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FeuerwehrNRW beschafft Neufahrzeuge

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) startet ein Pilotprojekt für die Anschaffung teurer Feuerwehrfahrzeuge: Per Sammelbestellung sollen die Autos billiger und der bürokratische Aufwand beim Kauf kleiner werden. Das Einsparvolumen ist nicht zu unterschätzen.

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Die Feuerwehr ist mit einem Einsatzfahrzeug mit eingeschaltetem Blaulicht und Drehleiter im Einsatz.

Drehleiterwagen mit Mercedes Fahrgestell im Einsatz Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Für die Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen beginnt eine neue Ära. Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) will noch im November ein Pilotprojekt für die Sammelbestellung von Feuerwehrfahrzeugen auf den Weg bringen. Ziel der Initiative, die in anderen Bundesländern schon praktiziert wird, ist es, Städte, Gemeinden und Kreise in NRW bei der Beschaffung der teuren Fahrzeuge zu entlasten und Synergieeffekte zu nutzen, erklärte das Ministerium.

„Unsere Feuerwehren brauchen vernünftige Fahrzeuge und keine komplizierten Vergabeverfahren“, sagte Reul unserer Redaktion. Mit der Sammelbestellung wolle die Landesregierung Kreise und Kommunen entlasten und unnötige Bürokratie abbauen: „Es ist doch toll, wenn wir Aufwand sparen und gleichzeitig bessere Preise erzielen.“ Davon profitierten alle: das Land, die Kommunen und die Feuerwehren vor Ort.

Sonderwünsche treiben die Preise

Die sich anbahnende Sammelbestellung ist ein Paradigmenwechsel im Land. Bisher bestellten die Kommunen, in denen es keine Berufsfeuerwehren gibt, ihre Fahrzeuge stets in Eigenregie. Zwar ist die angemessene Ausstattung der Feuerwehr ein Pflichtaufgabe für die Kommunen. Über das Wie dieser Austattung entscheidet aber jede Kommune selbst.

Das führt in Städten und Gemeinden nicht nur zu erheblichem administrativem Aufwand, auch werden die Autos unverhältnismäßig teuer, weil die wenigen spezialisierten Hersteller bei Kleinstbestellungen mit Sonderwünschen kaum Preisdruck erfahren. So kostet ein Drehleiterfahrzeug im Durchschnitt schätzungsweise schon 1,2 Millionen Euro, das ist fast 50 Prozent mehr als noch vor einigen Jahren.

Oligopol der Anbieter

Der zersplitterten Nachfrage aufseiten der Kommunen steht ein Oligopol von heute genau vier spezialisierten Anbietern gegenüber. Weltmarktführer ist die Rosenbauer AG aus Leonding in Oberösterreich. Die Firma erwirtschaftete im vorigen Jahr knapp 1,43 Milliarden Euro und gilt als Weltmarktführer. Sie gehört seit vorigem Jahr einem Investorenkonsortium, das Mark Mateschitz anführt. Er ist der Sohn des verstorbenen Red-Bull-Magnaten Dietrich Mateschitz. Mateschitz junior gilt als reichster Mann Österreichs, auch die Rosenbauer-Geschäfte laufen vielversprechend – der Auftragsbestand beträgt 2,36 Milliarden Euro und sichert die Auslastung weit über das kommende Jahr hinaus.

Das NRW-Innenministerium plant nun, die Vergabe von Fahrzeugen für die Kommunen zu übernehmen, um außer Rechts- und Vergabesicherheit auch gute Preise zu gewährleisten. Schon im November 2026 werden Städte und Gemeinden über das Projekt informiert, im ersten Quartal 2027 ist eine verbindliche Abfrage in den Kommunen vorgesehen. Das Land wird zudem die Angebote fachlich prüfen und die technische Abnahme der Fahrzeuge begleiten.

Kraftakt für Kommunen

Mit ersten Auslieferungen wird voraussichtlich ab 2029 gerechnet. Kraftakt für KommunenDie Beschaffung von Feuerwehrautos ist keine Bagatelle, jährlich dürften die NRW-Kommunen Neufahrzeuge für bis zu 350 Millionen Euro bestellen. Für die ohnehin angespannten kommunalen Haushalte ist das vielerorts ein Kraftakt. Kürzlich hatte die Stadt Iserlohn für 6,38 Millionen Euro neue Feuerwehrfahrzeuge bewilligt, obschon sie, wie zuletzt jede dritte Kommune in NRW, im Haushaltssicherungskonzept steckt.

