Gernot Döllner wird gewusst haben, was ihm nach seinem Gastspiel im US-Wahlkampf zuhause blüht. Der Auftritt des Audi-Chefs an der Seite Donald Trumps wird völlig zu Recht zerrissen, er war unsäglich. Gegen einen Besuch beim Präsidenten im Weißen Haus wäre nichts zu sagen. Ein Wahlkampfauftritt vor Parteivolk ist dagegen – erst recht begleitet von den vertrauten Trump-Tiraden – indiskutabel.
Das Motiv dürfte eine Zahl mit wenigstens neun Stellen sein. Denn was Döllner in Trumps Jubelveranstaltung offenbar nicht sagen durfte: Voraussetzung für das neue Audi-Werk in den USA sind hohe Subventionen und/oder Zollvorteile. Die Wahlkampfhilfe des Unternehmenschefs gehört zur Gegenleistung wie die Zahl der Arbeitsplätze. Man kann nur hoffen, dass Trump das Audi-Engagement wenigstens teuer eingekauft hat.
Diese Rechnung wird Döllner nun zumindest allen internen Kritikern aufmachen, die ihm den Imageschaden und damit die Schädigung der Unternehmensinteressen vorwerfen. Audi braucht eine Produktion in den USA, das bestreitet kaum jemand. Der Chef hat den besten Zeitpunkt kurz vor der Wahl für den maximalen finanziellen Vorteil genutzt. Clever – in der Döllner-Welt.
Der Preis ist die Glaubwürdigkeit
Der Preis, den die gesamte deutsche Wirtschaft zu zahlen hat, ist die Glaubwürdigkeit. Unternehmen investieren viel Zeit und Geld, um ihre Werte jenseits der Gewinnmaximierung zu definieren – und noch mehr, um das Ergebnis anschließend öffentlich strahlen zu lassen.
Stets geht es dabei um eine offene Gesellschaft und Toleranz, gern auch um freien Handel und Schutz der Ressourcen. Niemand bezweifelt, dass die Beteiligten sich das tatsächlich wünschen. Wenn ein Manager aber im finanziellen Interesse seines Unternehmens Wahlkampf für einen Mann macht, der manchen dieser Werte mit Füßen tritt, sind wenigstens die Prioritäten geklärt – und die angeblichen Werte nur hohle Phrasen.

