- In so gut wie allen Gütern des täglichen Lebens stecken unvorstellbare Mengen „virtuellen Wassers“, sagen Forscher.
- Jeder Deutsche verbraucht im Durchschnitt 5000 Liter pro Tag.
- Wie viel Liter Wasser stecken in einer Avocado, einer Tasse Kaffee oder einem Frühstücksei? Eine Übersicht.
Köln – Ein Gedankenspiel: Drehen Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser doch heute kurz vor dem Schlafengehen einfach mal den Wasserhahn auf und erst, wenn Sie wach sind, wieder zu. Und machen Sie das Gleiche morgen Abend noch einmal. Natürlich nur gedanklich. Aber dann hätten Sie die Wasserbilanz Ihres Rindersteaks erreicht, das da in Ihrer Pfanne schmort. Sie verzichten heute mal auf Fleisch? Mit dem Glas Milch, die Sie da gerade trinken, haben Sie trotzdem so viel Wasser verbraucht, wie in eine Badewanne passt.
In so gut wie allen Gütern des täglichen Lebens stecken unvorstellbare Mengen „virtuellen Wassers“, wie es Forscher nennen. Es fällt in der Produktionskette an , vom Feld bis zum Kunden. Und es lässt das, was wir sichtbar verbrauchen, winzig erscheinen. „Jeder Deutsche verbraucht rund 5000 Liter am Tag“, sagt Wasserexperte Johannes Schmiester vom WWF – das bedeutet Rang drei weltweit. „Aber nur 120 Liter fallen im Haushalt an – etwa so viel, wie in einer Kaffeetasse steckt.“ 98 Prozent verursachen wir also nicht in Küche und Bad, sondern im Supermarkt.
Um zum Beispiel den Wasserverbrauch einer einzigen Avocado auszugleichen, müsste ein Geschirrspüler schon 100 Mal im Sparmodus laufen. Ein Zwei-Personen-Haushalt dürfte dafür fast ein Jahr brauchen. „Der Spareffekt wäre im Konsum viel größer als im Haushalt“, sagt Schmiester. Selbst wenn wir daheim zehn Prozent sparen sollten, wäre das „ein Witz“. Zumal Wasser beim Spülen nur genutzt wird und durch Klärwerke wieder in den Kreislauf kommt, auch wenn es dann oft mit Reinigungsmitteln belastet ist.
Bio ist nicht immer besser
Aber weil Konsumenten den virtuellen Verbrauch nicht sehen, fällt uns Wassersparen schwer. Oft trügen vermeintlich ökologische Alternativen. Wer sein Auto scheinbar CO2-sparend mit Biodiesel aus Sojabohnen befüllt, tankt rund eine halbe Million Liter Wasser. Damit könnte man 3600 mal baden – zehn Jahre lang, jeden Tag. Oder einen Rasen von 300 Quadratmetern mehr als 100 Mal gießen. Auch mit Lebensmitteln ist es schwierig. „Das Bio-Siegel sagt nichts über den Wasserverbrauch aus“, sagt Schmiester.
Denn oft kommt auch Bio-Obst aus Regionen, die unter Trockenheit leiden. Beispiel Tomaten: „Konventionell in den Niederlanden angebaut sind sie Bio-Tomaten aus Südspanien mit Sicherheit vorzuziehen“, sagt Schmiester. Oder Bananen: „Viele glauben, dass die in Südamerika im Regenwald angebaut werden. Aber meistens kommen sie aus Wüstenregionen.“ Das gleiche gilt für Avocados aus Mexiko, Papayas aus Indien, Spargel aus Chile. Egal, ob bio oder nicht: Der Wasserverbrauch ist der gleiche.

In einem Steak steckt so viel Wasser wie in 57 Badewannen.
Copyright: Illustration: Hahn
Als Folge trocknen oft ganze Landstriche aus. Wie die Region Kapstadt, die im vergangenen Jahr knapp dem „Day Zero“ entkam, an dem nichts mehr aus der Leitung gekommen wäre. Südafrika ist der viertgrößte Wein-Exporteur für Deutschland. Auch in einem Glas Wein steckt eine Badewannen-Füllung Wasser. In Deutschland sind wir davon zwar „meilenweit entfernt“, sagt Schmiester. „Aber Wasser ist das Element, über das wir den Klimawandel spüren werden. Mit Dürren und Niedrigwasser, aber auch mit Überschwemmungen und steigendem Meeresspiegel.“
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Trockene Seen und Flüsse haben vielerorts schon Spuren hinterlassen. Im Vergleich zu 1970 sind global noch 20 Prozent der Süßwassertiere übrig geblieben. Was wir tun können? „Regional, saisonal, kein Fleisch, weniger wegwerfen“, sagt Schmiester. Dann können wir auch wieder guten Gewissens in die Badewanne steigen. Ganz real, nicht nur in Gedanken.



