Abo

EinzelhandelRewe knackt Marke von 100 Milliarden Euro Umsatz

5 min
Interview mit Rewe-Chef Lionel Souque

Interview mit Rewe-Chef Lionel Souque

Die Schokoladenpreise sinken. Laut Rewe-Chef Lionel Souque kommen die Preissteigerungen infolge des Irankrieges bislang kaum bei den Kunden an. 

Trotz widriger Rahmenbedingungen hat die Handelsgruppe Rewe sich behauptet und sogar die Marke von 100 Milliarden Euro beim Umsatz geknackt. Der Gewinn dagegen hat sich deutlich verringert durch hohe Kosten. Am Mittwoch hat Rewe-Chef Lionel Souque eine Bilanz für 2025 und einen Ausblick auf das laufende Jahr gegeben. Ein Überblick über die Kölner Supermarkt-Gruppe:

Geschäftsverlauf

Trotz anhaltender Krisen auf den Weltmärkten konnte die Rewe-Gruppe mit einem Umsatzplus von 4,0 Prozent erstmals einen Gesamtumsatz von mehr als 100 Milliarden Euro erzielen. „Dass es uns gerade in diesem herausfordernden Geschäftsjahr erstmals gelungen ist, die 100-Milliarden-Euro-Umsatzmarke zu überspringen, macht uns stolz. Es zeigt das Vertrauen von Millionen von Kunden in Europa in uns und die Stärke unseres Geschäftsmodells“, sagte Rewe-Vorstandschef Lionel Souque im Interview mit unserer Redaktion.

Der Gewinn (Ebita) des Konzerns lag mit über 1,5 Milliarden Euro wie bereits angekündigt unter dem Vorjahreswert, im Vorjahr lag der Gewinn noch bei zwei Milliarden Euro. Neben gestiegenen Sach- und Personalkosten war das Vorjahres-Ergebnis aber von einem positiven Einmaleffekt überlagert. „Im Jahr 2024 hat eine Steuererstattung über eine Milliarde Euro aus dem Jahr 1998 das Ergebnis einmalig verbessert“, sagte Rewe-Finanzvorstand Telerik Schischmanow auf Nachfrage. „Wie bereits vergangenes Jahr angekündigt, sind wir schon von einer temporär gedämpften Ergebnisentwicklung im Jahr 2025 ausgegangen, da wir unter anderem wie geplant mit der Einführung unserer eigenen Kunden-Vorteilsprogramme in Deutschland investiert haben“

International betrachtet ist es bei Rewe und seinen Töchtern je nach Ländermarkt sehr unterschiedlich gelaufen. Im sehr umkämpften Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland konnte Rewe im Jahresvergleich um drei Prozent zulegen. Bei der Discount-Tochter Penny wurde dagegen nur ein Plus von 0,7 Prozent erzielt.

Auch die österreichische Supermarkt-Tochter Billa, die auch in Tschechien, der Slowakei und Bulgarien vertreten ist, sowie Penny International stieg der Umsatz um 4,8 Prozent. „Insgesamt haben alle unsere Geschäftsfelder ihren Beitrag zur positiven Umsatzentwicklung geleistet. Einmal mehr hat sich unsere breite, resiliente Aufstellung als internationale Unternehmensgruppe mit Handel, Touristik und Convenience bewährt“, kommentiert Lionel Souque.

Kunden-Vorteilsprogramm von Rewe

Das Kundenbindungsprogramm von Rewe  heißt „Rewe Bonus“ und ist das hauseigene Vorteilsprogramm in der Rewe-App, das den bisherigen Partner Payback zu Jahresbeginn 2025 abgelöst hat. Es basiert auf dem Sammeln von Euro-Guthaben direkt in der App, also ausschließlich auf dem Smartphone, das Sie bei zukünftigen Einkäufen wie Bargeld verrechnen können. Laut Lionel Souque sei das Bonus-Programm ein Jahr nach seiner Einführung von den Kunden gut angenommen worden.

