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Rekordjahr 2025Warum in Köln so viele Start-ups neu gegründet wurden wie noch nie

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Die beiden Gründer des Sport-Start-ups Athlete Capital Tim Zwiener und Mattis Hecht

Tim Zwiener (links) und Mattis Hecht haben das Sport-Start-up Athlete Capital gegründet.

In Deutschland wurden 2025 so viele Start-ups gegründet wie noch nie. In Köln lief es dabei besonders gut. Vor allem Gründungen in der Sportbranche fallen auf.

Als Sportstudent einen Businessplan vor Vertretern des 1. FC Köln, dem Deutschen Fußball-Bund und der Kreissparkasse Köln zu pitchen – diese Möglichkeit hat nicht jeder. Tim Zwiener und Mattis Hecht hatten sie. Im fünften Semester ihres Sportmanagementstudiums an der Deutschen Sporthochschule (Spoho) war dies Teil eines Seminars. Das Thema: Existenzgründungen. 

Der Kurs legte den Grundstein für ihr 2025 gegründetes Start-up „Athlete Capital“. Denn die lose im Unterricht entwickelte Geschäftsidee stieß bei der Jury auf Interesse. Die beiden Kölner hatten offenbar eine Marktlücke gefunden. Inzwischen beraten sie mit einer Art Agentur rund 200 Profi-Athleten in Sachen Zukunftsperspektive. „Profisportlerinnen und -sportler verdienen in jungem Alter viel Geld, beachten nur oftmals nicht, dass ein Karriereende mit circa Mitte 30 eintritt“, sagt Tim Zwiener. Athlete Capital vermittelt seinen Kunden das nötige Wissen, aber eben auch die nötigen Kontakte ins Unternehmertum. Ihr Geld verdienen die Gründer auf Honorarbasis. 2025 lag der Umsatz im hohen fünfstelligen Bereich, 2026 soll es in den mittleren sechsstelligen Bereich gehen, prognostiziert Zwiener.

Standort Köln hat Gründung begünstigt

Es liegt wohl auch am Standort, dass Athlete Capital überhaupt so weit gekommen ist. „Die Hochschulen und die Wirtschaftsförderung haben da ein gutes Ökosystem hochgezogen. Man merkt, dass Gründungen in Köln vorangetrieben werden“, sagt der 25-Jährige. Die Wirtschaftsförderung Kölnbusiness zum Beispiel hat das Unternehmen für das Gründungsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen empfohlen. Als eines von acht Start-ups durchliefen die Spoho-Absolventen zudem im Anschluss an ihre Bachelorarbeit das Accelerator-Programm („accelarate“ heißt „beschleunigen“ auf Englisch) des Gateway ESC, dem Gründungsservice der Uni Köln. Sie profitierten nicht nur von einer finanziellen Förderung, sondern auch von Coachings und Büroflächen im Innodom – einer der Anlaufstellen für Gründer in der Region.

Dass die Infrastruktur in der Stadt zu Gründungen einlädt, zeigen auch Zahlen, die Kölnbusiness gerade veröffentlicht hat. 2025 wurden demnach in Köln 112 neue Start-ups gegründet – so viele wie nie zuvor. Der Bundesverband deutscher Start-ups kommt aufgrund einer anderen Methodik bei seiner Zählung sogar auf 120 neue Jungunternehmen. Verglichen mit dem Vorjahr wuchs die Zahl der Neugründungen demnach um 64 Prozent und liegt damit deutlich vor Berlin (plus 24 Prozent), Hamburg (plus 26 Prozent) und München (plus 42 Prozent).

Außenansicht des Kölner Innodoms, ein fünfstöckiges, modernes, braunes Gebäude mit vielen Glasfronten

Im Kölner Innodom machen viele Start-ups ihre ersten Schritte – so auch die Gründer von Athlete Capital.

Generell war das vergangene Jahr ein rekordverdächtiges für Start-ups aus ganz Deutschland. Mit mehr als 3500 Neugründungen verzeichnet der Start-up-Verband einen Höchststand – 29 Prozent mehr als 2024. Damit liegt der Wert sogar über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2021. Wachstumstreiber sind vor allem technologische Trends von Künstlicher Intelligenz bis Deep-Tech. Dass die Kölns Start-up-Szene überdurchschnittlich performt, führt der Bundesverband Deutsche Start-ups unter anderem darauf zurück, dass sich die Stadt besonders schnell vom Corona-Tief erholt habe. Während andere Städte und Regionen noch hinter dem Vorkrisenniveau liegen, entwickele sich Köln zunehmend zu einem Magneten für Gründer und Investoren.

„Köln wächst schneller als der bundesweite Schnitt, weil hier ein starkes Ökosystem greift: Hochschulen und Forschung, Gründungs-Know-how und ein resilienter Markt. Startups finden vom ersten Pitch bis zur Skalierung die passende Unterstützung“, sagt Kölnbusiness-Geschäftsführer Manfred Janssen. Zudem ziehe die Qualität der Kölner Startups mehr internationale Investoren und damit mehr Wachstumskapital an. Insgesamt zählt das Kölner Start-up-Ökosystem rund 890 Unternehmen.

In Köln stammt mehr als die Hälfte der neuen Jungunternehmen aus den Branchen Software, Medizin und Lebensmittel. Auch Gründungen im Sport werden häufiger, hier kamen im vergangenen Jahr neun Start-ups hinzu – darunter Athlete Capital. Daneben sorgt insbesondere Prematch, ein Datenauswertungstool für den Amateurfußbal in der Branche für Aufsehen. Stars wie Jürgen Klopp, Serge Gnabry und David Raum investierten. Tim Zwiener sagt, dass nicht nur die Spoho den Sporttrend beflügele, sondern insbesondere die Nähe zu großen Sportvereinen und -events für den Standort spreche. „Du bist hier sehr schnell in einem Umfeld großer Sportarten und Player unterwegs, die auch national und international eine große Rolle spielen.“


Die fünf größten Finanzierungsrunden 2025 in Köln

Empact - 100 Millionen Euro
Energiedienstleister für die Immobilienbranche mit Fokus auf klimaneutrale Gebäudelösungen wie Photovoltaik und strombasierter Wärmeerzeugung

1NCE - 51,5 Millionen Euro Mobilfunk- und Software-Plattform, die Maschinen und Geräte über Mobilfunk vernetzt

Disco Pharmaceuticals - 36 Millionen Euro Biotechnologie-Unternehmen, das sich auf die Kartierung von Krebszellen spezialisiert hat

Buynomics - 25 Millionen Euro KI-gestützte Plattform, die Kaufverhalten simuliert und Firmen unter anderem bei der Preissetzungsstrategie unterstützt

Bezahl.de - 23 Millionen Euro
Die Payment-Plattform digitalisiert das gesamte Zahlungsmanagement im Automobilhandel vom Fahrzeugverkauf bis zum After-Sales-Geschäft


Obwohl das Marktumfeld weiterhin anspruchsvoll ist, stabilisiert sich das Finanzierungsvolumen im Kölner Start-up-Ökosystem auf hohem Niveau. 2025 verzeichnete Kölnbusiness 73 Finanzierungsrunden, ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zu 2024. Der Gesamtwert der Investitionen lag bei rund 380 Millionen Euro und damit in etwa so hoch wie im Rekordjahr 2024, als 381 Millionen Euro eingesammelt wurden. Drei Viertel der Deals sind große Volumen ab 15 Millionen Euro.