Der Handel mit illegalen Zigaretten wächst. Deutschland wird dabei zunehmend zum Produktionsstandort für Fälschungen.
Schwarzmarkt für KippenDeutschland wird laut Studie zunehmend zum Produktionsland

Illegal hergestellte Zigaretten samt dazugehöriger Maschine, die der deutsche Zoll beschlagnahmen konnte - hier ein Archivfoto vom Februar 2026.
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Konsumenten in Deutschland greifen vermehrt zu illegalen Tabakprodukten. Eine von Philip Morris International (PMI), dem Hersteller von Marlboro, beauftragte KPMG-Analyse zeigt, dass der Verbrauch von nachgemachten oder eingeschmuggelten Zigaretten im letzten Jahr auf geschätzte 1,9 Milliarden Stück anstieg. Dies stellt eine Zunahme von 0,2 Milliarden gegenüber 2024 und 0,3 Milliarden im Vergleich zu 2023 dar.
Infolgedessen wuchs der Anteil des illegalen Handels am gesamten Zigarettenmarkt von 2,2 auf 2,5 Prozent, nach 2,1 Prozent im Jahr 2023. Die Methodik der Untersuchung basierte auf der Analyse leerer Zigarettenschachteln. Diese wurden aus Abfallbehältern und Recyclingbetrieben entnommen, um sie hinsichtlich ihrer Steuermarken und Authentizität zu kontrollieren. Bundesweit wurden dafür etwa 100.000 Schachteln untersucht.
Deutschland entwickelt sich zum Produktionsstandort
In angrenzenden EU-Ländern wie Frankreich, Belgien und den Niederlanden ist die Quote illegaler Tabakwaren signifikant höher. Ein Teil der dort vertriebenen Fälschungen hat seinen Ursprung in rechtswidrigen Produktionsstätten in Deutschland. Zwar führen Polizei und Zoll wiederholt Razzien gegen derartige Betriebe durch, eine vollständige Beseitigung des Problems gelingt ihnen jedoch nicht.
Laut Tammo Körner, einem Experten von Philip Morris, gewinnt die Bundesrepublik für kriminelle Netzwerke an Relevanz und wandelt sich vom reinen Durchgangsland für Schmuggelgut hin zu einem Herstellungsort für Fälschungen. Diese Einschätzung teilt Thomas Liebel von der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ). Er fügt hinzu, dass der illegale Tabakhandel immer professioneller und arbeitsteiliger agiere, was die staatliche Kontrolle erschwere.

Eine Frau hält ihre glimmende Zigarette über einen öffentlichen Aschenbecher am Pariser Bahnhof Gare du Nord.
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Frankreich als Hochburg des europäischen Schwarzmarktes
Als Epizentrum des illegalen Zigarettenhandels in Europa gilt Frankreich. Gemäß der Erhebung liegt dort der Prozentsatz nicht versteuerter Zigaretten am gesamten Absatz bei 41,4 Prozent. Dies entspricht einem Volumen von 20,5 Milliarden Stück, was eine Steigerung um 1,8 Milliarden im Vergleich zu 2024 bedeutet. Aufgrund des hohen Preisniveaus in Frankreich sind die Gewinnmargen für Kriminelle auf dem Schwarzmarkt außerordentlich hoch.
Der Preis für Tabakzigaretten liegt in Frankreich um circa zwei Drittel über dem in Deutschland. Der Deutsche Zigarettenverband gibt an, dass der durchschnittliche Preis für eine Schachtel mit 20 Zigaretten hierzulande 2024 bei 7,33 Euro lag. Im Gegensatz dazu kostete sie in Frankreich zu diesem Zeitpunkt 12,07 Euro. Seitdem haben sich die Preise weiter erhöht, wobei Premiummarken grundsätzlich kostspieliger sind.
Belgien ist ebenfalls stark von dieser Form der Kriminalität betroffen. Innerhalb eines Jahres wurden dort laut der Untersuchung 2,1 Milliarden illegale Zigaretten abgesetzt. Die Studienautoren veranschlagen den Steuerausfall für Belgien auf beinahe eine Milliarde Euro. Der finanzielle Verlust für Deutschland ist mit rund 0,5 Milliarden Euro zwar niedriger, stellt angesichts angespannter öffentlicher Finanzen dennoch eine erhebliche Einbuße dar.
Debatte um die Tabaksteuer
«Je höher die Besteuerung ausfällt, desto größer sind die Gewinne für die organisierte Kriminalität und desto höher sind die Steuerausfälle», sagt Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE). Er mahnt daher vor steuerlich verursachten «Preisschocks» in der Bundesrepublik. «Das wäre ein Konjunkturprogramm für den Schwarzmarkt und ein Bremsklotz für den ehrlichen Händler», warnt Mücke bezüglich der kürzlichen Überlegungen der Bundesregierung, die Tabaksteuer deutlich anzuheben.
Eine gegenteilige Position vertritt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). «Tabaksteuererhöhungen sind die wirksamste Maßnahme, um Jugendliche vom Rauchen abzuhalten und rauchende Menschen zum Rauchstopp zu motivieren», sagt die Krebsforscherin. «Durch reduzierte Folgeerkrankungen spart das nicht nur viel Leid, sondern auch der Gesellschaft hohe Kosten.»

Nikotinbeutel in einer Dose - diese Exemplare sind legal, viele andere illegal.
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Nikotinbeutel als neues Geschäftsfeld für Kriminelle
Die Verfasser der Studie haben erstmalig auch den Markt für Nikotinbeutel analysiert. Hierbei handelt es sich um tabaklose Portionsbeutel, die zwischen Zahnfleisch und Wange platziert werden, um Aromen und Nikotin freizusetzen. Während ihr Vertrieb in manchen EU-Ländern gestattet ist, gilt in Deutschland ein Verkaufsverbot.
Im Rahmen der Untersuchung wurden Testkäufe in Ladengeschäften durchgeführt. In jedem sechsten Laden konnten die Produkte erworben werden, obwohl ihr Verkauf dort untersagt ist. Den Erkenntnissen der Studienautoren zufolge ist dieser Nischenmarkt mittlerweile so bedeutend, dass auch die organisierte Kriminalität aktiv geworden ist: Bei einem Drittel der erworbenen Artikel handelte es sich um Fälschungen.
Hersteller wie Philip Morris plädieren für eine Legalisierung von Nikotinbeuteln, um in Deutschland profitable Märkte zu erschließen und den illegalen Handel einzudämmen. «Die organisierte Kriminalität nutzt die bestehende Nachfrage und den unsicheren Rechtsrahmen, wodurch Verbraucher häufig auf Produkte aus dem Schwarzmarkt zurückgreifen», sagt Philip-Morris-Experte Körner. «Diese unterliegen keinen Qualitätsstandards, untergraben jeden Verbraucher- und Jugendschutz und verhindern Steuereinnahmen für den Staat.»
Die Krebsforscherin Schaller bewertet diese Erzeugnisse hingegen skeptisch. «Nikotin macht abhängig und birgt gesundheitliche Risiken.» Sie merkt an, dass die Aufmachung der Produkte zwar harmlos wie Süßwarenverpackungen wirke, der Inhalt es aber nicht sei. Die hohe Akzeptanz bei jungen Menschen und Heranwachsenden sei ein zusätzlicher Anlass zur Sorge. Bei Jugendlichen könne Nikotin die Hirnreifung beeinträchtigen, warnt Schaller und gibt zu bedenken, dass diese Produkte bislang nicht ausreichend erforscht seien. (dpa/red)
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