Wie Souque unserer Redaktion im Interview sagte, haben bereits 18 Millionen Kunden die Rewe-App auf ihre Smartphones geladen. Vorwürfe von Verbraucherschützern, die App diskriminiere ältere Kunden bei der Bedienung, wies der Rewe-Chef zurück. „Auch ältere Kunden haben kein Problem mit dem Handy, 99 Prozent können es bedienen. Außerdem zwingen wir ja keinen, da mitzumachen“, so Souque. Es gebe auch herkömmliche Angebote, unabhängig von der App.

Klage gegen die Penny-App

Die Rewe-Tochter Penny darf weiterhin mit Rabatten werben, die Verbraucher ausschließlich über eine App nutzen können. Eine Klage des Verbraucherzentrale-Bundesverbands (vzbv) auf Unterlassung wurde vom 13. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm abgewiesen (Az. I-13 UKl 7/25). Penny hatte in einem Prospekt einen Fruchtjoghurt mit einem Rabatt von bis zu 52 Prozent beworben. Der wird jedoch nur registrierten App-Kunden gewährt. Verbraucherschützer sehen darin eine Diskriminierung und einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Sie argumentieren, dass insbesondere ältere, behinderte oder jüngere Menschen benachteiligt würden, da sie entsprechende Geräte oder Apps häufig nicht nutzen könnten oder dürften. Der Senat folgte dieser Einschätzung nicht. Den Richtern fehlten ausreichende Belege für eine Diskriminierung, sagte ein Sprecher des Gerichts.

Reisegeschäft der Rewe-Tochter Dertour

Mit einem Plus von 18 Prozent stieg der Umsatz der Kölner Reise-Tochter Dertour auf 10,8 Milliarden Euro, wozu ein Wachstum in allen Märkten beigetragen habe. In Deutschland konnten die Dertour-Veranstalter nach einem buchungsstarken Vorjahr ein weiteres Gästeplus von 4,5 Prozent verzeichnen. Bei den deutschen Reisenden waren demnach Reiseziele mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis und hochwertige All-inclusive-Angebote besonders gefragt, der Anteil der Fünfsternehotels stieg erneut mit einem signifikanten Plus von 39 Prozent.

Eigenmarken

Ob Schokolade oder Kaffee: Markenartikel sind für den Lebensmittelhändler Rewe heute weniger wichtig als noch vor einigen Jahren. „Sie verlieren definitiv an Bedeutung. Wir können das zwar nicht für jeden Artikel sagen, aber insgesamt gehen Mengen und Umsätze im Vergleich zu unseren Eigenmarken zurück“, sagte Souque.

Wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise werden die günstigeren Eigenmarken der Handelsketten bei Kunden immer beliebter. Die Rewe-Supermärkte steigerten ihre Erlöse mit diesen Produkten 2025 im Vergleich zum Vorjahr demnach um sechs Prozent – und damit überdurchschnittlich stark. Der Umsatzanteil der Eigenmarken steigt laut Souque von Jahr zu Jahr und liegt inzwischen bei fast 30 Prozent.

Preisentwicklung

Trotz angezogener Inflation hat Rewe ihre Produkte nur geringfügig verteuert. Insgesamt liege die Inflation im gesamten Rewe-Sortiment bei einem Prozent, bei Eigenmarken sogar bei null Prozent. Markenschokolade etwa verharre zwar auf dem hohen Niveau des Dezembers, teilweise bei fast zwei Euro je Tafel. Bei Eigenmarken gebe Rewe die gesunkenen Kakaopreise aber an die Kunden weiter, so Souque, teilweise sogar wieder zu Preisen unter einem Euro.

Mögliche Preissteigerungen in der Zukunft könnten indirekt durch Transportkosten oder Verpackungen entstehen. Aktuell sei das noch kein Thema, so Souque. Durch den Iran-Konflikt betroffen seien aktuell nur Rosinen, Safran und Pistazien.