Abo

ForstwirtschaftHolzeinschlag in deutschen Wäldern sinkt drastisch

5 min
Ein  Harvester fällt Bäume

Der Holzertrag geht bundesweit zurück. 

Seit Jahren wird immer weniger Holz aus heimischen Wäldern geholt. Das liegt maßgeblich daran, dass ein Großteil kranker und geschädigter Bäume bereits gefällt worden ist. Aber: Waldbauern bekommen für Nadelrundholz so hohe Erlöse wie nie zuvor.

Der deutsche Wald hat seit Jahrhunderten eine mystische Bedeutung. Die Deutschen haben traditionell eine tiefe Bindung an ihren Wald. Und doch ist Wald und Forst auch ein regulärer Bestandteil des Wirtschaftslebens. Immerhin sind in NRW 87 Prozent der Wälder in privater Hand.

In deutschen Wäldern sind 2025 weniger Bäume gefällt worden als ein Jahr zuvor. Mit 57,3 Millionen Kubikmetern lag der Holzeinschlag um 6,4 Prozent unter dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Mehr als die Hälfte sind Nadelhölzer wie Fichten und Tannen.

Seit dem Höchstwert von 2021 mit damals 83 Millionen Kubikmetern Holz wird die Menge Jahr für Jahr geringer. Das liegt vor allem daran, dass weniger Bäume aus den Wäldern geholt werden, die infolge von Sturm, Trockenheit oder Borkenkäfer geschädigt sind.

Großteil kranker Bäume schon aus den Wäldern geholt

Im Jahr 2025 wurden 12,7 Millionen Kubikmeter sogenanntes Schadholz eingeschlagen, ein Jahr zuvor war es mit 27,3 Millionen Kubikmetern noch mehr als doppelt so viel. 2020 war mit 60,1 Millionen Kubikmetern das höchste Schadholzaufkommen seit Beginn der Zeitreihe 1990 verzeichnet worden. Der Anteil des Schadholzes am gesamten Holzeinschlag verringerte sich von knapp drei Viertel (74,8 Prozent) 2020 auf weniger als ein Viertel (22,1 Prozent) 2025.

„Der deutlich geringere Holzeinschlag im Vergleich zu den durch Borkenkäferbefall geprägten Jahren 2020 und 2021 – sowohl beim insektenbedingten Schadholz als auch beim Fichtenholz – deutet darauf hin, dass ein Großteil der geschädigten Bäume bereits in den Vorjahren gefällt und dem Wald entnommen wurde“, folgern die Wiesbadener Statistiker.

Nordrhein-Westfalen folgt beim Holzeinschlag dem Bundestrend. Im Jahr 2025 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 2,6 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, entsprach dies einem Rückgang von 16,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals seit 2017 stellte sogenanntes Schadholz nicht mehr den größten Anteil am Holzeinschlag. Sein Anteil lag 2025 bei 28,4 Prozent beziehungsweise 0,7 Millionen Kubikmetern. Im Vorjahr hatte er noch 59,5 Prozent betragen.

Holzmengen von einst werden nicht mehr erreicht

Als Schadholz bezeichnen Forstleute und Waldbauern Holz, das durch äußere Einflüsse wie Stürme (Windwurf), Schneedruck, Dürre, Waldbrände oder Insektenbefall (sehr oft Borkenkäfer) geschädigt wurde und aus dem Wald entfernt werden muss, um Folgeschäden zu vermeiden. Es unterscheidet sich von Totholz, da es oft noch verarbeitet werden kann, aber meist minderwertiger ist.

„Absehbar werden wir beim Holzeinschlag mengenmäßig hinter den Holzmengen vor der Borkenkäfer-Krise vor einigen Jahren zurückbleiben“, sagte Thomas Kämmerling, Leiter des Landesverbands Wald & Holz im Interview mit unserer Redaktion. Durch diese Borkenkäferplage, Förster sprechen bei Naturereignissen, die Wald zerstören von Kalamität, hat NRW deutliche Flächen an Wald verloren. Laut Kämmerling gingen durch die Borkenkäfer in NRW 130.000 Hektar Wald verloren, weitere 30.000 Hektar gingen durch den Wintersturm Kyrill im Jahr 2007 verloren. Die Folgen sind bis heute unübersehbar. Wer von Köln aus über die Autobahn A 4 Richtung Osten fährt, sieht weite Flächen rechts und links der Strecke entwaldet, teilweise noch mit toten Fichten als Gerippe auf den Flächen.

60 Prozent der Fichten in NRW sind verlorengegangen

Der Borkenkäfer hat in erster Linie die Fichte vernichtet. Weil diese sehr schnell wächst gilt sie unter Waldbauern als Brotbaum. „60 Prozent der Fichten in NRW sind verlorengegangen“, sagt Kämmerling. Das ist für den Holzmarkt besonders kritisch, weil die Fichte nicht nur schneller wächst, als andere Baumarten, sondern wegen ihres graden Stammes gut zu Balken und Bohlen auf dem Bau verarbeitet werden kann.

Die Knappheit beim Holz hat für die Waldbauern auch eine gute Seite. Am deutschen Holzmarkt sind die Preise für Fichte und Kiefer 2026 so hoch wie noch nie. Holz ist derzeit so knapp, dass die Holzindustrie Anfang 2026 die Holzpreise noch mal kräftig erhöht hat. Waldbauern bekommen für Nadelrundholz so hohe Erlöse wie nie zuvor, meldet das Fachmagazin „Agrar heute“. Gleichzeitig stünden die Sägewerke vor leeren Lagern und explodierenden Kosten, und einer akuten „Rohstoffunterversorgung“. „Die steigenden Preise zeigen jedenfalls eine extrem knappe Marktversorgung“, sagt Kämmerling. Von der Mangellage profitieren mittlerweile auch mindere Qualitäten und Industrie- und Brennholz.

Nun versucht man, Alternativen zur Fichte zu finden. Laut Kämmerling kommen dafür neben der Douglasie auch Küstentannen in Frage. Wegen der Knappheit beim Holzmarkt sind auch deren Preise kräftig angezogen. Auch Fichten, die auf den Kahlflächen als Naturverjüngung von selbst aufwachsen, würden nicht bekämpft. Allerdings sind sie nur als Beimischung erwünscht, um eine neue Borkenkäferplage zu verhindern.

Ein Konfliktfeld nach der Borkenkäfer-Katastrophe ist der Umgang mit dem Wild. Förster und Waldbauern fordern, den Abschuss drastisch zu erhöhen. Neben Rothirschen stehen vor allem die zahlreichen Rehe in NRW einer schnellen Widerbewaldung im Wege. Hintergrund ist, dass Rehe Konzentratselektierer sind. Konkret heißt das, dass sie nicht ein einzelnes junges Bäumchen auffressen, sondern von im Zweifel Hunderten Bäumen nur die junge Spitze, um satt zu werden. Damit schädigen sie vergleichsweise große Aufwuchsflächen.

„Wir wollen nicht das Rehwild ausrotten, wir wollen aber einen angepassten Bestand an Tieren“, sagt Förster Kämmerling. Jäger sehen sich auch als Anwälte des Wildes. Sie verstehen Jagd nicht nur als Erlegen, sondern als Verantwortung für den Lebensraum und die Tiere und werfen den Waldbesitzern rein wirtschaftliche Interessen vor. Der Streit nennt sich Wild-Wald-Konflikt und wird nach der Borkenkäferplage vehementer geführt als früher. (mit dpa)