Abo

„Er braucht sehr viel Hilfe“Maschmeyer geht mit Merz hart ins Gericht

3 min
Der Unternehmer Carsten Maschmeyer steht bei einem Fototermin zur Vox Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ im Studio.

Die mangelnde Digitalkompetenz der politischen Führung ist dem Unternehmer und „Die Höhle der Löwen“-Star Carsten Maschmeyer ein Dorn im Auge. (Archivbild)

Beim OMR in Hamburg findet der prominente Investor deutliche Worte zur Politik des Bundeskanzlers.

Der Auftritt von Carsten Maschmeyer (66) auf der Bühne des Digital-Festivals OMR in Hamburg sollte eigentlich im Zeichen von Innovation und Start-ups stehen. Doch im Gespräch mit Tanja May, stellvertretende Chefredakteurin von „Bild“, im Rahmen des „MayWay“-Podcasts wurde der prominente Investor, bekannt aus „Die Höhle der Löwen“, deutlich politisch. Angesichts sinkender Platzierungen in internationalen Wirtschaftsrankings äußerte Maschmeyer massive Bedenken bezüglich der Zukunftsfähigkeit Deutschlands.

Carsten Maschmeyer: „Politiker müssen besser arbeiten“

Besonders die mangelnde Digitalkompetenz der politischen Führung ist Maschmeyer ein Dorn im Auge. Er bezeichnete Künstliche Intelligenz (KI) als „dritte Gehirnhälfte“ – ein Werkzeug, das in Deutschland viel zu wenig genutzt werde, weil das Verständnis in Berlin fehle. „Viele wissen nicht, wie man einen Laptop auflädt oder einschaltet. Und die sollen uns in die digitale Zukunft führen?“, so sein provokantes Urteil.

Carsten Maschmeyer mit Ehefrau Veronica Ferres beim Bundespresseball.

Carsten Maschmeyer mit Ehefrau Veronica Ferres beim Bundespresseball. (Archivbild)

Auch die Debatten um eine vermeintliche „Faulheit“ der Deutschen oder die Streichung von Feiertagen wies er zurück. Zwar gebe es „Drückeberger“, doch das Problem liege an anderer Stelle: „Die meisten Menschen in Deutschland müssen nicht mehr arbeiten. Politiker müssen besser arbeiten.“

Das fiktive Telefonat mit dem Kanzler

Auf die konkrete Frage, wie er reagieren würde, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz (70) ihn telefonisch um Rat bitten würde, antwortete Maschmeyer trocken: „Das wäre ein langes Gespräch.“ Er sehe bei dem CDU-Politiker enormen Nachholbedarf. „Er braucht sehr viel Hilfe“, konstatierte der Investor.

Zwar schränkte er ein, dass er sich lediglich als Experte für Wirtschaft und Innovation verstehe, doch genau dort liege die Achillesferse des Staates. Großkonzerne erstickten in Bürokratie, weshalb seine Hoffnung allein auf den neuen, innovativen Gründern liege. „Wenn ich da mithelfen kann, dass ein neuer Marktführer entsteht, macht mich das stolz.“

Privatleben: „Vom Profi zum Amateur“

Neben der politischen Breitseite zeigte sich der 66-Jährige auch von seiner verletzlichen Seite. Er reflektierte seine eigene Vergangenheit als Workaholic und die gesundheitlichen Folgen. Vor 18 Jahren habe ihn ein Burn-out, das 2010 seinen Höhepunkt erreichte, zum Umdenken gezwungen. „Ich hatte den Höhepunkt meiner Erkrankung 2010. Damals war dies viel mehr tabuisiert. Ich habe es daher lange nicht zugegeben.“

Heute sehe er beruflichen Erfolg differenzierter. Wer beruflich ein „Profi“ sei, laufe Gefahr, privat ein „Amateur“ zu sein. Er selbst sei zeitlich kein guter Vater gewesen, ein Fehler, den er nun bei seinen drei Enkelkindern wiedergutmachen möchte. „Ich habe meinen Kindern versprochen: Ich werde ein besserer Opa.“

Dafür zieht er mittlerweile konsequente Grenzen: Wenn eines seiner Kinder anruft, unterbreche er heute sogar wichtige Meetings. „Vatersein kannst du nicht delegieren“, so Maschmeyer, der noch in dieser Woche zu seinen Enkeln in die USA fliegt – für ganz viel „Opa-Zeit“. (jag)