Der Solarboom in NRW verliert an Schwung: Private Dachanlagen gehen zurück, Freiflächenprojekte können das Minus nicht ausgleichen.
Erneuerbare Energien30 Prozent weniger Dachanlagen – Solarausbau in NRW schwächelt

Solarpanele auf dem Dach einer Halle der Köln-Messe.
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Die Rekordzeiten beim Ausbau der Solarenergie in Nordrhein-Westfalen sind vorerst vorbei. Im Jahr 2025 sind zwar rund 173.000 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 2000 Megawatt (MW) neu in Betrieb gegangen, was NRW im Bundesländervergleich nach Bayern und Baden-Württemberg Rang drei beschert. Im Vergleich zu 2024 ist das aber ein Minus von 15 Prozent.
Das liegt daran, dass bei den Anlagen auf privaten Hausdächern offenbar ein Sättigungsgrad erreicht ist. „Der Solarboom in NRW beruhte in der Vergangenheit vor allem auf diesen privaten Dachanlagen“, sagte Hans-Josef Vogel, Vorsitzender des Landesverbands Erneuerbarer Energien (LEE NRW) am Dienstag in Düsseldorf. „Genau in diesem Segment gab es im vergangenen Jahr bundes- wie auch landesweit ein Minus von annähernd 30 Prozent.“ Der Rückgang konnte durch die 85.000 Balkonkraftwerke, die mit 106 Megawatt rund fünf Prozent des Zubaus ausmachen, nicht ausgeglichen werden.
Köln beim Ausbau auf Platz zwei
Laut LEE NRW sind im vergangenen Jahr im Rhein-Kreis Neuss (knapp 125 MW), Rhein-Erft-Kreis (ca. 105 MW) und im Kreis Steinfurt (77 MW) die meisten Solaranlagen neu installiert worden, darunter auch einige größere Freiflächenanlagen. Bei den Kommunen gehören Jüchen (71 MW), Köln (44,5 MW) und Essen (34,5 MW) zu den Top Drei.
Zufrieden zeigt sich der LEE NRW, dass der Solarausbau auch in kleineren und mittelgroßen Kommunen stattfindet. Indikator dafür ist eine Berechnung, wieviel Kilowatt Solarleistung pro Kopf installiert worden ist. Demnach liegt Jüchen mit 2,95 Kilowatt pro Einwohner deutlich vorne, gefolgt von Aldenhoven (1,59 kW) und Bedburg (1,31 kW).
Die Freiflächenanlagen konnten ihren Anteil an der Gesamtleistung auf 19 Prozent steigern. Vom Ziel der Bundesregierung, dass der Solarausbau jeweils zur Hälfte auf der Freifläche und auf Dächern erfolgen soll, sei man aber noch weit entfernt, so Vogel. „Das macht auch Sinn, weil auf Freiflächen erzeugter Solarstrom die absolut günstigste regenerative Energie ist. Das ist wichtig für die Eigenstromversorgung unserer Industrie.“ Auch in absoluten Zahlen hinkt NRW beim Bau neuer Freiflächenanlagen deutlich hinter anderen Bundesländern her.
Kritik an geplantem Förder-Aus für private Dachanlagen
Der LEE NRW lehnt die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) entschieden ab, mit der anstehenden Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes die Vergütung für private Dachanlagen zu streichen.
„Reiches Aufgabe als Ministerin ist es, die Wirtschaft zu fördern und nicht abzuwürgen. Kommt es zum Aus für die Förderung privater Dachanlagen, kann die NRW-Landesregierung ihre solaren Ausbauziele vergessen“, sagte Vogel. „Dass viele Bundesbürger dagegen keine Unterstützung mehr für den Einstieg in ihre private Energiewende erhalten sollen, ist ein Unding. Die Photovoltaik ist der Einstieg in weitere nachhaltige Techniken wie die Wärmepumpe oder die kostengünstige Mobilität mit einem Elektroauto."
Enttäuschend sei auch der dürftige Ausbau von Solaranlagen auf Gebäuden, die dem Land gehören. Bisher gebe es Photovoltaik lediglich auf 160 von 4000 Gebäuden. Damit werde das Land seiner Vorbildfunktion nicht gerecht.
Engpass bei den Netzanschlüssen
Damit es in NRW zu keinem Abbruch beim Ausbau aller regenerativer Energien kommt, fordert Wolfgang Glahn die Landesregierung auf, zu einem Netz-Gipfel einzuladen. „Nicht nur im Windsektor hakt es bei den Netzanschlüssen, sondern auch zunehmend bei großen solaren Freiflächenparks und Batteriespeicherprojekten“, sagt der NRW-Regionalleiter der Enerparc AG. Das Solarunternehmen zählt nach eigenen Angaben bundesweit zu den Top Drei der Projektierer, die größere Solarparks planen und errichten.
In diesem Jahr hat Enerparc den Bau eines Solarparks mit Batteriespeicher und einer Leistung von mehr als 40 MW im Kreis Paderborn vorgesehen. „Die Landesregierung wäre gut beraten, schnell die Bundesnetzagentur, viele Netzbetreiber, die Wind- und Solarbranche, die Politik und die Verbände an einen Tisch zu bringen, damit die Netze nicht zur Achillesferse der Energiewende werden", sagte Glahn.