Jeder Bürger steht hier mit 5400 Euro pro Kopf in der Kreide. Insofern hilft jeder bei der Feuerwehr eingesparte Euro auch dem Kämmerer und damit den Bürgern vor Ort – und hier können erkleckliche Summen zusammenkommen. So hat Mecklenburg-Vorpommern zuletzt 71 Exemplare des wohl gängigsten deutschen Feuerwehrautos, des Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug 10 (HLF 10) bestellt. Die Kommunen sparten dadurch gut 60.000 Euro pro Auto.

DIN-Norm sichert den Standard

Für das Pilotprojekt in NRW hat sich das Ministerium folgerichtig ebenfalls für den für HLF 10 entschieden, hier dürfte es erhebliches Mengen- und Preispotenzial geben. Als zweites Modell soll ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) per Sammelbestellung beschafft werden. Das ist im Prinzip ein VW-Bully, kann aber auch von Modellen anderer Hersteller abgedeckt werden. Denn wie alle anderen Typen von Feuerwehrautos auch, sind die Anforderungen der Fahrzeuge durch DIN-Normen abgesichert. Dadurch ist ein hoher Standardisierungsgrad gewährleistet.

Führende Feuerwehrleute im Land lobten die Initiative: „Wir begrüßen das nicht nur ausdrücklich, unser Fachausschuss Technik hat an der Konfiguration mitgearbeitet“, sagte Christoph Schöneborn, Vorsitzender des Verbands der Feuerwehren in NRW unserer Redaktion. Auch in der Stadt Köln gab es Beifall, obwohl die Berufsfeuerwehr längst eigenverantwortlich handelt: „Gemeinsame Ausschreibungen senken den Verwaltungsaufwand und erhöhen die Rechtssicherheit; hiervon profitieren insbesondere kleinere Kommunen mit Freiwilligen Feuerwehren und vergleichbarem Gefährdungspotenzial“, sagte Daniel Richmann, stellvertretender Leiter der Kölner Feuerwehr.

Köln sieht sich in Vorreiterrolle

Den Gedanken der gebündelten Bestellung setze die Kölner Feuerwehr mit ihrer „Beschaffungsoffensive“ bereits seit sieben Jahren um. Dadurch seien Kosten reduziert und der Fuhrpark standardisiert worden. Richmann lieferte Details: Zuletzt habe Köln unter anderem 18 HLF 10, neun Drehleitern, 85 Rettungswagen, 19 Notarzteinsatzfahrzeuge, sieben Ineos Grenadier sowie vier auf Waldbrände spezialisierte Tanklöschfahrzeuge beschafft.

Neben günstigeren Marktpreisen seien dadurch auch interne Aufwände gebündelt und reduziert worden. Für die NRW gut 93.000 ehrenamtlichen Feuerwehrleute in NRW hat die Standardisierung von Fahrzeugen durch Sammelbestellung noch einen weiteren großen Vorteil: Das Training wird leichter. „Ein einheitlicher Fuhrpark erleichtert auch das Training erheblich, sagte Landeschef Christoph Schöneborn. „Sehr positiv“ lobte auch Stefan Gandelau, Kreisbrandmeister in Siegburg (Rhein-Sieg-Kreis).

Standardisierungen können man sich auch für weitere Fälle denken, etwa bei Gerätehäusern der Feuerwehr. So sei in Troisdorf ein „Standard“-Gerätehaus entwickelt worden, was dann in anderen Standorten im Stadtgebiet kopiert wurde. Das hessische Innenministerium treibt eine derartige Standardisierung landesweit voran und hat einen Leitfaden für das „Musterfeuerwehrhaus“ herausgegeben. Damit können alle Kommunen im Land ihre neuen Garagen nach einem einheitlichen Masterplan bauen, die Einsparungen werden beträchtlich sein. Nur ein Beispiel: Die Stadt Sankt Augustin baut eine neue Feuerwehrtechnische Zentrale, die 2028 fertig sein soll. Kostenansatz: 9 Millionen Euro, der gesamte städtische Haushalt hat ein Volumen von 230 Millionen Euro.

Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, soll das Prinzip Sammelbeschaffung auch für andere Fahrzeuge Anwendung finden. Nach den schlimmen Waldbränden im Sommer steht den Kommunen eine neue Welle teurer Neuanschaffungen bevor. Das Land hat in einem ersten Schritt auf eigene Rechnung acht der neuen Brandbekämpfer angeschafft, sie werden in den kommenden Monaten verteilt, das erste Exemplar hat Bonn bekommen, ein weiteres geht nach Königswinter.