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Fotopionier Pixum
Gründer Attallah geht: „Nicht ein Jahr ohne Wachstum“

8 min
Pixum-Chefs: Thomas Alscheid und Daniel Attallah

Pixum-Chefs: Thomas Alscheid und Daniel Attallah

Nach mehr als 25 Jahren übergibt Pixum-Gründer Attallah die Firmenleitung. Im Gespräch erklären alter und neuer Chef, was der Wechsel für Pixum bedeutet.

Der Rodenkirchener Online-Fotoservice Pixum hat das Fotobuch nicht erfunden, aber groß gemacht. Auch unter dem neuen Geschäftsführer Thomas Alscheid will das Unternehmen weiter wachsen – und bekennt sich gleichzeitig zum Standort Köln.

Herr Attallah, Sie und Pixum, das sind ein gutes Vierteljahrhundert deutscher und Kölner Start-Up- und Unternehmensgeschichte. Wenn Sie, frei nach Heine, im Jahr 2026 an den Standort Deutschland denken in der Nacht, bringt Sie das um den Schlaf?

Attallah: Ja und nein. Manchmal aber werde ich schon wach und ärgere mich.

Worüber?

Attallah: Am Anfang von Pixum gab es wirklich wenig Grund zum Jammern. Wir waren ja nur zu dritt, ein Start-Up aus dem Bilderbuch, in einer alten Garage, damals noch in Lohmar. Die Gründung lief gut. Das war auf dem Höhepunkt des ersten Internet-Hypes, und eigentlich in 24 Stunden alles unter Dach und Fach. Wir sind zum Notar, haben eine AG gegründet, zwei Wochen später war das Thema erledigt. Und dann haben wir losgelegt.


Daniel Attallah und Thomas Alscheid

Daniel Attallah, 62, ist Kölner Urgestein, Gründer und langjähriger Geschäftsführer von Pixum. Er ist seit vielen Jahren in der lokalen Gründerszene aktiv und als Mitglied der KG Köln-Rodenkirchen seit einigen Jahren auch im Karneval. In naher Zukunft will er erst einmal reisen, einen seiner beiden Oldtimer kutschieren, sein Golf-Handicap verbessern und seine Erfahrung als Unternehmer als Sparringspartner anderen CEOs anbieten.

Sein Nachfolger Thomas Alscheid, 50, war bereits von 2008 bis 2019 in leitender Funktion bei Pixum tätig. Zuletzt führte er als Co-Geschäftsführer das Profi-Fotolabor Whitewall in Frechen. Pixum und Whitewall gehören zur Cewe-Gruppe aus Oldenburg. Das börsennotierte Unternehmen gilt als Markführer für Fotoservices in Europa und setzte im vergangenen Jahr 864,5 Millionen Euro um.


Also doch nicht zu viel Bürokratie?

Attallah: Nun ja. Der größte Aufreger, wie könnte es anders sein in Köln, war eine baurechtliche Entscheidung, als wir unsere zweite Etage hier in Rodenkirchen dazu mieten wollten. Ich sage nur: Brandschutz. Wir platzten damals fast aus allen Nähten, wir wollten die neue Etage genauso gestalten wie die obere. Unter anderem eine vernetzte Brandmeldeanlage, da wir ja wieder mit offenen Räume arbeiten wollten. Alles kein Problem, dachten wir, haben aber nicht mit der Bauaufsicht gerechnet. Wir mussten alles neu genehmigen lassen, was viele Monate gedauert hat. Dann kam die Bauabnahme und als diese nach neun Monaten noch immer nicht geschah, habe ich mich in aller Verzweiflung direkt an die Oberbürgermeisterin gewandt.  Und plötzlich ging alles ganz schnell. Eine Woche später war jemand da. Innerhalb von 15 Minuten war der Umbau abgenommen.

Sonst noch was?

Attallah: Ich glaube, die Zusammenarbeit von Stadt und Land NRW ist höchstens mangelhaft. Ich erinnere an den Plan von Thomas Bachem, hier eine Code University zu gründen, eine Hochschule, um Programmierer praxisnah auszubilden. Die Genehmigung ging über Monate zwischen Land und Stadt hin und her, ohne Ergebnis. Am Ende hat Thomas das in Berlin hochgezogen. Und wir hätten das wirklich vor Ort gebraucht, denn es ist in Köln sehr schwierig, gut ausgebildete Programmierer zu finden.

Wir sind die einzigen, die aus der Frühzeit des Internets übrig geblieben sind
Daniel Attallah

Herr Alscheid, haben Sie was auf dem Herzen?

