Energieversorger müssen seit einem Jahr dynamische Tarife anbieten. Nun steigt auch der Möbelriese Ikea in das Geschäft ein. Dahinter steckt eine Kölner Firma.
SolarenergieMöbelriese Ikea steigt in Strommarkt ein – mit einer Kölner Firma

Seit Juni 2025 bietet Ikea Balkonkraftwerke von Svea Solar an.
Copyright: Ikea
Taner Karacan ist der Typ Manager, der jahrzehntelang auf der großen Bühne daheim war und nun etwas „völlig anderes“ machen will. Mehr als 30 Jahre lang war er für die US-Logistikriesen TNT und Fedex im Einsatz, verantwortete in Spitzenzeiten tausende Beschäftigte in ganz Europa. Nun sitzt er in einer Büroetage in der Hülchrather Straße in Köln, vis-à-vis dem Oberlandesgericht.
Karacan ist ein lockerer Typ, in schwarzem Kapuzenpulli und blauer Jeans, ein echter „kölscher Jung“. Als Svea Solar vor etwa drei Jahren anrief und ihm die Stelle als Geschäftsführer in seiner Heimatstadt anbot, überlegte er nicht lange. Die Startvoraussetzungen waren günstig: Die schwedische Firma Svea Solar kooperierte bereits seit 2020 mit dem Möbelriesen Ikea, unter Karacans Leitung sollte die Geschäftsbeziehung in Deutschland weiter an Fahrt aufnehmen. 110 Mitarbeiter hat er inzwischen, davon knapp die Hälfte in Köln.
Börsen-Strompreise in Echtzeit
In den vergangenen Jahren hat Ikea gemeinsam mit Svea Solar immer mehr Produkte ins Sortiment aufgenommen: Erst waren es PV-Module, dann Balkonkraftwerke und Wärmepumpen, seit diesem Jahr sogar einen eigenen Stromtarif. Der Eintritt in den Strommarkt sei der nächste konsequente Schritt gewesen, sagt Ikea auf Anfrage: „Deutschland ist hinsichtlich dynamischer Stromtarife noch eines der Schlusslichter in Europa. Dynamische Stromtarife sind gerade deshalb so wichtig, weil sich das gesamte Energiesystem rasant verändert. Sie sind nicht einfach ein ‚nice to have‘, sondern ein zentrales Werkzeug, um ein zunehmend erneuerbares, flexibles und digitales Stromnetz stabil und bezahlbar zu halten.“ Wie viele Stromkunden Ikea in diesem Jahr erwartet, sagt die Firma auf Anfrage nicht.
Während klassische Stromtarife aus fixen Preisen bestehen, ändert sich der Preis bei dynamischen Tarifen alle 15 Minuten – gekoppelt an die Preise des Spotmarkts, auf dem Energie gehandelt wird. Das heißt: Wer beispielsweise sein E-Auto lädt, wenn der Strom gerade günstig ist, kann ordentlich sparen. Abgerechnet wird der tatsächliche Verbrauch zum Echtzeit-Marktpreis, das funktioniert über ein sogenanntes Smart-Meter. Und auch für die Netzauslastung ist es gut, wenn nicht alle zur gleichen Zeit auf das Stromnetz zugreifen. Anders als bei vielen anderen Energieversorgern gibt es keinen Risikoaufschlag auf den Ikea-Tarif, er ist somit vergleichsweise günstig.
Riesiges Potenzial in Deutschland
In Köln-Rodenkirchen streift Taner Karacan derweil durch seine Lagerhalle. Hier im Zentrallager warten PV-Module und Balkonkraftwerke darauf, an die Kunden ausgeliefert zu werden. Der Großteil der Module kommt, wie in der Branche üblich, von chinesischen Herstellern. Vom Zentrallager in Rodenkirchen aus gehen sie an fünf bis sechs Vertriebsstandorte in ganz Deutschland. Dort rücken die Svea-Solar-Installateure aus, bringen Solarmodule und Balkonkraftwerke bei den Ikea-Kunden an, installieren Smart-Meter für den dynamischen Stromtarif.
Ikea tritt hierbei nur als Vermittler für die Produkte von Svea Solar auf, auch die Verträge laufen zwischen dem Kunden und Svea Solar – ein Marktplatz-Modell, das Ikea eigenen Angaben zufolge so keiner anderen Firma anbietet.

Taner Karacan, Geschäftsführer von Svea Solar Deutschland, im Zentrallager in Köln-Rodenkirchen.
Copyright: Alexander Schwaiger
Warum hat sich die Firma, die 2014 in Schweden gegründet wurde und dann ins Ausland expandiert ist, ausgerechnet Köln als Deutschlandsitz ausgesucht? „Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland und bietet damit den größten Kreis potenzieller Kundinnen und Kunden. Köln ist zentral gelegen und logistisch hervorragend angebunden – das macht den Standort für uns besonders attraktiv“, erklärt Karacan. Wie viele Kunden Svea Solar in Deutschland bedient, will Karacan nicht sagen. Global hätten bereits 50.000 Kunden Energielösungen bei der Firma gekauft.
Fakt ist: Das Geschäft mit Energie floriert, denn das Potenzial hierzulande ist enorm. „In Deutschland verfügen aktuell nur rund 12 bis 15 Prozent der Häuser über eine Solaranlage. Das zeigt, wie groß das ungenutzte Potenzial noch ist“, sagt Karacan. „Der deutsche Markt ist für uns von zentraler Bedeutung. Er ist der größte Solarmarkt in Europa. Die vergangene Bundesregierung hat das Thema erneuerbare Energien stark vorangetrieben, was den Markt zusätzlich attraktiv gemacht hat.“
Acht Millionen Euro im Kölner Fördertopf
Auch die aktuelle Solarförderung trägt dazu bei, dass sich immer mehr Menschen für Balkonkraftwerke und PV-Module entscheiden. Besonders beliebt sind kommunale Zuschüsse, die einen Teil der Anschaffungskosten decken. Die Stadt Köln hat allein im Jahr 2025 eigenen Angaben zufolge Fördermittel in Höhe von etwas mehr als zehn Millionen Euro ausgeschüttet. Auch in diesem Jahr stehen wieder acht Millionen Euro zur Verfügung – vorbehaltlich der gesamtstädtischen Haushaltslage.
„Entscheidend ist, dass Förderanträge schnell bearbeitet werden und Kundinnen und Kunden zeitnah eine Zu- oder Absage erhalten. In Köln hat das 2025 teilweise bis zu acht Wochen gedauert – das ist sehr lang und hat verständlicherweise zu großer Frustration geführt“, sagt Svea-Solar-Chef Karacan. Die Stadt Köln bestätigt, dass die Nachfrage im Juni 2025 so hoch war, dass es zeitweise zu längeren Bearbeitungszeiten gekommen sei. „Diese Rückstände sind inzwischen abgearbeitet, und die Verfahren wurden deutlich beschleunigt“, heißt es. Derzeit liege die Bearbeitungsdauer für vollständige Anträge bei unter einer Woche bis zur Bewilligung.
Und noch eine weitere Entwicklung spielt der Branche in die Karten. „Seit der Energiekrise sind unsere Produkte im Einkauf um etwa 25 bis 35 Prozent günstiger geworden. Die Technologie wird stetig besser, Produktionsprozesse effizienter – und dadurch insgesamt kostengünstiger“, sagt Karacan. Diese Preisvorteile würde Svea Solar direkt an die Kunden weitergeben. Es könnte womöglich also doch bald wieder länger dauern mit den Anträgen.

