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Ölpreis-SchockBlockade der Straße von Hormus treibt Spritpreise in die Höhe

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Zapfpistolen hängen an einer Tankstelle. (Symbolbild) Der Krieg im Nahen Osten hat Auswirkungen auf den Tankpreis.

Zapfpistolen hängen an einer Tankstelle. (Symbolbild) Der Krieg im Nahen Osten hat Auswirkungen auf den Tankpreis.

Der Ölpreis stieg schon vor dem Angriff auf den Iran. Jetzt droht dem Markt das Schreckensszenario. Das würde man auch an Tankstellen spüren.

Den Ölmärkten droht zum Wochenbeginn ein Preisschock, der sich an den Tankstellen fortsetzen könnte. Auch das Auffüllen der fast leeren deutschen Gasspeicher könnte nun erheblich teurer werden.

Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran zeichnete sich am Sonntag das schlechteste Szenario ab: Die Straße von Hormus war faktisch blockiert. Durch die Meerenge zwischen Iran und dem Oman wird normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasproduktion transportiert.

Schon in den vergangenen Tagen war der Ölpreis wegen der Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten gestiegen. Am Freitag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mehr als 73 Dollar, nachdem es Anfang des Jahres noch gut 60 Dollar gewesen waren. Die Spritpreise reagierten entsprechend: Superbenzin (E5) kostete am Wochenende teilweise mehr als 1,90 Euro pro Liter, E10 deutlich über 1,80 Euro und Diesel stand laut dem Portal clever-tanken.de bei rund 1,75 Euro.

Blockade wurde nicht erwartet

Für die nächsten Tage rechnen Experten aber mit einer weiteren drastischen Verteuerung von Rohöl, denn der bisherige Preisanstieg entsprach eher der Routine in unsicheren Zeiten. Kaum jemand erwartete umfassende Militärschläge, wie sie am Samstag begannen. Analysten der Investmentbank Morgan Stanley sahen den Preisanstieg bis dahin lediglich als „Risikoprämie“. Eine dauerhafte Unterbrechung des Schiffsverkehrs hielten sie für das am wenigsten wahrscheinliche Szenario.

Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr im weltweiten Ölhandel.

Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr im weltweiten Ölhandel.

Das rückte am Sonntag allerdings näher. Offenbar wurden Kapitäne angewiesen, ihre Schiffe anzuhalten. „Keinem Schiff ist es erlaubt, die Straße von Hormus zu passieren“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Vertreter des europäischen Marineeinsatzes Aspides.

Dutzende ankernde Schiffe

Außerdem verweigern Versicherungen in der Regel den Schutz in Kriegsgebieten, und Reedereien stoppen ihre Schiffe aus Sorge um Besatzung und Ladung. So zeigte die Plattform marinetraffic.com, die weltweit Schiffsbewegungen verfolgt, am Sonntagnachmittag bereits Dutzende ankernde Schiffe auf beiden Seiten der Meerenge, darunter viele Öltanker.

Hält dieser Zustand an, fehlen dem Weltmarkt täglich rund 20 Millionen Tonnen Rohöl und Raffinerieprodukte. Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean. Öl und Gas aus Iran, Irak, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten müssen größtenteils durch das Nadelöhr transportiert werden, wo die Fahrrinne teilweise nur rund fünf Kilometer breit ist.

Eine Schließung der Straße von Hormus gilt in jeder Nahost-Krise als größtes wirtschaftliches Risiko. Bisher ist der Iran vor einer dauerhaften Blockade allerdings immer zurückgeschreckt, denn er trifft damit auch die eigenen Ölexporte.

Irans Exporte gehen nach China

Das Land hat die viertgrößten Ölreserven weltweit, spielt wegen maroder Anlagen und politischer Sanktionen auf dem Weltmarkt aber nur eine Nebenrolle. Laut der Internationalen Energieagentur hat der Iran im Januar täglich rund 4,5 Millionen Barrel Öl exportiert, das entspricht 4,5 Prozent der weltweiten Produktion. Wegen der Sanktionen westlicher Länder wird das Öl größtenteils nach China geliefert.

Mehrere Opec+-Staaten beschlossen in einer planmäßigen Sitzung am Sonntag, dass sie ihre Förderung etwas stärker erhöhen werden als ohnehin erwartet. Ein Ausfall iranischer Förderung ließe sich also ausgleichen. Zudem wurde für die nächsten Monate eigentlich ein Überangebot an Öl erwartet - wenn der Transport funktioniert.

Kurzer Preissprung im Juni

Wie stark der Ölpreis nun steigt, hängt aber davon ab, wie lange die Schifffahrtsstraße gesperrt bleibt. Als die USA und Israel im Juni 2025 schon einmal iranische Atomanlagen bombardierten, sprang der Preis zwar auf 86 Dollar, fiel aber sehr schnell wieder auf sein altes Niveau.

Die Ölmärkte könnten am Montag mit ihren schlimmsten Befürchtungen konfrontiert werden
Analyst

Auch jetzt rechnen viele Analysten mit einem Sprung auf mehr als 80 Dollar pro Barrel. Bei der Barclays Bank hält man angesichts der Eskalation allerdings auch 100 Dollar für möglich. „Die Ölmärkte könnten am Montag mit ihren schlimmsten Befürchtungen konfrontiert werden“, heißt es in einer Analyse vom Wochenende.

Auch die Experten von Morgan Stanley warnten schon im Vorfeld vor Preisen von mehr als 100 Dollar, falls es zu einer längeren Transportunterbrechung komme. Es fehle zwar nicht grundsätzlich an Öl, aber die Logistikprobleme würden den Preis mindestens kurzfristig auf das Niveau von Anfang 2022 hochtreiben.

Damals hatte Russland gerade die Ukraine überfallen, ein Fass Brent kostete in der Spitze 116 Dollar. Kurz darauf zahlte man für einen Liter E10-Sprit an deutschen Tankstellen mehr als 2 Euro, Diesel war damals noch teurer.

Unruhig kann es in den nächsten Tagen auch am Gasmarkt werden, denn auch verflüssigtes Erdgas (LNG) wird zum Beispiel aus Katar durch die Straße von Hormus verschifft. Die deutschen Gasvorräte sind nach dem langen Winter erheblich dezimiert und müssen bald aufgefüllt werden. Das könnte nun zu deutlich gestiegenen Preisen geschehen.

Auch für die Finanzmärkte wird der Montag ein Härtetest. Vergleichsweise billige Energie gehörte bisher zu den Stützen der Weltkonjunktur. Auch die KI-Rechenzentren, um die sich an der Börse seit Monaten alles dreht, brauchen riesige Mengen Energie. Gleichzeitig wuchs in den vergangenen Tagen vor allem in den USA die Unsicherheit am Aktienmarkt, einzelne Werte schwankten stark.