Köln rüstet sich für die Gamescom – doch die Chipkrise bremst die Kauflaune der Gamer. Wie ein Indie-Studio aus der Region das Auf und Ab der Branche verkraftet.
GamescomKölnmesse vermeldet Ausstellerrekord – Branche ächzt unter steigenden Kosten

Jährlich zieht die Messe Gamescom Hunderttausende Besucher nach Köln.
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Auf der weltgrößten Computerspiele-Messe Gamescom präsentieren sich in diesem Jahr so viele Aussteller wie noch nie. Wie die beiden Veranstalter, die Kölnmesse und der Verband Game, mitteilten, werden bei dem Branchentreff mehr als 1.600 Aussteller aus 67 Nationen erwartet und damit mehr als im bisherigen Rekordjahr 2025, als es 1.568 gewesen waren. Gut zwei Drittel davon kommen in diesem Jahr aus dem Ausland. Auch auf Besucherseite ist die Nachfrage groß: Die Tickets für Samstag sind bereits ausverkauft. Die fünftägige Messe startet am 26. August auf dem Gelände in Deutz.
Etwas geschmälert wird die Vorfreude bei einem Blick auf die aktuellen Umsatzzahlen. Anders als im vergangenen Jahr, als sich die deutsche Branche noch auf Wachstumskurs befand, sind die Erlöse im ersten Halbjahr 2026 um drei Prozent auf 4,2 Milliarden Euro zurückgegangen, davon berichtete Felix Falk, Geschäftsführer des Game-Verbands, im Vorfeld der Messe.
Hardware wird durch hohe Nachfrage nach Speicherchips immer teurer
Demnach legten die Umsätze mit Online-Gaming-Services, also Cloud- und Abo-Diensten, in den ersten sechs Monaten des Jahres zwar sogar um drei Prozent auf 556 Millionen Euro zu und der Verkauf von Spielen stagnierte bei rund 2,3 Milliarden Euro. Allerdings verzeichnete die Hardware-Sparte ein deutliches Minus von acht Prozent. Spielekonsolen, Gaming-PCs und Zubehör brachten nur noch 1,3 Milliarden Euro ein, im Vorjahreszeitraum waren es noch 120 Millionen Euro mehr.
Doch die steigenden Kosten für Geräte wie die Nintendo Switch, Microsofts Xbox oder Sonys Playstation drücken die Kauflust der Gamer. Grund sind die gestiegenen Preise von Arbeitsspeichern und Festplatten, die auf die hohe Nachfrage nach Chips zurückzuführen sind. Seit Herbst 2025 fegen große Tech-Konzerne den Markt mit riesigen Bestellungen für ihre Rechenzentren leer, sodass die Beschaffung der Teile immer teurer wird. Für die Speicherkrise gibt es sogar einen Namen: „RAMageddon“ wird die Entwicklung in der Branche genannt. Gemeint ist eine ironisch zugespitzte Wortschöpfung aus Arbeitsspeicher (RAM/Random Access Memory) und Armageddon, also dem Weltuntergang. Ein Ende könne er nicht absehen, sagt Falk vom Games-Verband.

Werden auch in diesem Jahr bei der Gamescom erwartet: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU)
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Auch unabhängig davon hinkt der Produktionsstandort Deutschland hinterher. „Von 100 Euro, die hier für Games ausgegeben werden, bleiben nur rund 5,50 Euro bei deutschen Games-Unternehmen“, so Falk. Die Entwicklung eines Spiels sei hierzulande 30 Prozent teurer als anderswo. Andere Länder, darunter Frankreich, Großbritannien und Kanada, hätten das wirtschaftliche Potenzial der Branche bereits vor vielen Jahren erkannt. Dem Bund fehle eine erfolgsbringende Strategie hingegen noch – obwohl die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Branche sogar im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD verankert ist, kritisiert Falk.
Es gehe darum, „mehr Investitionen nach Deutschland zu holen, weitere Arbeitsplätze aus der Games-Branche heraus zu schaffen und mehr Spiele mit Weltmarktpotenzial zu produzieren“. Pläne, die er wohl mit den Politikern, die sich zur Messe angekündigt haben, in Köln besprechen wird. Erwartet wird neben Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), der zuständigen Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), erstmalig auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Quadhead: erfolgreiches Indiestudio aus Köln
Dann wird es nicht nur Anlass zum Meckern geben. Denn der Verband zeigt sich optimistisch: „Hier gibt es bereits viel Mut zu gründen, ein hohes Innovationsniveau und hochklassige Ideen“, so Falk. Insbesondere die sogenannten Indie-Games – Videospiele, die ohne die finanzielle Hilfe großer Publisher von kleinen Teams oder Einzelpersonen entwickelt werden – prägen den Standort.
Ein aktuelles Beispiel kommt aus Köln: Quadhead – ein Team aus vier Entwicklern, gegründet Anfang 2026. Mit ihrer ersten Veröffentlichung feierten sie einen unerwarteten Erfolg. In den ersten drei Monaten wurde das Videospiel Pratfall, bei dem es um die Suche nach einem Hund in einem Höhlensystem geht, mehr als 500.000 Mal verkauft – das brachte einen siebenstelligen Umsatz in die Kassen, vor allem aber Zeit, um in Ruhe an neuen Projekten zu arbeiten.