Alscheid: Ganz klar die Reporting-Pflichten. Das Nachhaltigkeitsreporting sprengt die Grenzen des Vernünftigen.  Damit benachteiligen sich Deutschland und Europa im globalen Wettbewerb. Das sind erhebliche Gelder, die europäische Unternehmen hier investieren müssen - auch wir.  Gottseidank hat die EU begriffen, dass sie übers Ziel hinausgeschossen ist. Fristen wurden verlängert und Unternehmensgrößen wurden angehoben, aber der Aufwand bleibt grenzwertig.

Und trotzdem sind Sie nach 25 Jahren noch immer in Köln. Warum?

Attallah:  Nun, erstens, ich bin ne kölsche Jung, und Thomas Alscheid, das darf ich sagen, kommt zwar leider aus Koblenz, ist aber schon seit 20 Jahren auch hier zuhause. Köln ist lebenswert, sehr international, wir sind ein europaweit tätiges Unternehmen. Das passt sehr gut zusammen. Wir haben hier in Köln 150 Mitarbeitende aus 20 Nationen, dazu kommen noch 20 Softwareentwickler in Bulgarien. Bei Pixum geht es also bunt zu und weltoffen. Und das ist sicher ein Grund des Erfolgs. Es gab in Köln nicht ein Jahr ohne Wachstum, wir sind der einzige Online-Fotoservice, der aus der frühen Internetzeit übrig geblieben ist.

Warum sind Sie dann unter das Dach der großen CEWE-Gruppe aus Oldenburg geschlüpft?

Attallah: Wir haben das nicht eine Sekunde bedauert. Wir waren im Jahr 2000 ein Pionier der digitalen Fotobearbeitung, Cewe als einer der ganz großen Laborbetreiber war schon vom zweiten Jahr an als Lieferant und  Finanzierer mit dabei in unserer Gründungsgeschichte. Auch nach der Akquisition hat Cewe die Leine immer sehr lang gemacht und gerade mir immer ausreichend unternehmerische Freiheit gelassen. Das ist ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur von Cewe. Wir haben das alles gemeinsam geschaffen.

Ist das Fotobuch als das Aushängeschild von Pixum nicht schon in die Jahre gekommen?

Alscheid: Keineswegs. Wir sehen immer noch gute Wachstumsraten, und das ist vor allem Ergebnis der digitalen Bilderflut. Denn gerade beim Fotobuch sehen wir, wie viel Zeit und Herzblut unsere Kunden hier reinstecken. Wir als Pixum kümmern uns darum, dass das bequem, schnell, günstig und mit hoher Qualität umgesetzt wird.

Sie drucken nicht selbst?

Attallah: Wir sind im Kern eine Software-Marketing-Company. Und ein Dienstleister unserer Kunden, denn wir machen den Kundenservice selbst. Das hat die Marke Pixum stark gemacht. Und dann haben wir unsere Muttergesellschaft Cewe im Rücken, die den Fotodruck zweifellos revolutioniert hat. Das sehen Sie bespielhaft beim Fotobuch, wir haben das zwar nicht erfunden, aber wir haben das gemeinsam mit Cewe weit nach vorne gebracht und bedienen heute viele Millionen Kunden in ganz Europa. Und die vertrauen uns, was in diesem Geschäft zentral ist. Denn unsere Kunden geben uns ihre wichtigsten Fotos, ihre schönsten Erlebnisse und ihre Erinnerungen. Sie vertrauen uns, damit wir daraus dann ein Produkt machen, was sie anfassen können, und worauf sie stolz sind.

Apropos Vertrauen, mit Zahlen gehen Sie als Pixum nicht gerade verschwenderisch um. Wie viel haben Sie 2025 umgesetzt?

Attallah: Das sagen wir selbst Ihrer Redaktion nicht. Nur so viel: Bei unserer Gründung waren wir sehr optimistisch und haben prognostiziert in vier Jahren 84 Millionen umzusetzen. Das hat zwar ein wenig länger gedauert als geplant, aber jetzt sind wir deutlich klar drüber. Aber wenn Sie mehr wissen wollen, schauen Sie sich die Zahlen unserer Mutter an, die ist börsennotiert und ziemlich transparent.

Warum hören Sie auf, Herr Attallah?

