Abo

DGB fordert MaßnahmenFrauen sind besser qualifiziert, arbeiten aber in schlechteren Jobs

3 min
Eine Verkäuferin holt in einer Bäckerei ein Brot aus dem Regal.

Eine Verkäuferin holt in einer Bäckerei ein Brot aus dem Regal. Solche Jobs werden häufig in Teilzeit ausgeübt. 

Frauen sind auch stärker von Armut gefährdet. Die Gewerkschaften fordern den Staat auf, Anreize weg vom klassischen Hauptverdiener-Modell zu setzen.

Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen benachteiligt: Sie haben die schlechteren Jobs, obwohl sie besser qualifiziert sind. Und sie verdienen immer noch weniger pro Stunde – 15 Prozent im Durchschnitt.

Das geht aus einem Arbeitsmarkt-Datenreport des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt und Recklinghausen hervor, die im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) erstellt wurde. Danach ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, liegt aber mit 56,1 Prozent immer noch deutlich unter der von Männern (64,9 Prozent).

„Berufstätige Frauen arbeiten zudem deutlich öfter in sogenannter atypischer Beschäftigung als Männer“, sagt Michaela Evans-Borchers, die als Wissenschaftlerin am IAT tätig ist. Demnach entfielen 76,1 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs und 59,4 Prozent der Minijobs in NRW auf Frauen. „Und obwohl Frauen in NRW oftmals besser qualifiziert sind als Männer, arbeiten sie häufiger in Tätigkeiten, in denen das Anforderungsniveau geringer ist.“ Während 59,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen demnach über einen anerkannten Berufsabschluss verfügen, sind es bei Männern nur 55,1 Prozent.

Frauen arbeiten häufiger mit geringerem Anforderungsniveau als Männer

Ein wichtiger Grund, warum Frauen ihre Arbeitszeit verringern, und ihre beruflichen Ambitionen zurückstellen, sei die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf, hob Evans-Borchers hervor. Hier spielten fehlende oder unzuverlässige Angebote zur Kinderbetreuung und die ungleiche Verteilung von Hausarbeit zwischen den Geschlechtern eine Rolle. Während Männer in NRW laut Datenreport wöchentlich rund 20 Stunden für Haushaltstätigkeiten und Betreuung von Angehörigen aufbringen, sind es bei den Frauen fast 30 Stunden.

Wie viele Frauen in NRW bereit sind, ihre Arbeitszeiten bei besseren Rahmenbedingungen zu erhöhen, kann das IAT anhand der zur Verfügung stehenden Daten nicht analysieren. Dass bessere Kinderbetreuung, mehr Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit und passgenaue Qualifizierungsmaßnahmen dazu beitragen können, aus dem Teilzeitjob in die Vollzeit zu wechseln, ist aber sehr wahrscheinlich. 33,5 Prozent der Frauen in Deutschland gaben im Jahr 2024 an, dass familiäre Gründe sie dazu zwingen, nur in Teilzeitjobs zu arbeiten.

Hohes Risiko, dass im Alter die Rente nicht reicht

Das alles hat Folgen. Weil Frauen die schlechteren Jobs haben, ist das Risiko höher, arbeitslos zu werden. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote von Frauen lag in NRW 2024 mit 7,3 Prozent zwar etwas niedriger als bei den Männern (7,8 Prozent). Dafür sind sie häufiger auf Bürgergeld angewiesen, das seit Anfang 2026 wieder Grundsicherung heißt. Auch das Risiko, im Alter von der Rente nicht leben zu können, ist hoch.

„Frauen müssen endlich die gleichen Chancen im Berufsleben bekommen wie Männer“, forderte Anke Unger, stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW. „Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, auch Wirtschaft und Gesellschaft würden erheblich profitieren: Berufstätige Frauen tragen zur wirtschaftlichen Stabilität ihrer Familien bei, sie zahlen Steuern und Sozialabgaben und sie sind dringend benötigte Fachkräfte.“

Damit Frauen endlich den Anteil auf dem NRW-Arbeitsmarkt einnehmen könnten, der ihrer Qualifikation und ihren Wünschen entspricht, müssten Politik und Arbeitgeber aktiv werden, so der Appell: „In den letzten Jahren ist zu wenig passiert, um Frauen angemessen zu fördern und Hürden aus dem Weg zu räumen.

Anstatt durch Minijobs, Ehegattensplitting und Steuerklasse V das klassische Hauptverdiener-Modell zu fördern, sollte der Staat Anreize für eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit setzen: Zum Beispiel durch eine zehntägige bezahlte Freistellung von Vätern nach der Geburt eines Kindes“, sagte Unger. Zudem könnten Vereinbarkeitslotsen in Betrieben und Verwaltungen helfen, die Unternehmenskultur familienfreundlicher zu gestalten und Beschäftigte bei Vereinbarkeitsfragen zu unterstützen, sagte Unger.