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DSL-Aus ab 2028 gefordertVodafone will altes Internet abschalten, Telekom wehrt sich

3 min
Breitband-Messe Anga Com

Raus aus dem guten alten DSL-Internet, fordert Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot.

Vodafone will das DSL-Netz abschalten, um den Glasfaserausbau zu fördern. Doch die Telekom und die Politik wehren sich.

Um den Glasfaserausbau voranzutreiben, fordert Vodafone ein schnelles Aus für das DSL-Netz. Doch es gibt erheblichen Widerstand aus der Branche und von der Politik.

Marcel de Groot, der Deutschland-Chef von Vodafone, plädiert für eine Beschleunigung des Glasfaser-Ausbaus durch eine zeitnahe Stilllegung des DSL-Netzes, das auf Telefonleitungen basiert. Auf der Kölner Breitband-Messe Anga Com schlug der Manager vor: «Lasst uns 2028 damit beginnen». Die Fertigstellung bis 2035 würde es ermöglichen, eine bisher nicht bindende Richtlinie der EU-Kommission umzusetzen.

Laut de Groot sei ein Wechsel der Konsumenten zu zügigeren Internetverbindungen wünschenswert. Er bezog sich dabei nicht ausschließlich auf Glasfaser (FTTH, Fiber to the Home), sondern schloss auch Internet via Fernsehkabel mit ein. In diesem Segment verfügt Vodafone über eine bedeutende Marktstellung; diese Technik übertrifft DSL in der Geschwindigkeit, erreicht jedoch nicht die Stabilität von Glasfaser.

Breitband-Messe Anga Com

Auch Netcologne-Chef Timo von Lepel sind die Millionen DSL-Anschlüsse in Deutschland ein Dorn im Auge.

Ausbau schreitet voran, doch Kunden zögern

In den Ausbau des Glasfasernetzes fließen in Deutschland Milliardeninvestitionen, jedoch verhalten sich zahlreiche Konsumenten abwartend. Obwohl die Anschlüsse oft bereits verfügbar sind, werden keine entsprechenden Verträge unterzeichnet. Eine Untersuchung des Branchenverbands VATM prognostiziert für das Jahresende bundesweit 21,8 Millionen genutzte DSL-Verbindungen. Demgegenüber stehen laut der Erhebung 7,8 Millionen in Betrieb befindliche Glasfaser- und 8,5 Millionen Fernsehkabel-Anschlüsse.

Mit ihrer vergleichsweise geringen Übertragungsrate wird die DSL-Technik angesichts des stetig steigenden Datenvolumens im digitalen Zeitalter als veraltet angesehen. Dennoch ist die Leistung für zahlreiche Haushalte ausreichend, weshalb diese an der bestehenden Technik festhalten und nicht auf die fortschrittlichere Alternative umsteigen.

Diese zögerliche Haltung hat zur Folge, dass sich die Investitionen in Glasfaser bisher kaum rentieren. Andreas Pfisterer, der Chef der Deutschen Glasfaser, äußerte: «Das Thema Glasfaserausbau ist in Deutschland für Finanzierende fast schon toxisch geworden». Sein Unternehmen hat daraufhin die eigenen Expansionspläne reduziert.

Timo von Lepel, Chef des Kölner Kommunalunternehmens Netcologne, plädierte ebenfalls für politischen Druck, um eine stufenweise Stilllegung der DSL-Anschlüsse durch die Telekom zu erreichen. «Wir sollten so früh wie möglich das Startsignal für die Kuper-Glas-Migration geben, das schafft Investitionswillen», erklärte von Lepel.

Glasfaserkabel

Das Angebot wächst, das Interesse ist aber nicht allzu hoch: Internet über Glasfaser-Kabel.

Telekom lehnt Zwangsumstellung ab

Als Marktführer im DSL-Bereich befindet sich die Deutsche Telekom in einem Dilemma. Das Unternehmen steckt zwar selbst Milliardenbeträge in die Glasfaser-Expansion, ist aber über die zögerliche Annahme durch die Verbraucher nicht erfreut. Gleichzeitig will der Konzern seine treuen DSL-Kunden nicht durch eine erzwungene Umstellung auf Glasfaser vergraulen, da die Gefahr besteht, dass diese verärgert zu einem Wettbewerber wechseln.

Eine Sprecherin des Bonner Konzerns erklärte: «Eine Abschaltung des Kupfernetzes dürfe erst erfolgen, wenn flächendeckend gleichwertige Glasfaseranschlüsse verfügbar sind». Sie warnte: «Andernfalls drohen Versorgungslücken und ein Ausbau, der sich nur auf wirtschaftlich attraktive Regionen konzentriert.» Den Zeitplan für 2028 bezeichnete sie als «völlig aus der Luft gegriffen». Ferner sei «ein erzwungener Anbieterwechsel durch eine Abschaltung wäre ein erheblicher Eingriff in die Wahlfreiheit der Verbraucher, den wir klar ablehnen.»

Laut der Telekom sei es außerdem «irritierend», dass Vodafone die eigenen TV-Kabelnetze, die ebenfalls auf Kupfer basieren, in der Diskussion ausklammere. «Gerade dort, wo Kabelnetze vorhanden sind, ist die Nachfrage nach Glasfaser besonders gering.» Die Telekom argumentiert, dass durch eine offensive Preisgestaltung und unrealistische «Gigabit»-Ankündigungen der Umstieg auf reine Glasfaseranschlüsse an Attraktivität verliere.

Breitband-Messe Anga Com

Ein DSL-Aus «mit der Brechstange» möche er nicht: Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU).

Digitalminister plädiert für Augenmaß

Auch Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) war bei der Anga Com zugegen. Er betonte, dass sämtliche Akteure am Markt ihrer Verantwortung nachkommen müssten. «Dazu gehört auch eine angemessene und marktgerechte Bepreisung der verschiedenen Produkte, damit der Markt an Dynamik gewinnt und sich nachhaltig entwickeln kann.» Einen Termin für den Beginn der Stilllegung nannte der Minister nicht. Wildberger sagte: «Das geht nicht mit der Brechstange.» Zuerst seien gute Alternativen erforderlich, ehe ein solcher Schritt unternommen werde. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.