Attallah: Sein Baby abzugeben, das ist immer schwer ist. Mit vier konnten wir unseres noch nicht alleine auf die Straße lassen, zugegeben. Jetzt mit 25 weiß ich, es kann laufen, es hat schon studiert, es  verdient selbst schon lange gutes Geld, jetzt kann ich loslassen. Ich habe also das Gefühl, das Unternehmen ist in einer Phase angekommen, in der die Führungscrew und die einzelnen Bereiche so stabil sind, dass sie auch ohne mich klarkommen. Und vielleicht, das will ich zugeben, ist es auch an der Zeit, dass Jüngere die weitere Gestaltung übernehmen. Also, habe ich mir gesagt, jetzt muss mal jemand ran, der mit frischem Geist neue Dinge tut, die ich vielleicht nicht mehr bereit war zu tun.

Hat auch die Unternehmensmutter Cewe Druck gemacht?

Attallah: Nein, ich hätte noch länger bleiben können, aber wir haben das wirklich gemeinsam entschieden und uns eng mit dem Vorstand abgestimmt. Als börsennotiertes Unternehmen hat Cewe gute Erfahrungen mit Kandidaten aus den eigenen Reihen gemacht, die das Unternehmen kennen, die Kultur kennen. Und so war es jetzt auch bei uns. Thomas  kennt Pixum aus dem ff, er hat unsere Kultur mitgeprägt. Und er hat in unserer Schwestergesellschaft Whitewall in Frechen wichtige Führungserfahrung gesammelt. Dort hat er, das darf ich ja sagen, in einer etwas kleineren, aber sehr internationalen Einheit sehr profitables, sehr tolles Geschäft gemacht. Und nun kann er bei Pixum ans Steuer.

Nun sind Sie gefragt, Herr Alscheid, was haben Sie vor?

Alscheid: Daniel hat den schönen Spruch gebracht, es geht nicht darum, die Asche zu bewahren, sondern die Flamme weiter zu tragen. Viel anders machen muss ich gar nicht, sondern das fortführen, was er in den letzten 26 Jahren hier aufgebaut hat. Ich bin Teil der Kultur, war elf Jahre bei Pixum, davon lange Zeit in Führungsverantwortung, auch und gerade als Daniels rechte Hand. Gemeinsam haben wir dieses Start-up-Feeling bewahrt. Das ist mir sehr wichtig. Und werde ich Dinge ändern? Bestimmt.

Welche denn?

Alscheid: Pixum soll noch internationaler werden. Und dann treibt mich lange schon die Frage um, was ist denn das nächste große Produkt? Aber darauf gibt es noch keine Antwort. Also müssen wir wach bleiben und innovativ die nächsten großen Herausforderungen meistern - meist ist das Technologie. 

Also KI und die Zukunft des Fotobuchs?

Attallah: KI ist eine große Herausforderung für jedes Unternehmen, auch für uns. Ich denke an Softwareentwicklung, Kundengewinnung, Frontends. Es ist nicht auszuschließen, dass wir der KI irgendwann mal sagen werden: Mach mir doch mal einen Vorschlag für ein tolles  Fotobuch. Aber nein, so weit sind wir noch nicht.

Alscheid: Und das wird auch noch eine Weile dauern.  Unsere KI kann heute schon erkennen, ob es ein gutes Foto ist oder ein schlechtes Foto und einen Vorschlag für ein schönes Fotobuch machen. Aber wird KI jemals erkennen, welche emotionalen Wert ein Foto hat? Ich bin  zuversichtlich für uns und unser Geschäftsmodell, dass wir KI so einbauen können, dass es zu einem echten Mehrwert für unsere Kunden wird. 

Und keine Angst vor den Chinesen?

Alscheid: Ich sprach vor kurzem mit einer Redakteurin, die gar nicht wusste, dass ihr Fotobuch in China produziert wird. Die Lieferung dauerte so lange, bis ihr endlich mitgeteilt wurde, dass ihr Buch im Suezkanal feststeckt. Fotobuch, das ist ein persönliches Produkt mit hohem emotionalen Wert, mit hohem Qualitätsanspruch seitens der Kunden.  Und auch Geschwindigkeit und Vertrauen in Bezug auf Datenschutz sind zentral. Das alles spricht für uns und für Europa.

Gibt es eine Standortgarantie für Köln?

Alscheid: Auf jeden Fall. Köln ist und bleibt unsere Heimat. Und diese Eigenständigkeit ist in der Gruppe fest verankert.

Die letzte Frage dreht sich um den Espresso, auch der soll bei Pixum etwas Besonderes sein. Worauf kommt es an?

Attallah: Maschine, Mahlgrad, Temperatur, Druck - alles muss zusammenspielen. Besonders wichtig sind dann vor allem die Bohnen und die Röstung. Die kommen bei uns selbstverständlich auch aus Kölle, von Moxxa.