Das Kölner Indie-Studio Quadhead hat das Videospiel Pratfall 2026 auf den Markt gebracht. Zum Team gehören: Christiane Ebrecht-Hepke, Tim Schroeder, Robert Schneider und Michael Koloch (v.l.)
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Den Luxus haben nicht viele. Andere Studios sind auf Geld von Förderern oder Publishern angewiesen, um sich über Wasser zu halten. Trotzdem gibt Schroeder sich zurückhaltend. „Games sind ein umtriebiges Geschäft. Man kann mit einem Spiel super erfolgreich sein und beim nächsten groß scheitern. Es ist ein ständiges Auf und Ab.“
Er spricht aus Erfahrung. Einst bauten er und seine Kollegen das Unternehmen Massive Miniteam auf. Mit 28 Mitarbeitenden galt es zwischenzeitlich als eines der größten Kölner Entwicklerstudios. Nach der Übernahme durch die schwedische Embracer-Gruppe, dem Abfall des Corona-Booms und verbundenen Budget-Kürzungen mussten sie die Firma Ende 2025 auflösen.
Daraus haben sie ihre Lehren gezogen. Mit Quadhead wollen die vier ganz indie-like „gezielt klein bleiben, keine großen Kosten erzeugen, günstig entwickeln, nicht großartig wachsen und keinen großen Managementapparat mehr hochziehen“. So seien sie flexibler und könnten schneller eigene Entscheidungen treffen, sagt Schroeder.

Bei dem in Köln entwickelten Spiel Pratfall geht es darum, einen Hund aus einem Höhlensystem zu retten.
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Wenn er und seine Kollegen sich nach der gezwungenen Aufgabe von Massive Miniteam, der Neugründung von Quadhead und dem Durchbruch von Pratfall auch gut gefangen zu haben scheinen, ist Köln damit ein Vorzeige-Studio verloren gegangen. Das Rheinland und explizit Köln schmücken sich zwar gerne mit dem Titel „Gaming-Hauptstadt“. Doch Schroeder räumt ein: „Uns fehlt ein großes Studio, in dem die Leute Erfahrung sammeln können, anstatt sich nach der Uni selbstständig machen zu müssen.“
Das große Zugpferd bleibt derweil die Gamescom – nicht nur für die Gaming-Branche, sondern auch für den Messestandort. Seit der ersten Ausgabe 2009 hat sie sich mittlerweile zum weltweit größten Gaming-Event und zur besucherstärksten Messe Europas entwickelt. Firmen wie die Konsolen-Hersteller Nintendo („Super Mario“) und Microsoft Xbox („Age of Empires“) sowie die Publisher Tencent Games („Dune: Awakening“) und Ubisoft („Anno 1800“, „Anno 117“) präsentieren sich den Fans und Fachleuten.
Im vergangenen Jahr besuchten 357.000 Besuchern die Messe in Köln. In der kommenden Woche rechnen die Veranstalter mit einem ähnlichen Andrang. Der Besucher-Höchstwert war 2019 mit 373.000 erreicht worden. Damals war das Gedränge in den Kölner Messehallen besonders intensiv und es sorgte bei manchen Besuchern für schlechte Laune. Auch deshalb werde dieser Allzeit-Höchstwert gar nicht mehr angepeilt, heißt es von den Veranstaltern. Viel wichtiger als die Besucherzahlen sei die digitale Reichweite, die sich seit Jahren deutlich erhöht habe – also die Online-Klicks bei Gamescom-Formaten.
