aldi äußerte sich auf Anfrage bislang nicht zu dem Bericht.

Wie umfangreich ist das Aldi-Sortiment?

Insgesamt umfasst das Sortiment von Aldi Süd den Angaben zufolge etwa 1800 Artikel. Andere Supermärkte haben teilweise mehr als doppelt so viele Artikel im Programm. Zum Vergleich: Das Sortiment eines Rewe-Supermarktes umfasst je nach Ladengröße bis zu 50.000 verschiedene Produkte, bei Edeka verhält es sich ähnlich, allerdings sind diese Supermärkte in der Regel auch flächenmäßig wesentlich größer als ein Aldi-Markt.

Warum verkleinert Aldi das Sortiment?

Die Vielfalt des Angebots ist vor allem eine Frage der Kosten - etwa bei der Logistik und bei den Abläufen in den Filialen. Ein Erfolgsrezept von Aldi war es stets, die Waren im Originalkarton feil zu bieten. Die Kunden entnehmen die Produkte dann meist selbst. Je mehr Artikel aber im Sortiment sind, desto unwahrscheinlicher wird es, die Originalkartons im Regal unterzubringen. Mitarbeiter müssen die Waren dann einzeln auspacken, was Zeit und damit Geld kostet.

In den vergangenen Jahren war das Aldi-Sortiment tendenziell stärker ausgeweitet worden, etwa um Bioprodukte oder die zunehmend gefragten veganen Alternativen zu tierischen Lebensmitteln. Kunden schätzen an Supermärkten ein breites Sortiment. Aldi steckt wie alle Discounter also in dem Dilemma zwischen breiterem Angebot und den damit einhergehenden Kosten. Denn Aldi, Lidl und andere sind ja vor allem bei preissensiblen Waren beliebt.

Verlieren Markenartikel an Bedeutung?

Von Aldi weiß man dazu nichts, wohl aber von der Konkurrenz. Ob Schokolade oder Kaffee: Markenartikel sind etwa für den Lebensmittelhändler Rewe weniger wichtig als noch vor einigen Jahren. „Sie verlieren definitiv an Bedeutung. Wir können das zwar nicht für jeden Artikel sagen, aber insgesamt gehen Mengen und Umsätze im Vergleich zu unseren Eigenmarken zurück“, sagte Rewe-Chef Lionel Souque unserer Redaktion vergangene Woche.

Wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise werden die günstigeren Eigenmarken der Handelsketten bei Kunden immer beliebter. Die Rewe-Supermärkte steigerten ihre Erlöse mit diesen Produkten 2025 im Vergleich zum Vorjahr demnach um sechs Prozent - und damit überdurchschnittlich stark. Der Umsatzanteil der Eigenmarken steigt laut Souque von Jahr zu Jahr und liegt inzwischen bei fast 30 Prozent.

„Die Menschen verstehen immer mehr, dass die Qualität der Produkte hoch ist.“ Zudem werde der Preisabstand zu den Markenartikeln immer größer. Kunden kauften Markenprodukte deshalb immer häufiger nur noch im Sonderangebot. Als Beispiel nannte Souque Schokolade. „Wir haben die Hersteller gewarnt, die Preise nicht zu stark zu erhöhen.“ Dennoch seien Produkte, unter anderem von Lindt und Mondelez, erneut teurer geworden. Entsprechend sei weniger verkauft worden. „Es gibt Kunden, die sagen: Solche Artikel kann ich mir nicht immer leisten“, so Souque.

Wie läuft es bei der Konkurrenz?

Der Edeka-Verbund hat seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr leicht steigern können. Insgesamt seien 77,3 Milliarden Euro umgesetzt worden - und damit 2,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor, teilte die Zentrale in Hamburg am Dienstag mit. Das sei ein Rekordhoch. 42,7 Milliarden Euro (plus 4,6 Prozent) entfielen dabei den Angaben zufolge auf die rund 3200 eigenständig agierenden Edeka-Kaufleute, 17,9 Milliarden Euro (plus 1,6 Prozent) auf den Discounter Netto.

Ende vergangenen Jahres betrieb der Verbund insgesamt 10.871 Lebensmittelmärkte. Davon entfielen 5629 auf Edeka und 4433 auf den Aldi-Konkurrenten Netto. Bundesweit seien 247 Märkte neu eröffnet worden, 104 davon bei Netto. Die Investitionen bezifferte der Verbund auf rund 2,6 Milliarden Euro, im laufenden Jahr sollen es 2,9 Milliarden Euro werden. Zu Gewinnen machte Edeka keine Angaben.

Wer kontrolliert den deutschen Markt?

Rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels werden von Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) sowie Aldi Nord und Süd kontrolliert. An Nummer eins steht dabei der Edeka-Verbund mit rund 417.500 Beschäftigten – etwa 4500 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Auszubildenden liege bei 20.900. Die Zahl der Marktteilnehmer schrumpft. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Edeka und Rewe vorhaben, die Filialen des hessischen Supermarktkonkurrenten Tegut unter sich aufzuteilen, vorbehaltlich der Genehmigung durch das Bundeskartellamt. (mit dpa, afp)