Bayer wird mutiger. Der Konzern hat Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Die sind so positiv aufgefallen, dass die Leverkusener ihre Prognose für das laufende Jahr nach oben korrigieren konnten. Wachstumstreiber ist das wieder erstarkte Pharmageschäft. Nachdem mit dem Ablauf von Patenten die Erlöse zurückzugehen drohten, können nun zwei Präparate den Trend umkehren. Nubeqa kommt immer häufiger bei der Behandlung von Prostatakrebs zum Einsatz (Umsatzplus 58,3 Prozent), Kerendia bei der Behandlung chronischer Nierenerkrankungen (Umsatzplus 64,9 Prozent).
Weiterer Blockbuster in der Pipeline
Mit der Zulassung von Asundexian, einem Mittel zur Schlaganfallprävention, in China deutet sich ein weiterer Blockbuster, also ein Umsatzbringer mit Milliardenpotenzial an. Bayer sieht sich mit dem Präparat ein Jahr vor der Konkurrenz und führt das auch auf vereinfachte Prozesse im Unternehmen zurück. Bayer sei heute „das schnellste, schlankeste und innovativste“ Pharmaunternehmen der Welt, so CEO Bill Anderson. Mit Blick auf das Pharmageschäft sprach er von einem „Wendepunkt“.
Das Stichwort trifft auch auf Bayers größte Belastung der vergangenen Jahre zu: die Rechtsstreitigkeiten in den USA um den Unkrautvernichter Glyphosat. Nach fast einem Jahrzehnt steuert Bayer wohl auf einen Sammelvergleich zu, der den allergrößten Teil der Klage befrieden dürfte. Anderson sprach davon, dass mit einer gerichtlichen Genehmigung des Vergleichs in den kommenden Wochen zu rechnen sei, spätestens aber „vor Weihnachten“. Anderson berichtete davon, dass eine „überwältigende Mehrheit“ der Kläger sich dem Vergleich anschließen werde. Unter dem Eindruck der jüngsten Rechtsprechung gebe es zudem weitere Kläger, die sich ursprünglich nicht an dem Vergleich beteiligt hätten, nun aber um Aufnahme bäten. „Wir bekommen eine Menge dieser Anrufe“, so Anderson.
Andere Bayer-Divisionen schwach
Weniger erfreulich lief dagegen das Agrargeschäft. Der Umsatz ging währungsbereinigt leicht um 2,4 Prozent zurück. Bayer begründet das mit „nachteiligen Wetterbebedingungen“. Weil gleichzeitig die Herstellungs- und Vertriebskosten stiegen, brach der Gewinn der Division vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 41,3 Prozent ein. Auch die Sparte Consumer Health, in der Bayer seine freiverkäuflichen Produkte bündelt, verdiente unterm Strich 4,4 Prozent weniger.
Die Börse sah darüber hinweg. Bayer-Papiere legten nach Veröffentlichung der Quartalszahlen zeitweise um rund 6 Prozent zu. Entscheidend dafür dürfte die gestiegene Profitabilität in der Pharma-Sparte sein. Bayer konnte die Marge hier im dritten Quartal auf 27,6 Prozent hochschrauben und rechnet auch für das Gesamtjahr nun damit, dass 25 bis 27 Prozent der Umsätze als EBITDA-Gewinn verbucht werden können. Zuvor war das Unternehmen nur von 23 bis 25 Prozent ausgegangen.
Verschuldung nimmt stärker ab
Auch der Abfluss von Barmitteln, hauptsächlich verursacht durch die Vergleichskosten im Zusammenhang mit Glyphosat, soll geringer ausfallen. Bayer erwartet nun ein Minus von 1,5 bis 0,5 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen hier mit rund einer Milliarde weniger gerechnet. Die Nettoverschuldung dürfte entsprechend stärker sinken und zum Jahresende noch zwischen 28 und 29 Milliarden Euro liegen. Derzeit lasten noch Schulden von rund 31 Milliarden Euro auf dem Konzern.
Spekulationen um eine Aufspaltung Bayers entgegnete Anderson, es gebe in allen Divisionen des Konzerns noch Aufgaben zu erledigen. „Wir beobachten das Marktumfeld. Wenn eine Abspaltung von Unternehmensteilen sich als vorteilhaft herausstellen sollte, werden wir das in Erwägung ziehen“, so der Bayer-CEO. Im Augenblick liege das Augenmerk des Managements aber darauf, die operativen Herausforderungen zu meistern, darunter die weitere Implementierung von Künstlicher Intelligenz. Das sei besser, als die Ressourcen im Unternehmen für Jahre in die Umsetzung einer Aufspaltung zu stecken, so Anderson.
